Der letzte Akt im Opel-Theater

Der letzte Akt im Opel-Theater

Überraschende Wende: GM saniert die Tochter jetzt komplett aus eigenen Mitteln.

Düsseldorf. Am Ende verpuffen eineinhalb Jahre politischen Gezänks um Staatshilfen im Nichts: Opel und seine wieder erstarkende US-Mutter General Motors (GM) gaben am Mittwoch bekannt, sämtliche Hilfsanträge für das Traditionsunternehmen zurückzuziehen.

Die Entscheidung der Bundesregierung vergangene Woche, die beantragten Bürgschaften von 1,1 Milliarden Euro abzulehnen, war ein herber Rückschlag.

Zwar hatten sich die Bundesländer mit Opel-Werken beeilt, dem Autobauer Unterstützung im Alleingang zuzusagen. Doch Opel fürchtete weitere Monate des Wartens. Darauf hatten die Amerikaner keine Lust mehr. "Die Entscheidung der deutschen Regierung letzte Woche war eine Enttäuschung für uns", keilte Opel-Chef Nick Reilly gegen die Bundesregierung.

"Wir haben keine Absicht, den Sanierungsplan zu verändern, es ist der beste Plan für das Unternehmen", sagte Reilly am Mittwoch in einer Telefonkonferenz und wollte damit Sorgen um weitere Einschnitte zerstreuen. Damit bleiben die vier deutschen Werke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern erhalten.

Opel hatte im vergangenen Jahr angekündigt, 8300 Stellen in Europa abbauen zu wollen, allein 3900 davon in Deutschland. Derzeit arbeiten 46000 Menschen für den Autohersteller, rund die Hälfte davon in Deutschland. Daneben hatte sich Opel mit der Belegschaft auf Einsparungen von 265 Millionen Euro jährlich bis 2014 geeinigt.

Der Betriebsrat, der in den eineinhalb Jahren zeitweilig hart für eine Trennung vom verhassten Mutterkonzern GM kämpfte, begrüßte die Entscheidung der Amerikaner. GM habe "Klarheit geschaffen und beendet die Unsicherheit und Spekulationen für die Beschäftigten", erklärten Arbeitnehmervertreter.

Dass Opel nun sämtliche Bürgschaftsanträge zurückzieht, ist schon der zweite große Paukenschlag in der Krisengeschichte des Autobauers. Paukenschlag eins kam im November 2009, als GM den Opel-Verkauf absagte und damit die Bundesregierung vor den Kopf stieß.

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat die Entscheidung von Opel zum Rückzug aller Bürgschaftsanträge in Europa begrüßt. "Opel Bochum bleibt bestehen", erklärte er erleichtert. Der Chef der FDP-Landtagsfraktion, Gerhard Papke erklärte: "Opel beschämt die Befürworter von Staatshilfe."

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