Der Goldschatz kehrt zurück

Der Goldschatz kehrt zurück

Die Bundesbank will bis 2020 fast 700 Tonnen des Edelmetalls wieder in Deutschland lagern.

Frankfurt. „Holt unser Gold heim!“ Es scheint, als habe die Bundesbank den Ruf besorgter Bürger und Politiker erhört. Fast 700 Tonnen ihres Milliardenschatzes wollen Deutschlands Währungshüter bis 2020 aus New York und Paris nach Frankfurt holen.

Zu groß war das öffentliche Misstrauen — auch wenn das so recht in der Bundesbank niemand zugeben will: Sind die Barren im Ausland überhaupt vorhanden? Ist das Gold dort sicher? Kann man im Krisenfall zugreifen?

„Unser Gold ist physisch vorhanden“, betont Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. „Ich habe im vergangenen Jahr alle Lagerstätten besucht, und ich habe gesehen, was ich sehen wollte.“ Die Bundesbank präsentierte am Mittwoch zudem Gold zum Anfassen — und demonstrierte zugleich, dass die Barren echt sind.

Was an Experimente aus dem Physikunterricht erinnert, ist nach Angaben der Notenbank neuester Stand der Technik: Aus einem unscheinbaren grauen Kasten werden Ultraschallwellen durch den Barren geschickt.

An den grünen Ausschlägen auf dem Bildschirm erkennen die Experten, ob der Barren aus Gold ist oder nur eine goldene Hülle ein minderwertiges Metall umschließt.

Die Goldreserven der Bundesbank gelten als der zweitgrößte Goldschatz der Zentralbanken der Welt: Seit Mitte 1951 hatte die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven aufgebaut, in den 50er und 60er Jahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant: Die Wirtschaftswunderjahre brachten der Bundesrepublik viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht werden konnten.

Während des Kalten Krieges war es durchaus gewollt, deutsches Gold „westlich des Rheins“ und möglichst weit außerhalb der Landesgrenzen aufzubewahren. Der Ost-West-Konflikt ist lange Geschichte. Seit 1999 rechnet Europa in einer gemeinsamen Währung, dem Euro. Seither ist zumindest für den Standort Paris auch das Argument hinfällig, man könne das dort gelagerte Gold im Krisenfall in Devisen umtauschen.

Die Kosten und Risiken des Transports halten die Bundesbank nicht von der Aktion ab. Thiele stellt aber klar: „Verlagerung hat für uns überhaupt nichts mit Verkauf zu tun.“ Immer wieder gab es Forderungen, das Gold zu „versilbern“ — etwa um Renten oder Hilfen für Opfer der Elbeflut 2002 zu finanzieren.

Seit 1973 habe die Bundesbank weder Gold gekauft noch verkauft, betont Thiele. Einzige Ausnahme: Etwas Gold geht zum Marktpreis an das Bundesfinanzministerium für Gold-Sondermünzen. Ansonsten wachen die Bundesbanker mit Argusaugen über den Goldschatz. Künftig wollen sie die Hälfte davon auch selbst in Augenschein nehmen.

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