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Dänischer TV-Bericht: H&M soll tonnenweise Neuware verbrennen

Dänischer TV-Bericht: H&M soll tonnenweise Neuware verbrennen

H&M präsentiert sich in den letzten Jahren gerne als Unternehmen, dass sich Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Dänische TV-Reporter haben nun Details ans Licht gebracht, die das schwedische Billig-Modelabel nicht gerade gut aussehen lässt.

Der Vorwurf: H&M verbrennt seit 2013 durchschnittlich zwölf Tonnen Ware in der Müllverbrennungsanlage Kara / Noveren in Roskilde in Dänemark.

Ihren Kunden dagegen betet die Modekette mantraartig vor:„There are no rules in fashion but one: recycle your clothes“. Ein Slogan, den an den sie sich selber nicht zu halten scheint. Vor allem Neuware landet laut des TV-Berichts im Verbrennungsofen, .

Die Reporter des Senders TV2 waren am 15. Juni 2017 in der Verbrennungsanlage in Roskilde. Dort wurde an einem Tag 1.580 Kilogramm Kleidung von H&M verbrannt. In den Kartons fanden die Journalisten neue Hosen für Kinder und dunkelblaue Hosen für Frauen. Die Preisschilder waren noch an der Kleidung befestigt.

Die Journalisten fanden heraus, dass die Ware zum größten Teil aus dem Hauptlager in Greve/Dänemark kommt. Der Verdacht liegt nahe, dass H&M seine Überproduktion auf diese Weise günstigt entsorgt.

Konfrontiert mit dem Vorwurf, stritt H&M die Anschuldigungen ab. Wenn das Unternehmen etwas nicht verkaufe, dann werde es in andere Läden weitergeben, erklärt die Nachhaltigskeitsmanagerin Mia Møgelgaard. Verbrannt würde Kleidung nur "aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen", zum Beispiel wenn die Ware mit Chemikalien belastet sei oder mit Abwasser in Berührung kommt und so eine erhöhte Keimzahl aufweise. In einen Telefonat mit den Journalisten, sagte der Kommunikationsbeauftragte von H&M, Stine Lerche Øilo, das Unternehmen hätte Beweise dafür, dass die Kleidung gesundheitsschädlich sei, würde die Dokumente aber nicht vorlegen.

Daraufhin ließen die Journalisten zwei Paar Hosen aus der Lieferung nach Roskilde vom 15. Juni 2017 , an die sie gekommen waren, testen. Zum Vergleich wurden zwei Paar ähnliche Hosen aus einer H&M-Filiale gekauft und ebenfalls untersucht. Geklärt werden sollte, ob es ein Unterschied zwischen den vier Hosen gibt. Getestet wurde auf eine Vielzahl an Chmeikalien, die ein Gesundheitsrisiko darstellen und ob die Hosen bakterielle Keime tragen. Die Untersuchungen ergaben, dass keine der Hosen Chemikalien enthielt, die als gesundheitsgefährend eingestuft werden, noch wurde die zulässige Keimzahl überschritten.

H&M zweifelt die Testergebnisse an. Es sei nur eine Auswahl von Chemikalien an der Kleidung getestet worden. Alle gesundheitsschädlichen Chemikalien zu testen, sei nicht möglich. Nach Bekanntwerden des Testergebnisses und nachdem der Bericht des dänischen Fernsehen weltweit für Aufsehen sorgte, veröffentlichte das Unternehmen dann plötzlich doch vier Testberichte auf ihrer Webseite.

Angeblich sei eine erhöhte Menge Blei in einem Lederimitat-Aufnäher mit Goldbeschichtung auf der Rückseite einer Jeans gefunden worden. Die Dokumente, die das Unternehmen präsentierte, zeigen demnach eine Überschreitung der zulässigen Grenzwerte. Diesen Aufnäher haben die Journalisten nicht testen lassen.

Die blauen Hose, die am 15. Juni verbrannt wurden, seien wegen des Verdachts auf Schimmel im Ofen gelandet, behauptet die Modekette. Die Journalisten jedoch konnten in den Kartons weder Schimmelgeruch wahrnehmen, noch Spuren von Schimmel an den gut verpackten und trockenen Hosen entdecken.

Das Nachhaltigskeitskonzept von H&M bekommt Flecken. Wie das Unternehmen sich aus der Sache herauszuwindet, trägt gerade nicht zur Glaubwürdigkeit bei.

Doch H&M ist nicht die einzige Firma, die Kleidung verbrennen lässt. Das Modeunternehmen Bestseller, dem zu dem die Marken Vero Moda, Selected, Only und Jack&Jones gehören, verbrannte im vergangenen Jahr laut TV2 49 Tonnen Kleider. Und auch hier ist die Erklärung fadenscheinig: "Wasserschäden" lautet die Begründung. "Recycle your clothes" sieht anders aus. dw