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Bessere Chancen für Arbeitslose

Bessere Chancen für Arbeitslose

Nürnberg (dpa) - Die Jobchancen von Arbeitslosen werden sich nach übereinstimmender Einschätzung von Experten und der Bundesagentur in diesem Jahr weiter verbessern.

Zwar gebe es konjunkturelle Risiken, dennoch deute derzeit nichts auf eine Eintrübung des Arbeitsmarktes hin, sagte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, am Donnerstag in Nürnberg. Auch Volkswirte deutscher Großbanken rechnen bis zum Jahresende mit einer Fortsetzung des Job-Booms. Allerdings werde sich das Tempo des Aufschwungs etwas verlangsamen, prognostizierte auch die Bundesagentur.

Im April war die Zahl der Erwerbslosen dank der Frühjahrsbelebung und der stabilen Konjunktur um 132 000 auf 3,078 Millionen gesunken. Die Arbeitslosigkeit rutschte damit auf den niedrigsten Stand in einem April seit 19 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr waren 321 000 Frauen und Männer weniger arbeitslos. Im Mai dürfte die Arbeitslosigkeit unter die Drei-Millionen-Marke rutschen. Die Arbeitslosenquote nahm seit März um 0,3 Punkte auf 7,3 Prozent ab (April 2010: 8,1 Prozent).

Nach Einschätzung Weises hat sich der Arbeitsmarkt nach der Krise im Jahr 2009 zwar überraschend schnell erholt. Dennoch gebe es weiterhin Risiken. Sorge bereiteten ihm neben den wirtschaftlichen Problemen in den USA auch die hohe Verschuldung in einigen EU-Staaten. Auch könnte die restriktive Sparpolitik von Bund, Ländern und Kommunen negativ auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. „Damit werden die Handlungsmöglichkeiten für Investitionen eingeschränkt“, sagte Weise.

Bislang seien aber noch keine Auswirkungen der Schuldenkrise auf den Arbeitsmarkt erkennbar, betonte Weise. Auch die Lieferengpässe im Zusammenhang mit der Japankrise seien bisher minimal, ergänzte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Rund 1000 Beschäftigte seien deswegen in Kurzarbeit geschickt worden - überwiegend in der Autoindustrie, in einigen Zulieferbetrieben und in Softwarefirmen.

Die am 1. Mai startende Freizügigkeit für Beschäftigte aus acht osteuropäischen EU-Staaten stellt für BA-Manager Becker eine Chance für die deutschen Wirtschaft dar. „Viele Beschäftigte in Osteuropa sind jung und gut qualifiziert. Damit könnten in Deutschland Arbeitsplätze besetzt werden, für die es im Inland nicht genügend Arbeitskräfte gibt. Die EU-Freizügigkeit wird damit zum Wohlstand in Deutschland beitragen.“ In diesem Jahr rechnet Becker mit 100 000 bis 140 000 Zuwanderern aus den acht Staaten.

Wie gut der deutsche Arbeitsmarkt die erwarteten Zuwanderer verkraften kann, zeigt nach Ansicht von BA-Chef Weise der seit Monaten andauernde Zuwachs bei den Arbeitsplätzen. So sei zuletzt die Zahl der Erwerbstätigen im März um 141 000 auf 40,51 Millionen gewachsen. Im Vergleich zum März 2010 seien 554 000 neue Arbeitsplätze entstanden. Noch stärker wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Ihre Zahl stieg binnen Jahresfrist um fast 700 000 auf 27,93 Millionen im Februar.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht trotz Risiken weiterhin eine positive Entwicklung am Arbeitsmarkt. „Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im April ist unspektakulär, aber solide“, sagte von der Leyen am Donnerstag in Berlin. Sie warnte jedoch, Deutschland sei stark vom globalen Markt abhängig. „Deshalb müssen wir wachsam bleiben. Im Augenblick ist der Arbeitsmarkt jedoch aufnahmefähig wie ein Schwamm.“

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) urteilte: „Der Frühlingsaufschwung treibt den Arbeitsmarkt zu neuen Bestmarken.“ Besonders erfreulich sei der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse. In der deutschen Wirtschaft seien die Auftragsbücher gut gefüllt. Nach Angaben von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt haben Firmen zunehmend Probleme, freie Arbeitsplätze zu besetzen. Dies führe dazu, dass Unternehmen Aufträge verlören. Das wiederum sei eine Wachstumsbremse.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnte hingegen vor einer weiteren Spaltung des Arbeitsmarktes. Immer mehr Menschen fielen in die Niedriglohnfalle, sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki. „Die Statistik verschweigt ausufernde Leiharbeit.“ Die Linkspartei erklärte, das angebliche deutsche Jobwunder entpuppe sich bei näherem Hinsehen als schöner Schein. Nur durch Statistiktricks lasse sich die Arbeitslosenzahl so weit drücken, kritisierte die Bundesgeschäftsführerin Caren Lay. Auch nach Ansicht der Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer verdecken die verbesserten Arbeitsmarktzahlen die Spaltung des Arbeitsmarktes.