Industrie: Bayer: Ja zu Wuppertal, Nein zu Krefeld

Industrie : Bayer: Ja zu Wuppertal, Nein zu Krefeld

Bayer hat sich für Pharma und gegen Kunststoff entschieden. Die Standorte in der Region spüren es.

Krefeld/Wuppertal. Vor 25 Jahren hatte Bayer in Krefeld-Uerdingen rund 11 000 Mitarbeiter. In wenigen Wochen, am 1. September, werden es nicht einmal mehr 100 sein. Bayer trennt sich von seiner Kunststoffsparte. Die heißt dann Covestro und soll spätestens Mitte 2016 an die Börse gehen. Das 1965 errichtete Bayer-Kreuz in Uerdingen hat ausgedient und wird demontiert. Wann genau, das weiß der Konzern nicht zu sagen.

Völlig anders sieht es in Wuppertal aus, wo das Unternehmen 1863 gegründet wurde. Die Stadt profitiert davon, dass sich der einstige Chemie-Konzern auf die Sparten Pharma und Pflanzenschutz konzentriert.

Vor allem die Produktion neuer Medikamente verspricht satte Gewinne. So steckt Bayer bis 2020 mehr als eine halbe Milliarde Euro in die Herstellung neuer Arzneien gegen die Bluter-Krankheit. Mit 400 Millionen Euro fließt der Löwenanteil nach Wuppertal. Der Rest geht in das Stammwerk Leverkusen. Der Konzern will in seiner Gesundheitssparte an den beiden Standorten rund 500 neue Stellen schaffen, davon entfallen 360 auf Wuppertal. Schon jetzt beschäftigt Bayer in der Bergischen Metropole mehr als 3000 Mitarbeiter.

Die Bluter-Medizin gehört zu den Forschungsschwerpunkten des Unternehmens im Pharmasektor. Das Mittel Kogenate gegen die Krankheit zählt mit Erlösen von deutlich mehr als eine Milliarde Euro zu den umsatzstärksten Präparaten der Pharmasparte.

Bayer stellt Kogenate bisher ausschließlich in seinem Werk im kalifornischen Berkeley her. Mit dem Ausbau der Kapazitäten in Deutschland sichert sich das Unternehmen eine weitere Versorgungsquelle — zumal neue Bluter-Präparate kurz vor der Marktzulassung stehen.

Bei der vererbten Bluter-Krankheit fehlt der Blutgerinnungsfaktor VIII oder er wird nur fehlerhaft gebildet. Bei den Betroffenen verlängern sich deshalb Blutungen, was lebensgefährlich sein kann.

Obwohl Bayer Krefeld den Rücken kehrt, schaut Betriebsratschefin Petra Kronen mit Zuversicht nach vorne. „Schlecht muss die Trennung von Bayer für Uerdingen nicht unbedingt sein“, sagt sie. Für das bald börsennotierte Unternehmen sei es vielleicht leichter, an frisches Kapital zu kommen, als unter dem Bayer-Dach.

Covestro geht in Krefeld im September mit mehr als 1000 Beschäftigten an den Start. Kronen ist sicher, dass sich der Kunststoff aus Uerdingen auch künftig am Markt behaupten wird. Der Wechsel in die neue Gesellschaft schrecke in der Belegschaft niemanden mehr. Dazu dürfe ganz wesentlich eine Betriebsvereinbarung beitragen, die bis 2020 alle Standorte garantiert und betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

Wie Bayer-Sprecher Hans-Bernd Schmitz bestätigte, müssen auch die zwölf örtlichen Bayer-Vereine mit ihren rund 17 000 Mitgliedern nicht unter dem Rückzug des Konzerns leiden. „Die Bayer-Vereine in Uerdingen werden im gleichen Umfang wie bisher gefördert“, so Schmitz. Details dazu nannte er nicht. Insgesamt unterstützt Bayer alle Sport-, Kultur- und Freizeitvereine mit rund 14 Millionen Euro jährlich.

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