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Bahn-Chef präsentiert schlechte Jahresbilanz - aber auch Plan für Wende

Schlechte Jahresbilanz : Die Bilanz des Bahn-Chefs: „Da gibt es nichts drum herum zu reden“

Unpünktlichkeit, weniger Güter, hohe Schulden – Bahnchef Lutz präsentiert eine schlechte Jahresbilanz. Aber auch Pläne für eine Wende.

Die entscheidenden Leistungsziffern der Bahn für 2018 sind nicht gut: Nur noch 74,9 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr, ein deutliches Minus. Weniger Gütertransporte. Ein stagnierender Ertrag. Und dazu der Anstieg der Schulden von 18,6 auf 19,5 Milliarden Euro. „Das ist nicht zufriedenstellend, und da gibt es auch nichts drumherum zu reden“, sagte Bahn-Chef Richard Lutz am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin. Gleichzeitig präsentierte er einen Plan für eine Kehrtwende.

Vorstandsbezüge sinken um zwei Millionen Euro

Die schlechten Zahlen schlugen sich auch in den Vergütungen der sechs Vorstandsmitglieder nieder. Sie sanken um zwei auf 6,5 Millionen Euro. Freilich bleibt das immer noch sehr auskömmlich. Lutz allein erhielt mit Boni 1,8 Millionen Euro. Der 54-Jährige, der seit zwei Jahren an der Spitze des bundeseigenen Unternehmens steht, analysierte die Probleme des Unternehmens als „Wachstumsschmerzen“. Die Bahn werde immer mehr in Anspruch genommen. Aber ihre Ausstattung komme nicht hinterher. So muss das Schienennetz heute 50 Prozent mehr Verkehr verkraften als bei der Bahnreform vor 25 Jahren.

Tatsächlich sind zum Beispiel die Fahrgastzahlen im Fernverkehr auf 148 Millionen Reisende gestiegen; 16 Millionen mehr als noch 2015. Fernziel sind über 200 Millionen im Jahr 2030. Auch der Umsatz legte zu, von 42,7 auf 44 Milliarden Euro. Doch davon blieb nur ein Ertrag von 2,1 Milliarden übrig. Immerhin hat das Unternehmen die Investitionen im letzten Jahr von 10,5 auf 11,2 Milliarden Euro hochgefahren. Doch das ist nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen soll.

Schon im Herbst letzten Jahres hatte Lutz ein milliardenschweres Programm namens „Agenda für eine bessere Bahn“ angekündigt. Rund fünf Milliarden Euro will er in den kommenden Jahren zusätzlich in den laufenden Betrieb stecken. So sollen in diesem Jahr noch einmal 22.000 weitere Bahnmitarbeiter eingestellt werden, nach 24.000 im letzten Jahr. Vor allem Lokführer, Fahrdienstleiter und sogenannte Instandhalter.

Es soll schnell zusätzliche Fahrzeuge geben, um mehr Sitzplatzkapazitäten zu schaffen. Weil der Markt leergefegt ist, kauft die Bahn unter anderem in Spanien Schnellzüge vom Typ Talgo. Am Mittwoch gab der Aufsichtsrat zudem die Ausschreibung für 17 gebrauchte Züge frei, die wahrscheinlich von der österreichischen „Westbahn“ kommen werden.

Das Geld für all das will das Unternehmen aus dem Verkauf seines Tafelsilbers nehmen, auch weil die Schuldengrenze von 20 Milliarden Euro nicht überschritten werden soll. Der Aufsichtsrat gab am Mittwoch grünes Licht, eine Abtrennung der in zahlreichen EU-Staaten aktiven Regionalbahntochter „Arriva“ zu prüfen. Ob das ein Total- oder Teilverkauf oder ein Börsengang wird, blieb offen.

Von seinem Eigentümer, dem Bund, erwartet Lutz eine ähnliche Offensive im Schienennetz. Vorstandsmitglied Ronald Pofalla nannte die dazu laufenden Gespräche zufriedenstellend. So sind in der mittelfristigen Finanzplanung bereits jährlich eine Milliarde Euro zusätzlich für Bahninvestitionen eingestellt worden; auch gibt es über 500 Millionen für den Ausbau digitaler Signaltechnik, die eine engere Taktung der Züge erlauben soll. Rückenwind sieht Lutz durch die laufende Debatte um mehr Klimaschutz im Verkehr: „Andere reden nur da­rüber, wir fahren schon seit 90 Jahren elektrisch.“

Die Opposition zeigt sich am Donnerstag zufrieden mit einigen dieser Ansätze. Der Verkauf von „Arriva“ sei ein „Schritt in die richtige Richtung“, sagte Sabine Leidig von den Linken. Die Bahn müsse sich endlich wieder auf ihr Kerngeschäft, den Schienenverkehr in Deutschland, konzentrieren. Dafür solle sie auch ihre restlichen internationalen Logistikaktivitäten abstoßen. Die gleiche Forderung erhob der Grünen-Politiker Matthias Gastel.