Aufbruch zum großen Geld - Beatrice Weder di Mauro geht zur UBS

Aufbruch zum großen Geld - Beatrice Weder di Mauro geht zur UBS

Spitzen-Ökonomin Beatrice Weder di Mauro folgt dem Ruf von Axel Weber zur Schweizer Großbank UBS.

Zürich. Geld entspannt sie. Das schrieb Beatrice Weder di Mauro einmal in einem Fragebogen. Bei der Schweizer Großbank UBS dürfte es ihr daran kaum mangeln. Doch man täte der in Deutschland bekanntesten Ökonomin sicher unrecht, ihren Wechsel in den UBS-Verwaltungsrat nur mit finanziellen Motiven zu begründen.

Seit 2004 war sie Mitglied des deutschen Sachverständigenrats zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung, den sogenannten fünf Wirtschaftsweisen. Um den Anschein eines Interessenkonflikts zu vermeiden, habe sie die Bundesregierung darum gebeten, sie nicht erneut ins Beratergremium zu berufen.

Weder di Mauro wächst in Guatemala auf, wo ihr Vater Manager einer Schweizer Chemie-Firma war. Die Armut und die Probleme Lateinamerikas prägen ihren Blick auf die Welt. Nach der Rückkehr in die Heimat überlegt sie als Teenagerin lange, ob sie Biochemie studieren soll. Doch sie entscheidet sich für die Ökonomie. „Als ich in die Schweiz kam, fragte ich mich, warum geht es den Leuten hier so gut, und in Guatemala so schlecht. Ich hatte ein Problem damit und fand keine Erklärung dafür“, erzählte Weder di Mauro.

Ihre Diplomarbeit schreibt sie über die Schuldenkrise Lateinamerikas. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird auf sie aufmerksam. 1994 geht sie nach Washington. Sie ist im Team, das nach dem Kollaps des Ostblocks die Hilfen für das zentralasiatische Land Kirgisistan koordiniert. Beatrice Weder di Mauro arbeitet auch für die Weltbank, die Vereinten Nationen und ist als Forscherin immer wieder in Basel an der Uni. Im Jahr 2001 wird sie Professorin in Mainz.

Auch privat ein Glücksfall, denn nach jahrelangem Jetlag kommt die Familie in Frankfurt zur Ruhe. Ihr Mann, ein Italiener, arbeitet bei der Europäischen Zentralbank. Vier Jahre später steht die Frau und Mutter, die sieben Sprachen spricht und die schweizerische und italienische Staatsbürgerschaft besitzt, im Rampenlicht. Die Bundesregierung beruft sie in den Sachverständigenrat, der die Spitzenpolitik berät.

Weder di Mauro ist im Olymp der Ökonomen angekommen. Bei den „Wirtschaftsweisen“ ist sie die Jüngste, die erste Frau und die erste Ausländerin. Mit Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 wächst das öffentliche Interesse an ökonomischen Zusammenhängen. Im Fernsehen kann sie für Laien verständlich die Euro-Rettung erklären.

Nach 20 Jahren steiler Karriere dürfte bei der 46-Jährigen der Wunsch nach einer neuen Herausforderung groß gewesen sein. Ein Spitzenbeamter meinte: „Nach Axel Weber verlieren wir wieder ein Aushängeschild an die UBS.“ Der frühere Bundesbank-Präsident wird im Mai UBS-Boss — und überzeugte seine Kollegin vom Wechsel zu einem der größten Vermögensverwalter der Welt.

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