27 Millionen verkauft - Warum der Weihnachtsbaum trotz Dürre krisenfest ist

Bilanz und Trend : 27 Millionen verkauft - Warum der Weihnachtsbaum trotz Dürre krisenfest ist

Saskia Blümel vom Erzeugerverband spricht über die Branchenbilanz des laufenden Jahres und dieTrends beim Weihnachtsbaumkauf.

Alle Jahre wieder steht in Millionen Wohnstuben auch ein Weihnachtsbaum. Wie es um das Geschäft dieser schönen Tradition bestellt ist und welche Trends sich dabei abzeichnen, erläutert die Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger, Saskia Blümel, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Frau Blümel, sind Weihnachtsbäume eine krisenfeste Sache?

Erwartet keine Engpässe wegen der Dürre: Saskia Blümel vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger. Foto: Privat

Saskia Blümel: Ja, das kann man so sagen. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 27 Millionen Weihnachtbäume verkauft. Da gibt es keine größeren Schwankungen. Weihnachten ist das Fest, das von den Familien am stärksten wahrgenommen wird. Es sind die wichtigsten Feiertage im Jahr. Und der Weihnachtsbaum gehört untrennbar dazu.

Also war 2018 für Sie ein ganz normales Geschäftsjahr?

Blümel: Die Bäume stehen gut. Und die geschätzt rund 2200 Erzeuger in Deutschland haben eine gute Ernte erzielen können. Außergewöhnlich war sicher die große Dürre in weiten Teilen Deutschlands. Aber die hat sich vor allem auf die Neuanpflanzungen negativ ausgewirkt. Auf sandigen Böden zum Beispiel auch bis hin zum Totalverlust. Das hat aber für das diesjährige Weihnachtsfest keinerlei Bedeutung.

Rechnen Sie deshalb mit Engpässen in den kommenden Jahren?

Blümel: Nein, denn die Erzeuger haben schon reagiert. Man kann zweimal im Jahr nachpflanzen. Im Frühjahr und im Herbst. Die Dürre betraf nur die Frühjahrsanpflanzungen. Umso stärker haben sich die Erzeuger auf den Herbst konzentriert. Damit ist das Geschäft auch für die nächsten Jahre gesichert.

In welchem Alter ist ein Baum ein Weihnachtsbaum?

Blümel: Wenn man einen zwei Meter hohen Baum im Zimmer stehen hat, dann hat das Gewächs angefangen vom Samen bis zur Ernte dafür rund zwölf Jahre gebraucht. Die meisten Bäume kommen übrigens aus dem Sauerland, gefolgt von Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Welche Bedeutung haben Importe?

Blümel: Vor zehn Jahren kam noch etwa jeder vierte Baum aus dem Ausland. Mittlerweile ist es nicht einmal mehr jeder zehnte. Das liegt am Kapazitätsausbau in Deutschland. Importland Nummer eins ist Dänemark. Dort reichen die Anbauflächen weit über den nationalen Bedarf hinaus.

Beobachten Sie neue Trends?

Blümel: Wir merken, dass sich die Leute stärker auf Regionales konzentrieren. Es wird wichtiger, den Weihnachtsbaum vor Ort zu kaufen, beim Erzeuger des Vertrauens und daraus auch ein Event für die Familie zu machen, indem man den Baum auch selber schlagen kann.

Welche Rolle spielt das Thema Bio?

Blümel: Regionalität ist für viele Verbraucher gewissermaßen schon Bio. Tatsächlich liegt der Anteil von Bäumen mit Bio-Siegel, also ohne chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel, nur bei etwa fünf Prozent.

Könnte der Plastikbaum dem Naturbaum eines Tages den Rang ablaufen?

Blümel: Davon gehe ich nicht aus. Denn wer sich einen natürlichen Baum ins Haus holt, der assoziiert damit auch den natürlichen Tannenduft. Obendrein ist die Ökobilanz eines Plastikbaums gruselig. Wenn Sie über zwölf Jahre Naturbäume haben, kommen Sie damit immer noch besser. Plastikbäume sind etwas für Kaufhäuser oder Restaurants, weniger für Privathaushalte.

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