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Handelskammern: Kriegsrecht hindert Business nicht

Handelskammern: Kriegsrecht hindert Business nicht

Bangkok (dpa) - In Thailand herrscht Kriegsrecht, doch das Geschäftsleben läuft für europäische Unternehmer normal weiter. Das berichten ausländische Handelskammern am Mittwoch in Bangkok. Auch die politischen Turbulenzen hätten bislang keine Auswirkung.

„Was wir hier sehen und erfahren, und was der Armeechef ja auch betont hat: Es gibt keinerlei Einschränkungen für die Geschäftstätigkeit“, sagte Jörg Buck, Geschäftsführer der Deutsch-Thailändischen Industrie- und Handelskammer (GTCC) der Nachrichtenagentur dpa. Er sprach von einem „Teflon-Effekt“: „Was politisch passiert, perlt von der Wirtschaft ab.“

Seit fast sieben Monaten befinden sich in Thailand verfeindete Lager im Machtkampf um die politische Vorherrschaft. Regierungsgegner störten Wahlen im Februar so massiv, dass sie später annulliert wurden. Am Rande der Demonstrationen kamen in gut sechs Monaten mehr als 25 Menschen ums Leben. Am Dienstag verhängte die Armee Kriegsrecht, um weiteres Blutvergießen zu verhindern.

„Wenn das Militär sich neutral in diesem Konflikt verhält, sehen europäische Investoren dies als eine neue Möglichkeit, um die politische Patt-Situation aufzulösen“, sagte Rolf-Dieter Daniel, Präsident der europäischen Handelsorganisation European Asean Business Centre (EABC).

„Trotz der anhaltenden Demonstrationen sind unsere Geschäfte nicht zurückgegangen sondern durch den schwachen Thai Baht sogar gestiegen“, erklärte Daniel. „Wir hatten weder Produktionsausfälle noch Behinderungen bei der Verschiffung. Die Bevölkerung bewegt sich frei und unbeeindruckt von der Präsenz des Militärs. Mit anderen Worten, Business as usual.“

Investoren, die den thailändischen Markt neu betrachten, prüften natürlich Alternativen, sagte Buck. „Aber wer strategisch an eine Investitionsentscheidung rangeht, sieht schnell, dass innerhalb der Südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean ganz harte Faktoren für Thailand sprechen.“ Das seien die diversifizierte Infrastruktur, die aus seiner Sicht gut aufgestellten und international vernetzten Sektoren Automotive, Chemie, Elektro und Agrobusiness sowie die gut ausgeprägten thailändischen Zulieferindustrien.

Thailands Wirtschaft war im ersten Quartal geschrumpft, 2,1 Prozent gegenüber den Vorquartal, 0,6 Prozent im Jahresvergleich. Die Behörde für Wirtschaftsentwicklung (NESDB) machte dafür die politische Situation verantwortlich. Für den schwachen Export von nur plus 0,9 Prozent sei aber vor allem die schwache Erholung in China und der Asean-Region verantwortlich.