Sportliches Zentrum in Langerfeld ist in Gefahr

Sportliches Zentrum in Langerfeld ist in Gefahr

zu: „Verein fürchtet um sein Heim“, WZ vom 6. Mai und „Angst um Kleingärten“, WZ vom 15. Mai

In den letzten Tagen und Wochen habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass eine offene Diskussion um den Standort der Errichtung der siebten Gesamtschule Wuppertals entbrannt ist.

Gegenwärtig scheint unsere Kommunalpolitik zwei Standorte gegeneinander abzuwägen: die Badische Straße und die Spitzenstraße, beide gelegen in Wuppertal-Langerfeld. Die Standorte, die wohl nur etwa 800 Meter Luftlinie voneinander entfernt sind, unterscheiden sich nachhaltig und zwar insbesondere dadurch, dass der eine Standort, die Spitzenstraße, brach liegt und problemlos bebaut werden könnte und der andere Standort, die Badische Straße, vielfältig genutzt wird.

In der aktuellen Diskussion wurde aufgezeigt, dass eine Bebauung der Badischen Straße die Interessen des örtlichen Kleingartenvereins Leibusch und die Interessen des Fußballvereins der Breiten Burschen Barmen beeinträchtigen würde. Der Kleingartenverein würde vermutlich komplett weichen müssen. Die gerade modern ausgestaltete Sportanlage der Breiten Burschen würde demgegenüber durch den Schulbau offenbar jedenfalls räumlich deutlich eingeschränkt werden.

In der Diskussion wurde bislang leider nicht beachtet, dass zwischen der Kleingartenanlage und dem Vereinsgelände der Breiten Burschen Barmen das Sportcenter Rauental mit der angeschlossenen Halle für Fußballspielerinnen und -spieler liegt. Im Sportcenter Rauental trainieren seit etwa 25 Jahren derzeit rund 400 Mitglieder. Hier werden Fitnesstraining und viele Fitnesskurse angeboten. Daneben wird in dem Sportcenter Rauental Reha-Sport angeboten.

Aktuell besuchen etwa 180 Wuppertaler die hier angebotenen Reha-Kurse, um nach Krankheiten und Schicksalsschlägen wieder ihr Gleichgewicht zu finden und zu lernen, mit körperlichen Einschränkungen besser zurechtzukommen. Ein großer Parkplatz und ein barrierefreier Eingang ermöglichen auch Menschen mit Einschränkungen den Besuch des Sportcenters. Saunen und ein Massageangebot runden die gegebenen Möglichkeiten zu gesunden und zu entspannen ab. Darüber hinaus bietet die angeschlossene Badminton-Halle vielen sportlich aktiven Wuppertalern eine gute Gelegenheit, ihren Sport auszuüben.

Angeschlossen an das Sportcenter Rauental ist schließlich die Fußball-Halle des gleichen Anbieters. Hier kann bei jedem Wetter indoor Fußball gespielt werden. Diese Halle ist aber nicht nur bei Fußball-Spielern – und zwar besonders in den Wintermonaten zur Aufrechterhaltung des Trainingsbetriebes – sondern auch bei Eltern von jüngeren Kindern zur Ausgestaltung von aktiven Kindergeburtstagen sehr beliebt. Beide Einrichtungen dürften mit einer Entscheidung für die Badische Straße als neuen Gesamtschulort hinfällig sein.

Dies würde für die 400 Mitglieder des Sportcenters Rauental und für die derzeit 180 Nutzer des Reha-Sport-Angebots zu unmittelbaren Konsequenzen führen. Eine räumlich nahe Möglichkeit, Reha-Sport auszuüben, werden die Nutzer mangels Angebot nicht finden. Auch die zahlreichen Nutzer der Badminton-Halle würden kein räumlich günstiges Angebot finden. Viele Angebote für Badminton-Spieler hält die Stadt Wuppertal leider nicht parat. Die Fußball-Halle ist in Wuppertal schließlich einzigartig. Dieses Angebot würde in unserer Stadt komplett entfallen.

Das Sportcenter Rauental wird darüber hinaus von zahlreichen Firmen für den internen Betriebssport genutzt. Zu erwähnen sei der Betriebssport des Helios Klinikums, der Wuppertaler Stadtwerke, der Firmen Brose, Johnson und Johnson und 3M. Den Mitarbeitern dieser Firmen droht der sportliche Ausgleich zu ihren beruflichen Tätigkeiten genommen zu werden.

Schließlich nutzt auch die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Wuppertal e.V. das Angebot des Sportcenters Rauental. Einmal in der Woche trainieren hier Menschen mit Behinderung gemeinsam mit den Mitgliedern des Sportcenters. Dieses kostenlose Angebot des Sportcenters wäre ebenfalls mit einem Schulbau an der Badischen Straße hinfällig.

Darüber hinaus stehen natürlich auch diverse Arbeitsplätze im Feuer. Tätig sind in den Einrichtungen drei Festangestellte, ein Auszubildender, 15 Teilzeitkräfte und zwei Freiberufler. Die betroffenen 21 Personen, deren Arbeit von allen Mitgliedern und Nutzern der betroffene Einrichtungen sehr geschätzt wird, wären sicherlich sehr erleichtert, wenn Sie ihren Arbeitsplatz behalten könnten. Dies wird auch für die Familienangehörigen der betroffenen Personen, die von den hier erwirtschafteten Einkünften leben, gelten.

Zahlreiche Wuppertaler finden sich im Sportcenter Rauental regelmäßig und seit vielen Jahren zusammen, um sich über ihr soziales und gesellschaftliches Leben in ihren Stadtteilen Langerfeld und Heckinghausen auszutauschen. Für mich als ehemaligen Elberfelder und zugezogenen Langerfelder ist dieser Ort zum Mittelpunkt meines nicht nur sportlichen Lebens in Wuppertal-Langerfeld geworden. Ein Verlust dieser Sportstätte würde tief in mein gesellschaftliches Leben in unserem Stadtteil eingreifen.

Nicht zuletzt trainieren im Sportcenter Rauental die beiden Damen-Mannschaften des TV Beyeröhde, von denen bekanntlich eine Mannschaft immerhin in der zweiten Bundesliga spielt. Bei aller Begeisterung für den tollen Fußball in unserer Stadt möchte ich die Kommunalpolitik gerne fragen, wohin auch die erfolgreichen Handballspielerinnen zukünftig ausweichen sollen?

Gestatten Sie mir am Ende meiner Ausführungen zu dem Anfang zurückzukehren: Die Bebauung der Spitzenstraße mit einer Gesamtschule belastet keinen. Die Bebauung der Badischen Straße mit einer Gesamtschule belastet dagegen viele Wuppertalerinnen und Wuppertaler und vernichtet gewachsenes gesellschaftliches und sportliches Miteinander und Arbeitsplätze. Durch den Bau einer Gesamtschule an dieser Stelle würde das sportliche Zentrum Wuppertal-Langerfelds zerstört.

Ich wäre der WZ sehr verbunden, wenn sie dieses Thema in einer ihren anstehenden Ausgaben erneut berücksichtigen und auf diese Weise den Entscheidungsträgern die Möglichkeit geben könnte, die Sorgen und Wünsche der Langerfelder besser einschätzen und berücksichtigen zu können.

Andreas Rust, per E-Mail an die Redaktion