Zorc: Wir liegen voll auf Kurs

Zorc: Wir liegen voll auf Kurs

Die Euphorie wird bei Borussia Dortmund in diesen Tagen elegant unter den Teppich gekehrt. Daran maßgeblich beteiligt ist Sportdirektor Michael Zorc.

Herr Zorc, wer war vom 1. Juli bis 24. Oktober 1984 Trainer bei Borussia Dortmund?

Michael Zorc: Timo Konietzka. Es gibt nicht viele Trainer beim BVB, die das Fallen der ersten Blätter im Herbst nicht mehr erlebt haben.

Respekt, wir wollten Sie eigentlich darauf festnageln, dass Sie das neue BVB-Wissensspiel, das zum 100. Geburtstag des Vereins gerade auf den Markt gekommen ist, noch nicht gespielt haben.

Zorc: Habe ich auch noch nicht. Aber Pressechef Josef Schneck wird es mir gleich organisieren.

Zum Tagesgeschäft. Sehen Sie den zähen Pokalsieg in Weiden als Mutmacher oder als Rückschritt?

Zorc: Wir haben eine Pflichtaufgabe erfüllt, wie es 80 Prozent der Bundesligisten gemacht haben. Andere haben deutlicher gesiegt, wiederum andere sind ausgeschieden. Wir liegen jedenfalls voll auf Kurs.

Nennen Sie einen Grund, warum es schön ist, in der Spielzeit 2009/2010 Sportdirektor bei Borussia Dortmund zu sein.

Zorc: Schön ist vielleicht der falsche Begriff. Es macht Spaß, weil die Aufgabe eine Herausforderung ist. Die Erwartungshaltung schießt bei uns sehr schnell in die Höhe, das liegt schon alleine in der Historie begründet. Leider sind wir aus finanziellen Erwägungen nicht in der Lage, große Schritte zu machen. Aber von der Struktur und der personellen Situation her sind wir so gut aufgestellt wie lange nicht.

Halten die Fans still? Die Sehnsucht nach internationalem Fußball ist groß.

Zorc: Sie sehen, wie wir uns weiterentwickeln. Und man darf nicht vergessen, dass wir in der letzten Saison in die Europaliga eingezogen wären, wenn der HSV nicht durch ein irreguläres Tor noch an uns vorbeigezogen wäre.

Hat es viel Ärger wegen der zum Teil drastischen Preiserhöhungen bei den Dauerkarten gegeben?

Zorc: Das ließ sich von uns gut begründen. Es konnte ja nicht sein, dass wir bei 81000 Zuschauern unter dem Strich weniger Einnahmen hatten als beispielsweise Schalke bei 60000.

Wie wird sich die Spielweise durch den Wechsel von Alex Frei zu Lucas Barrios im Angriff verändern?

Zorc: Ich würde die beiden nicht miteinander vergleichen. Barrios ist ein Knipser, dazu robust und antrittsschnell. Pässe in die Tiefe sind bei ihm gut aufgehoben. Das haben wir ja gerade erst in Weiden gesehen.

Wer wird der nächste Nationalspieler beim BVB?

Zorc: Von der Klasse her sind da einige, an die ich denke. An erster Stelle aber Sebastian Kehl. Er gehört wieder in die Nationalmannschaft. Vorausgesetzt, er ist gesund und fit.

Am Samstag kommt der 1.FCKöln zum Saisonstart nach Dortmund.

Zorc: Sicher mit einem großen Sack Euphorie im Gepäck. Aber wir gehen grundsätzlich als Favorit in die Heimspiele. Also setze ich auf einen Sieg.

Ist es leichter, als Spieler beliebt zu sein oder als Funktionär? Sie kennen beide Seiten bestens.

Zorc: Eindeutig als Spieler. Zu denen haben die Anhänger eine viel engere Bindung.

Sie sind so etwas wie ein Ur-Borusse. Ist es vorstellbar für Sie, jemals für einen anderen Club tätig zu sein?

Zorc: Im Moment führe ich bekanntlich gerade Gespräche über eine Ausdehnung meines Vertrags beim BVB. Da stellt sich die Frage nicht.

Die unvermeidliche Frage nach Susi.

Zorc: Ja, ja, die Susi. Den Spitznamen habe ich Rolf Rüßmann zu verdanken. Schule, Abi, Studium - da hatte man damals halt lange Haare. Und ich wurde bei Rüßmann zur Susi. Noch heute nennen mich viele Fans so. Meine Frau aber nicht. Aus verständlichen Gründen.