Biathlon-WM: Hildebrand: So läuft mein WM-Tag

Biathlon-WM: Hildebrand: So läuft mein WM-Tag

Bei der Biathlon-WM in Oslo steigt am Mittwoch das Damen-Einzel über 15 Kilometer. Franziska Hildebrand beschreibt für unsere Zeitung, wie dieser Tag für sie verläuft.

Oslo. Wer bei der Weltmeisterschaft in Oslo zuverlässig Topleistungen abliefern will, braucht einen strukturierten Tag — mit dem ein oder anderen Ritual. Franziska Hildebrand, Vierte in der Verfolgung, hat mit unserer Redakteurin Stefanie Wahl exklusiv für die Heilbronner Stimme ein Tagebuch geführt, wie ihr Tag heute (13 Uhr/live ZDF und Eurosport) mit dem Einzel über 15 Kilometer ablaufen wird — im Idealfall.

7.30 Uhr: Aufstehen. Mit Miriam Gössner teile ich mir ein Doppelzimmer. Das klappt gut, wir kennen uns schon seit ewigen Zeiten, ich glaube schon seit fast zehn Jahren. Da hat sich so manches eingespielt. Jeder weiß, was er mitbringen muss, wenn es ins Trainingslager oder zu Weltcups geht. Ich bin immer für den Wasserkocher zuständig.

7.45 Uhr: Koordinations- bzw. wie wir es nennen: Aktivierungstraining. Darum kümmert sich unser Physiotherapeut Tobi. Meistens gehen wir vors Hotel und er macht mit uns Lockerungs- und Koordinationsübungen und kleine Aufwärmspiele, um den Kreislauf das erste Mal am Tag in Schwung zu bekommen. Da geht es lustig zu, aber auch da will jeder gewinnen. Beim schnellen Becherstapeln haben die Reizleitungen im Gehirn dann schon mal ganz gut zu tun.

8.15 Uhr: Frühstück im Teamhotel Soria Moria. Gleich direkt nach dem Frühsportprogramm. Wirklich lecker. Am Buffet sind hier in Oslo meistens Weichkäse und diese kleinen süß-sauren Gurkenscheiben auf dem Teller. In Deutschland gibt es die in einer bekannten Möbelhaus-Kette immer zum Hotdog nach dem Einkaufen.

9.00 Uhr: Trockentraining mit dem Gewehr. Meistens im Zimmer oder auf dem Hotelflur. Einfach nochmal die Abläufe beim Schießen durchgehen. Zielen, Repetieren, Nachhalten nach dem Schuss. Aber natürlich alles ohne Munition im Magazin, deshalb heißt es ja auch Trockentraining.

11 Uhr: Wir fahren die kurze Strecke zum Biathlon-Gelände am Holmenkollen. Die Aussicht ist toll — entweder der Blick hinunter auf den Oslo Fjord oder auf die gewaltige Skisprungschanze. Währenddessen haben die Skitechniker schon alles vorbereitet. Sie sind mindestens zwei Stunden vor uns am Wachstruck, um uns perfekte Ski zu präparieren.

11.15 Uhr: Umziehen und erstes lockeres Warmlaufen. Außerdem wählen wir gemeinsam mit den Technikern das Paar Ski für den Wettkampf aus. 11.50 Uhr: Materialkontrolle. Hier wird die Waffe untersucht und kontrolliert, ob das Abzugsgewicht stimmt. Vor dem Verfolger hat es leider Probleme gegeben, das bringt Unruhe in den Ablauf.

12 Uhr: Anschießen. Mit unsere wichtigste Aufgabe vor dem Start. Das Gewehr wird jetzt auf die Windbedingungen eingestellt. Der Schießstand in Oslo ist eigentlich nicht allzu schwer, aber was heißt das schon, wenn man mit Puls 180 angefahren kommt.

12.50 Uhr: Warmhalten in der Vorbereitungszone. Hier wird einem auch der Transponder für die Zeitmessung angelegt.

13 Uhr: Start. Im 30-Sekunden-Intervall gehen wir auf die Strecke, das zieht sich schon. Die 15 Kilometer sind die längste Wettkampfdistanz — das ist ganz schön hart. Hier gilt es, schnell seinen Rhythmus zu finden und nicht gleich Vollgas zu geben. Und vor allem am Schießstand ist es wichtig, sich möglichst keine Strafminute einzuhandeln. Dann klappt es vielleicht auch mit einem guten Ergebnis. Im Idealfall sogar mit einer Medaille. Aber dazu muss an dem Tag einfach alles passen. Alte Binsenweisheit!

17.10 Uhr: Flower Ceremony. Im offiziellen Outfit dürfen die Medaillengewinnerinnen schon einmal aufs Podest und bekommen einen Blumenstrauß — hier sind Rosen drin und weiße Schneekugeln. Danach lächeln für die Fotografen und Interviews geben. Die Medienvertreter fragen dann, wie es uns ergangen ist.

20 Uhr: Siegerehrung. Es ist ein wunderschönes Gefühl. Man steht da, jubelt und freut sich einfach nur über das Geschaffte. Als Laura Gold in der Verfolgung geholt hat, sind wir alle mit auf den Universitätsplatz gefahren, haben uns bei der Hymne im Arm gehalten und zusammen gesungen.

20.30 Uhr: Fahrt ins Hotel. Es war ein langer Tag, da tut es gut, endlich die Beine auszustrecken und sich eine Massage zu gönnen. Und endlich gibt es was zu essen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung