Europameister kritisieren Steuers Sturz-Risiko

Europameister kritisieren Steuers Sturz-Risiko

Sheffield (dpa) - Aljona Savchenko saß traurig und verletzt auf der Tribüne der Motorpoint Arena von Sheffield und bekam von der harschen Kritik der neuen russischen Paarlauf-Europameister gar nichts mit.

„Ich will meine Partnerin nicht töten, ich habe Angst um sie und will ihre Gesundheit nicht riskieren“, sagte Maxim Trankow zum Thema „Höher, schneller, weiter“ und den Grenzen auf dem Eis. Zusammen mit Tatjana Wolossoschar, einer ehemaligen Schülerin des Chemnitzer Trainers Ingo Steuer, heimste er zur Filmmusik von „Black Swan“ mit einer Leichtigkeit und Grazie den Titel ein, dass sich viele Experten fragen, warum es noch gefährlicher werden muss.

„Jeder will etwas Perfektes zeigen, jetzt sind es die vierfachen und riskanten dreifachen Wurfelemente. Wir sehen ja, was dabei herauskommt, Aljona ist verletzt“, analysierte Trankow und plädierte für eine Rückbesinnung auf die Kunst auf dem Eis. Es ist genau diese neue gefährliche Konkurrenz der Russen, die Steuer mit seinen Weltmeistern Savchenko und Robin Szolkowy auf dem Weg zu Olympia 2014 in Sotschi dazu treibt, die Grenzbereiche dieses Sports auszuloten.

„Im Training hier ist uns der dreifache Wurfaxel fast gelungen“, berichtete Savchenko stolz. Trotz ihrer Muskelverletzung probierten die Sachsen alles, um ihren großen Widersachern technisch irgendwann einen Schritt voraus zu sein. Es stimmt, der Axel bringt im Vergleich zum Wurfflipp mehr Punkte.

Aber bei zwei Versuchen im Grand Prix stürzten die vierfachen Europameister. Die 28 Jahre alte gebürtige Ukrainerin trug schmerzhafte Blessuren davon. Steuer will darüber einfach nicht mehr reden und gibt nicht einmal zu, dass die EM-Absage mit dem Wurfaxel zu tun hatte. Wenn man zu viel darüber rede, könne das zu einer Blockade bei seinen Sportlern führen, lautet die Begründung.

Während die Russen bei der EM ganz stark auftrumpfen und erstmals seit 2005 einen Clean Sweep mit allen drei Medaillen hinlegten, sicherten die verbliebenen zwei deutschen Paare drei Startplätze fürs nächste Jahr in Zagreb.

„Ich bin begeistert. Hut ab vor der Leistung, das ist das Schönste, was ich diese Saison von ihnen gesehen haben“, sagte Elke Treitz, Vizepräsidentin der Deutschen Eislauf-Union (DEU), über Mari-Doris Vartmann/Aaron van Cleave (Düsseldorf). Bei ihrer ersten gemeinsamen EM war die deutsch-kanadische Verbindung nach einem Trainingsunfall am Morgen mit Maylin Hausch/Daniel Wende (Oberstdorf/Essen) als Fünfte über sich hinausgewachsen.

„Ich musste ein wenig weinen als es vorbei war“, gestand Vartmann, die gegen ein leichtes Schleudertrauma Schmerztabletten genommen hatte. Wende trug nach dem Zusammenstoß eine verbogene Kufe davon und verpatzte seine Kür mit der neu geschliffenen Klinge total. Er stürzte sogar bei der Pirouette. Rang sieben hielt den Schaden in Grenzen.

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