Pleite in Kasan: Warum Jogi Löw jetzt gehen sollte

Pleite in Kasan : Warum Jogi Löw jetzt gehen sollte

Nie zuvor ist eine deutsche Mannschaft in der Vorrunde einer WM ausgeschieden. Die Verantwortung dafür trägt der Bundestrainer. Es ist Zeit für einen neuen Anfang.

Kasan. Mats Hummels hat den historischen Abend wenige Minuten nach dem 0:2 gegen Südkorea in Kasan, also nach einer der peinlichsten Niederlagen in der deutschen Fußball-Geschichte, auf den Punkt gebracht. Das letzte gute Spiel, sagte Hummels, habe die Mannschaft etwa im Herbst 2017 gespielt. Das zeigt, wie falsch es gewesen ist, abseits der Turniere seit Jahren eine unerhörte Gelassenheit im Umgang mit Leistungen in Testspielphasen zu predigen, die niemanden besser gemacht und viele Anhänger dieser Mannschaft langsam, aber immer tiefgreifender demoralisiert hat.

Nie zuvor ist eine deutsche Mannschaft in der Vorrunde einer WM ausgeschieden. Zwei Pleiten gegen Mexiko und Südkorea, ein Last-Minute-Sieg gegen Schweden — das ist eine blamable Bilanz für einen Fußball-Weltmeister, dessen Selbstverständnis und Möglichkeiten weit über diese schnöde Vorrunde hinaus reichen müssten.

Und so ist das Scheitern zuerst das Scheitern des Bundestrainers. Das darf man ganz nüchtern sagen: Joachim Löw hat aus den besten Möglichkeiten in keinem Moment dieses Turniers eine Mannschaft gebaut, die ihre qualitative Überlegenheit ausspielen konnte — wie das noch 2010 in Südafrika auf furiose Weise und 2014 in Brasilien in weiten Teilen gelang.

Löw hat auf falsche Führungsspieler gesetzt, Treue mit Vertrauen verwechselt, Khedira, Özil, auch Kroos oder Müller — alle Teil des Erfolges seit acht (!) Jahren — waren schlicht nicht mehr bereit, mit einem WM-Titel im Gepäck gleich nach dem nächsten zu greifen.

Es ist die ehrlichste Erkenntnis dieser WM: Das deutsche Spiel gestaltete sich viel zu langsam. Die paradiesische Vorstellung, man könne aus drei starken Kadern (Weltmeister 2014, Confed-Cup-Sieger 2017, Olympia-Silber 2016) eine Auswahl der Hochqualifiziertesten filtern, verkehrte sich ins Gegenteil. Über diese Versuchsreihe ist das Zusammengehörigkeitsgefühl komplett verloren gegangen.

Ein Team war die Mischung aus allem nie, die Erdogan-Affäre und das absurde Krisenmanagement des DFB taten ihr übriges. Am Ende spielten die, die immer da waren. Das sind echte Fehler. Joachim Löw wird das verantworten müssen, trotz Vertrag bis 2022. Es ist Zeit. Demokratie, sagt man, lebt vom Wechsel. Für den Fußball gilt das nach solchen Tiefpunkten ganz genauso.