Von der Südsee in den Eiskanal

Von der Südsee in den Eiskanal

Bruno Banani kannte Schnee und Eis eigentlich nur aus Erzählungen. Seit 2009 ist er der erste und einzige Wintersportler des Inselstaats Tonga.

Düsseldorf. Vor rund drei Jahren hatte Salote Mafile’o Pilolevu Tuita eine Idee. Die Prinzessin des südpazifischen Inselstaates Tonga wollte ein Casting veranstalten. Allerdings war sie weniger auf der Suche nach einem Model, Musiker oder Schauspieler. Vielmehr sollte es ein Sportler sein. Genauer gesagt einer, den der kleine Staat, über dem 350 Tage im Jahr die Sonne scheint, zu den Olympischen Winterspielen entsenden kann.

So lud die Prinzessin die frühere deutsche Rennrodlerin Isabel Barschinski ein, damit diese eine ganze Reihe Interessenten eine Woche lang auf Herz und Nieren prüft. Am Ende bekam ein junger Mann mit berühmtem Namen den Zuschlag: Bruno Banani (Foto: Imago).

Seit 2009 gehört der heute 24-Jährige, der so heißt wie eine Chemnitzer Modefirma, zum internationalen Rodel-Zirkus. Und was anfangs eher als kleine Imagekampagne für Tonga oder als Hommage an „Cool Runnings“ — den Disney-Film aus den 90er Jahren über vier Jamaikaner, die als Bobpiloten zu den Olympischen Winterspielen wollen (siehe Kasten) — gesehen wurde, ist inzwischen eine ernstzunehmende Sportgeschichte geworden.

Mittlerweile trainiert Banani mit „Casting-Chefin“ Barschinski in Deutschland und holt sich Tipps von Olympiasieger Felix Loch oder Rodel-Legende Georg Hackl. Finanziert wird die Karriere vom gleichnamigen Modekonzern aus Deutschland, was Gerüchte über eine Namensänderung des 24-Jährigen im Sinne der Firma aufkommen ließ. Seine Trainerin hält dagegen, dass sie ihn von Beginn an unter diesem Namen kennengelernt habe. Nach werbewirksamen Auftritten bei der RTL-Sendung „Stern TV“ und der „Wok-WM“ auf Pro7 von Stefan Raab darf daran zumindest gezweifelt werden.

Doch nicht nur finanziell, auch sportlich geht es bergauf für den Exoten der Rodel-Szene. Zwar verpasste der erste und einzige Wintersportler seiner sonnigen Heimat durch einen Sturz im entscheidenden Rennen die Qualifikation für die Spiele 2010 in Vancouver. In dieser Saison gehörte Banani im Dezember aber erstmals zum Starterfeld des Weltcups. „Was für ein Tag. Das ist einfach unglaublich“, jubelte Banani nach Platz 26 in Calgary.

Dieser Erfolg soll nur der Anfang gewesen sein. In der kommenden Saison soll er den nächsten Schritt Richtung Weltspitze machen. „Wenn er das Level halten kann, ist die Qualifikation für die Winterspiele 2014 in Sotchi realistisch“, sagt seine Trainerin. Prinzessin Salote Mafile’o Pilolevu Tuita würde sich freuen.