U21: Der fidele Titelangler

U21: Der fidele Titelangler

Gewinnt Deutschland das EM-Finale gegen England, ist es vor allem ein Sieg des Trainers Hrubesch.

Düsseldorf/Malmö. Wäre alles so gelaufen wie sich DFB-Sportdirektor Matthias Sammer das gedacht hatte, wäre Horst Hrubesch am Montag Abend gar nicht da.

Gut, vielleicht hätte er sich das Finale der U21-EM von der Tribüne aus angesehen, aber möglich ist, dass Deutschland dann gar nicht im Finale gestanden hätte. Und noch wahrscheinlicher wäre, dass Horst Hrubesch lieber in der Lüneburger Heide angeln gegangen wäre.

Weil Sammer sich aber nicht durchgesetzt hat, bestreitet Horst Hrubesch am Montag mit der deutschen U21-Auswahl als Trainer das EM-Finale gegen England (20.45 Uhr, ZDF). Und Sammer lässt sich dafür feiern.

Horst Hrubesch ist das egal. Er hat diese U21 nur für dieses Turnier übernommen, nachdem er die U19 2008 zum EM-Titel geführt hatte. Aus dem Angler aus Passion ist der Titelangler geworden.

Und die Trainerfrage bei der U21 ist ein Lehrstück über die Interessenskonflikte zwischen Sammer auf der einen und dem A-Nationaltrainer Joachim Löw mitsamt Manager Oliver Bierhoff auf der anderen Seite. Sammer wollte sofort Heiko Herrlich für den blassen Trainer Dieter Eilts installieren.

Löw, dem laut Vertrag die U21 anvertraut ist, plädierte für seinen Spezi aus Stuttgarter Zeiten, Rainer Adrion. Am Ende wurde es Adrion, und weil der nicht sofort verfügbar war, sprang Hrubesch ein. Sammers Anruf erreichte ihn in Kanada - beim Angeln.

Ausgerechnet der Hrubesch, den man beim DFB immer altbacken fand, der als Anachronismus galt im reformeifrigen Verband. Ausgerechnet der lässt sich an, am Montag den zweiten EM-Titel seiner Trainerkarriere zu holen. Eine schöne Geschichte.

"Der Horst ist eine grundehrliche Haut, absolut authentisch, ein echter westfälischer Kumpel", sagt Paul Schomann, ein ehemaliger DFB-Trainer, der lange mit Hrubesch zusammengearbeitet hat, ehe ihn Sammer durch Heiko Herrlich ersetzte. Hrubesch verstehe sich als Trainingsarbeiter in engem Kontakt mit seinen Spielern. Der Trubel, "der geht ihm auf die Nerven", sagt Schomann.

Genervt war das einstige "Kopfball-Ungeheuer" auch, als man dem Team, das am Montag das Finale bestreitet, schon spielerische Armut, eine schlechte Abwehr und fehlende Stürmer vorwarf. "Wir haben das so hingebastelt, dass es passt", sagt Hrubesch, der am Montag sein letztes Spiel mit dieser U 21 bestreitet und im September mit seinem eigentlich zugewiesenen Team, der U20, zur WM nach Ägypten reist. Ziel, natürlich: der Titel.

"Der Horst bringt Leben in die Bude", sagt Torwart Manuel Neuer, Sammer findet, Hrubesch sei offen für neue Maßnahmen. Dabei ist Hrubesch immer er selbst geblieben, der die Dinge wunderbar einfach auf den Punkt bringt: "Fußball macht nur Spaß, wenn Du gewinnst. Und deshalb wollen wir diesen Titel."