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Nach EM-Auftritt: Turnerin zum Ganzkörperanzug: „Kein Protest gegen Sexismus“

Nach EM-Auftritt : Turnerin zum Ganzkörperanzug: „Kein Protest gegen Sexismus“

Für Turnerin Sarah Voss war ihr weltweit aufsehenerregender Auftritt bei den Europameisterschaften in Basel im April kein „Protest gegen Sexismus.“ Dies sagte die 21-Jährige im Interview der „Welt am Sonntag“.

„Ich finde, dass man dieses Wort damit nicht unbedingt verbinden sollte. Unser Anliegen war ganz einfach, dass jeder frei entscheiden sollte. Wir wollten jungen Mädchen zeigen, dass es auch so geht“, sagte Voss.

Sexismus sei ein großes Wort, habe eine enorme Bedeutung und könne nicht einfach so auf eine Sportart übertragen werden, die viel mit Ästhetik und Bewegung arbeite. „Es ist leider aber auch immer klar, dass manch einer mehr in eine Frau hineininterpretiert, das kann man nicht beeinflussen. Aber man kann beeinflussen, wie man sich selbst fühlt. Und das wollten wir mit diesem Anzug verbinden“, sagte Voss.

Voss war zum Auftakt der EM in Basel als erste deutsche Turnerin mit einem Ganzkörperanzug angetreten, statt mit dem sonst üblichen badeanzug-ähnlichen Dress. Auch ihre Teamkolleginnen Elisabeth Seitz und Kim Bui hatten im Mehrkampffinale im langen Anzug geturnt.

Ziel sei nicht gewesen, zu sagen, dass jede Turnerin jetzt mit einem Ganzkörperanzug antreten solle. Vielmehr wollten Voss&Co. ihre Kolleginnen darauf hinweisen, dass sie eine Kleiderwahl haben. Viele Turnerinnen fühlen sich bei bestimmten Übungen, wo vor allem die Beine weit gespreizt sind und laut Voss die sonst üblichen knappen Anzüge „an ihre Grenzen“ kommen, unwohl. Mit ihrer Aktion wollte sie Mut machen für selbstbestimmte Entscheidungen. „Klar, wir möchten sagen: Macht, was ihr wollt. Der Athlet sollte entscheiden dürfen und können, was für ihn das Beste ist, und für sich selbst einstehen“, sagte Voss, die auch in Zukunft wieder im kurzen Anzug turnen will.

Interview, E-Paper

© dpa-infocom, dpa:210509-99-527282/2

(dpa)