Tennis-Triumph für Petkovic - Auf Spuren von Graf

Tennis-Triumph für Petkovic - Auf Spuren von Graf

Miami (dpa) - Der historische Vergleich mit Steffi Graf kam für Andrea Petkovic nach ihrem Miami-Coup gegen die Weltranglisten-Erste Caroline Wozniacki unerwartet. Als erste Deutsche seit der legendären Brühlerin 1999 hatte die 23-Jährige die aktuelle Nummer eins der Tenniswelt besiegt.

Damit zog Petkovic mit 7:5, 3:6, 6:3 gegen die Dänin in die Runde der letzten Acht ein. „Ich kann es noch gar nicht glauben“, sagte Petkovic strahlend, dachte aber sofort an die nächste Herausforderung im Viertelfinale gegen die Serbin Jelena Jankovic: „Es bringt nicht viel, nur ein gutes Match zu spielen. Ich muss jetzt diese Leistung bestätigen, und das ist definitiv viel schwieriger“, erklärte die Nummer 23 der Weltrangliste der Nachrichtenagentur dpa.

Petkovic hatte Graf Anfang März in deren Wahlheimat Las Vegas kennengelernt und mit ihrem Idol 45 Minuten lang trainiert. Der Besuch bei der bodenständigen „Gräfin“ beeindruckt „Petko“ immer noch. „Sie spielt einfach noch auf einem sehr, sehr hohen Niveau. Die Vorhand hat noch die gleiche Power und Länge, der Slice ist immer noch eklig und sie bewegt sich immer noch wie ein Schmetterling über den Platz“, berichtete sie vor ein paar Tagen. Sogar einen Platz unter den Top 20 würde sie einer verletzungsfreien Steffi Graf auch heute noch zutrauen.

Nach dem verdienten Erfolg gegen Wozniacki wird Petkovic bald selbst erstmals zu den besten 20 Tennisspielerinnen der Welt gehören. In 145 Minuten hatte sie den derzeitigen Branchenprimus entzaubert, entmutigt und enttäuscht zurückgelassen. Zuletzt war Steffi Graf dieses Kunststück gelungen, als sie 1999 im unvergessenen Finale der French Open die damalige Nummer eins, die Schweizerin Martina Hingis, bezwungen hatte.

„Ich fühle mich riesig“, resümierte Petkovic. Seit Anke Huber 2001 stand in Miami keine Deutsche mehr im Viertelfinale des mit 4,5 Millionen Dollar dotierten Hartplatz-Turniers, und es soll erst der Anfang eines goldenen Sommers sein. Merklich selbstbewusster durch ihren Viertelfinal-Einzug bei den Australian Open, führte Petkovic die dänische Favoritin Wozniacki phasenweise regelrecht vor. Sie zwang die 20-jährige Blondine mit ihrem druckvollen und zugleich aber auch geduldigen Spiel zu Fehlern, die für eine Weltranglisten-Erste fast schon peinlich waren.

„Es war nicht so, dass ich unglaublich gespielt hätte. Ich habe mich an meinen Plan gehalten und klug gespielt“, sagte Petkovic und erklärte ihren Sieg mit Köpfchen so: „Viele Spielerinnen meinen, sie könnten Caroline überpowern. Ich glaube, das ist der falsche Ansatz, weil sie jeden Ball zurückbringt. Deswegen habe ich versucht, ein bisschen zu variieren. Zum Glück hat das geklappt.“

Während die gestürzte Tennis-Queen Wozniacki mit hängendem Kopf vom Centre Court schlich, zeigte Petkovic am Netz ausgelassen ihren „Petko-Dance“. Ihr längst zum Markenzeichen gewordenes Siegertänzchen wird es nach Miami jedoch nicht mehr geben. Dann, so Petkovic, werde sie sich etwas Neues einfallen lassen.