Tennis-WM zu Grabe getragen

Tennis-WM zu Grabe getragen

33 Jahre wurde der Mannschaftstitel in Düsseldorf ausgespielt. Die Suche nach einem Hauptsponsor bleibt erfolglos.

Düsseldorf. Die Mienen waren betreten, Friedhofsstimmung im Düsseldorfer Rochusclub. Gestern gegen 12.05 Uhr war die Nachricht draußen: Den Tennis World Team Cup in Düsseldorf wird es nicht mehr geben. Nicht 2011, und auch nicht 2012. Danach wäre der Vertrag zwischen der Spielergewerkschaft ATP und der Rochusclub-Turnier GmbH ohnehin ausgelaufen.

„Wir haben bei der langen Suche nach einem Titelsponsor keinen Erfolg gehabt. Die Situation lässt uns keine andere Wahl“, sagte Turnierdirektor Dietloff von Arnim gestern und beendete damit die 33-jährige Geschichte der Tennis-WM in Düsseldorf, des mit 1,35 Millionen Euro höchst dotierten deutschen Tennisturniers.

Der in diesem Jahr ausgestiegene Düsseldorfer Versicherungskonzern Arag hinterlässt im knapp 4,5 Millionen Euro umfassenden Budget des Turniers nach elf Jahren der Zusammenarbeit eine Lücke von etwa 1,5 Millionen Euro. Für diesen notwendigen Betrag aber war kein noch so fern liegendes Unternehmen zu gewinnen. „Zuletzt waren wir noch in Verhandlungen mit Partnern in Indien, China und der Schweiz“, sagte Turnier-Erfinder Horst Klosterkemper am Montag, am Tag der Verkündung. Im Ausland sei das Interesse an der Veranstaltung wegen der enormen TV-Präsenz inzwischen zwar wesentlich größer, so Klosterkemper, aber auch die internationale Ausrichtung brachte den Machern keinen Erfolg mehr.

Somit verliert die Sportstadt Düsseldorf eine Traditionsveranstaltung auf Dauer. Eine Rückkehr der WM zu einem späteren Zeitpunkt wird es kaum geben. Nicht einmal an einem anderen Spielort wird die Tennis-WM absehbar neu aufgelegt. „Zumindest nicht in den nächsten zwei Jahren“, sagte von Arnim. Das sehe der ATP-Kalender nicht vor.

Eventuell ausstehende Forderungen der ATP an die GmbH sollen durch eine Insolvenz aufgefangen werden. „Wir glauben aber an eine einvernehmliche Lösung“, sagte Jochen Schily, einer der drei GmbH-Geschäftsführer, die mit kleinem Kapital vor Jahrzehnten gegründet worden war. Gewinne, so Schily, seien in den letzten Jahren nicht mehr erzielt worden. Deshalb sei das Defizit auch mit eigenen Mitteln nicht im Ansatz aufzufangen. „Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre das Turnier schon sehr viel früher defizitär gewesen“, sagte von Arnim.

Nach dem Verlust der German Open in Berlin 2008 ist das Ende der Weltmeisterschaft in Düsseldorf neuer Beweis dafür, dass sich Tennis in Deutschland nach der Ära Becker, Stich und Graf inzwischen auf dünnem Eis bewegt. Tennisturniere der mittleren und untersten ATP-Kategorie gehen jetzt nur noch in München, Stuttgart, Halle und Hamburg über die Bühne.

„In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Kraft des Tennis verkannt“, sagte Klosterkemper, der aufgrund der enormen Mitgliederzahlen von der Sportart Nummer drei in Deutschland sprach. Für die Stadt Düsseldorf stachen diese Argumente nicht. Eine erhebliche Beteiligung am Etat und der GmbH hatte die Stadt abgelehnt.

„Das ist auch ein schwarzer Tag für die Sportstadt Düsseldorf“, sagte Klosterkemper. Beeinflusst haben dürfte die Entscheidung von Stadt und Wirtschaft die schlechte jüngere Entwicklung des Turniers. Ein steter Zuschauerrückgang und fern bleibende Spitzenspieler wie Roger Federer und Rafael Nadal minderten das Renommee des World Team Cups. Nun ist er zu Grabe getragen worden.