Spanische Mannschaft: Er steht im Tor –und sie dahinter

Spanische Mannschaft: Er steht im Tor –und sie dahinter

Sportreporterin Sara Carbonero, die Freundin von Torhüter Iker Casillas, sorgt für Aufregung. Lenkt sie ihren Geliebten ab?

Durban/Düsseldorf. "Er steht im Tor, im Tor, im Tor - und ich dahinter", so besang Wencke Myrhe in den 1960er Jahren ihre Liebe zu einem Torwart. Sie habe sich ja nie für Fußball interessiert, heißt es in dem Lied weiter, aber jetzt mache sie der Torwart ganz wuschig und sie sei schon das neue Vereinsmaskottchen.

Der etwas alberne Schlager war ein Riesenhit, und wie alle guten Sachen von damals kommt auch diese Geschichte wieder: Denn bei den Spaniern steht Iker Casillas im Tor, und Sara Carbonero dahinter - in der Interview-Zone.

Der 29-jährige Ballfänger von Real Madrid und die 25-jährige Schönheit sind seit einigen Monaten zusammen und das Lieblingspaar der spanischen Boulevardmedien. Er die unumstrittene Nummer eins beim spanischen Topklub, sie das Gesicht der Fußballberichterstattung des Fernsehsenders Telecinco und 2009 von der Männerzeitschrift FHM zur schönsten Sportjournalistin der Welt gekürt. Das sind die Geschichten, bei denen der bunte Blätterwald vor Begeisterung zu rauschen beginnt.

Wäre da nicht ein klitzekleiner Unterschied zur Schlager-Story von Frau Myrhe: Nicht er verdreht ihr den Kopf, sondern umgekehrt. Seit die Beiden ihre Liebe öffentlich machten, kursieren immer wieder Gerüchte über einen Leistungsabfall bei Casillas.

Die schöne Brünette, die hinter dem Tor mit dem Mikro auf ein schnelles Interview nach dem Abpfiff lauert, lenke den guten Iker dermaßen ab, dass der sich nicht mehr konzentrieren könne. So machten Medien die Reporterin auch für Casillas’ Patzer beim entscheidenden 0:1 in der WM-Vorrunde gegen die Schweiz verantwortlich. Carbonero, die Casillas nach dem Schweiz-Spiel mit verliebtem Augenaufschlag interviewte, sagt dazu nur: "Kann ich Unruhe in die Mannschaft bringen? Ich glaube, das ist Nonsens."

Und Spaniens Abwehrspieler Raul Albiol attestiert seinem Schlussmann: "Iker ist total kopfgesteuert. Er ist voll darauf fokussiert, die WM zu gewinnen." Doch auch der spanische Presseverband hätte lieber einen anderen Reporter hinter dem Kasten von Casillas: Als Journalistin müsse sie wissen, dass man keine emotionale Bindung zu seinen Geschichten haben darf.

Ihr Sender setzt aber weiter auf Carbonero, und wenn sie heute dafür sorgen sollte, dass Iker Casillas die Bälle nicht festhalten kann, darf sie wie Wencke Myrhe auch Maskottchen werden - allerdings nicht das der Spanier.

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