Schalke verliert gegen die Fohlenelf

Schalke verliert gegen die Fohlenelf : Schalker Ärger – Gladbachs Traum

Die Champions League naht: Borussia rückt mit dem 2:0-Sieg auf Platz zwei vor. Die Königsblauen fühlen sich benachteiligt, verlieren aber verdient.

Der Ärger war groß beim FC Schalke 04. Die Gastgeber fühlten sich bei der 0:2 (0:0)-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach benachteiligt. Der Ort, an dem Lars Stindl den vorentscheidenden Freistoß ausführte, war nicht regelkonform. Stindl spielte einen langen Pass auf Thorgan Hazard, der von Schalke-Torhüter Alexander Nübel kurz vor der Strafraumgrenze nur mit einer Notbremse gestoppt werden konnte. Allerdings hätte der Freistoß an dem Ort ausgeführt werden müssen, an dem zuvor das Foulspiel begangen worden war. Doch S04-Innennverteidiger Salif Sané hatte versucht, Zeit für sein Team zu gewinnen, indem er den Ball in Richtung Schalker Hälfte trug. „Er hätte ihn auch einfach liegen lassen können“, hatte Gladbach-Trainer Dieter Hecking nach dem Spiel einen guten Tipp für den Schalker parat.

Nach Nübels Platzverweis
hat Gladbach alles im Griff

Als Sané den Ball losließ, hatte er laut Fernsehsender Sky eine Distanz von 12,4 Metern zurückgelegt. Die Konsequenzen aus dieser Szene: Nübel sah die Rote Karte, und die Mannschaft von Domenico Tedesco hatte dem Gegner ab der 59. Minute nichts mehr entgegen zu setzen. „Es ist ein bisschen krass, dass es uns jede Woche trifft“, sagte der S04-Trainer in Richtung Schiedsrichter: „Der Sieg war ab der Roten Karte verdient. Vorher haben sich beide Teams neutralisiert.“

Es ist allerdings ein Kennzeichen dieser Saison, dass sich die Schalker damit begnügen, das gegnerische Spiel zu zerstören und sich anschließend selbst eine gute Leistung zu bescheinigen. „Bis zur Roten Karte waren wir spielerisch viel besser. Wir sind auf einem guten Weg“, sagte etwa Außenbahnspieler Daniel Caligiuri und ließ damit viele überraschte Gesichter in der Gelsenkirchener Arena zurück. Denn es waren die Gladbacher, die das Spiel bestimmten, den Ball laufen ließen und versuchten, sich Chancen zu erarbeiten.

„Es ist schwer, gegen uns ein Tor zu erzielen, und wir brauchen wenige Chancen für einen Treffer“, sagte Hecking. Das Tedesco-Team stand zumeist tief und kompakt in der eigenen Hälfte und suchte seine Chance im Konterspiel. Die Schalker arbeiteten wieder einmal viel, Raum und wohl auch Kraft für Kreativität und schnelles Passspiel waren allerdings (zu) selten vorhanden. Wenn sie sich mal gefährlich dem gegnerischen Tor näherten, dann zumeist mit Standardsituationen. „Wir haben in der ersten Hälfte sehr viel Aufwand betrieben und uns wenig Chancen erarbeitet“, sagte Tedesco.

Dieter Hecking wirkte fast irritiert von der Passivität der Königsblauen und verpackte sein Erstaunen in eine diplomatische Formulierung. „Wir freuen uns immer, wenn wir den Ball haben“, sagte der Coach. Dass sie damit besonders gut umgehen können, demonstrierten die Fohlen in Überzahl, als sie den Ball schier unendlich und die Schalker ebenso viel laufen ließen. Die eingewechselten Christoph Kramer (85.) und Florian Neuhaus (90.) sorgten mit ihren Treffern für die späte, aber verdiente Entscheidung.

Dass der Ruhrgebietsklub kaum einmal Torgefahr ausstrahlen konnte, lag auch  daran, dass Tedesco mit Weston McKennie einen Spieler in der Angriffsspitze aufgeboten hatte, der gar kein Stürmer ist. Während Neu-Profi und Angreifer Ahmed Kutucu über 90 Minuten auf der Reservebank zuschauen musste, versuchte der defensive Mittelfeldspieler McKennie mit viel Eifer sein Glück, stand aber auf verlorenem Posten. Dass Sportvorstand Christian Heidel in der Winterpause trotz der großen Personalnot in der Offensive keinen zentralen Angreifer verpflichtet hatte, rächte sich erkennbar. Und dass Neuverpflichtung Rabbi Matondo (rund zehn Millionen Euro) noch Zeit benötigen wird auf Schalke, zumal der 18 Jahre alte walisische Flügelspieler kein Spiel in der Premier League nachweisen kann, zeigte sich nach seiner Einwechslung (75.) in seinem zaghaften Abwehrverhalten vor dem ersten Gegentreffer.

Die Gladbacher sind mit diesem Erfolg auf Tabellenplatz zwei vorgerückt. Ihre Leistungen fußen auf einem festen spielerischen Fundament. Deshalb können sie intensiver als schon zuvor von der Teilnahme an der Champions League träumen. Eine Kampfansage an die Konkurrenz vermieden sie: „Wir sehen uns nicht als Dortmund-Jäger und wissen, dass der BVB und die Bayern noch ein Stück weit über uns stehen“, kommentierte Torschütze Kramer in aller Bescheidenheit. Auch Hecking zog es vor, auf dem Teppich zu bleiben: „Natürlich sind wir ambitioniert. Aber es nutzt nichts, auf die anderen zu schauen. Ab morgen liegt unser Fokus wieder auf dem nächsten Spiel gegen Hertha. Nur das ist der Weg, der uns Erfolg beschert.“

Bei den Schalkern sind nun wohl auch die letzten Illusionen geplatzt, dass sie diese Saison noch zu einem zufriedenstellenden Ende bringen können. Sollten sie am Mittwochabend auch noch gegen Fortuna Düsseldorf im Achtelfinale des DFB-Pokals ausscheiden, dürfte ein echtes Sturmtief aufziehen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung