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Schalke 04 rettet sich ins Ziel

Schalke 04 rettet sich ins Ziel

Königsblau wankt, bringt den Sieg gegen Hoffenheim aber über die Zeit. Tedesco gewinnt das Duell der Jung-Trainer gegen Nagelsmann.

Gelsenkirchen. Fahrgemeinschaften sind ein probates Mittel, um den Verkehr auf der Straße zu entlasten sowie den Lärmpegel und Emissionen zu reduzieren. Mit etwas Glück ist diese Art der Zweisamkeit sogar der Beginn einer Freundschaft. Domenico Tedesco und Julian Nagelsmann haben im Rahmen ihrer Fußball-Lehrer-Ausbildung 2015/16 unzählige Stunden zusammen im Auto verbracht. Vom Kraichgau nach Hennef.

Wie „dicke“ die beiden wirklich miteinander sind, lässt sich nur mutmaßen. Fakt ist: Die beiden jüngsten Cheftrainer in der Bundesliga respektieren, schätzen sich. Und treffen sich aktuell zwei Mal im Jahr — rein beruflich versteht sich. Am Samstag in Gelsenkirchen prallten nun zum zweiten Mal die Welten der Wunderknaben und Taktik-Füchse aufeinander. Diesmal mit dem besseren Ende für Musterschüler Tedesco, Jahrgangsbester mit der Note 1,0. Seine Schalker setzten Nagelsmanns Team mit 2:1 matt. Im Hinspiel noch hatte Hoffenheim mit 2:0 die volle Ausbeute für sich verbucht. Ausgleich.

Elf Punkte haben die Knappen in dieser Serie in der eigenen Arena nach einer Führung fahrlässig hergeben müssen. Elf Punkte, die im Falle der blau-weißen Gutschrift der Monotonie im Oberhaus gut getan hätten. Dass nicht zwei weitere Zähler in dieser grauen S04-Statistik Eingang fanden, lag mitunter an harmlosen wie unfähigen Gästen. 78 Minuten lang hatten sie im Revier vor 60 741 Zuschauern nach Toren von Thilo Kehrer (11.) und einem geschenkten Treffer vom starken Breel Embolo (28.), der einen Super-Schnitzer von Hoffenheims Kapitän Kevin Vogt ausnutzte, alles im Griff.

Domenico Tedesco, Schalkes Trainer, erklärt seinen Ärger über das Einschreiten des Video-Assistenten beim nicht gegebenen Abseits-Tor von Breel Embolo.

Spätestens da war auch der Ärger über das Tor von Embolo aus der 14. Minute verraucht, dessen Lupfer ins Glück wegen einer tatsächlichen Abseitsstellung nachträglich vom Videoassistenten zurückgenommen wurde. „Nachvollziehen konnte ich das nicht. Erst heißt es, es gebe keine virtuelle Linie in Köln, dann plötzlich doch“, zeterte Tedesco. Der Schalke-Trainer hatte den 19 Millionen Euro teuren Algerier Nabil Bentaleb nicht einmal in den Kader berufen — angeblich weil er stets sauer ist, wenn er nicht von Anfang an spielt und dann schlechte Laune verbreitet. Sportvorstand Christian Heidel hält offenbar nichts davon, dass Spieler eine Startelf-Garantie beanspruchen: „Ich habe ihm gesagt, guck dir mal die Bank von Bayern München an. Da warst du ja ein Sonderangebot“, erklärte Heidel.

(Torschützen unter sich: Thilo Kehrer (l.) gratuliert Breel Embolo zu dessen Treffer zum 2:0 gegen Hoffenheim. Foto: dpa)

Mit dem Anschlusstor zwölf Minuten vor dem Ende von Andrej Kramaric schlich sich auf der Zielgeraden indes die totale Verunsicherung ein. Schalke wankte, machte sich das Leben schwer — und das Rund raunte und pfiff, als satte sieben Minuten in der Nachspielzeit dazukamen. Nach der Bänder-Verletzung von Linienrichter Robert Schröder (Hannover) zu Beginn der zweiten Hälfte mehr als angemessen — die Partie war minutenlang unterbrochen gewesen.

Königsblau rettete sich trotzdem ins Ziel. Das Gegentor: ein Schönheitsfehler. Während Tedesco die Fäuste ballte und den Schalker Kreisel mit Gefolge zelebrierte, schickte Nagelsmann seine Jungs geradewegs in die Kabine. „Das ist üblich bei uns“, klärte Abwehrmann Vogt auf. Und nahm damit ersten Gerüchten den Wind aus den Segeln, die TSG wolle sich partout nicht den Medienvertretern stellen.

Der Trainer selbst fand den Weg in die Katakomben erst Minuten später. Unmittelbar nach Spielschluss suchte er die Nähe zum Schiedsrichterteam. Lautstark und aufgebracht wie selten — angeblich soll Nagelsmann von einem Assistenten beleidigt worden sein. Von wem und in welcher Art blieb im Verborgenen. „Fragen Sie den Schiedsrichter“, wetterte Nagelsmann während der Pressekonferenz. Um beim Abgang Tedesco noch schnell in den Arm zu nehmen. Unter Freunden so üblich.

(Einst Mitschüler im Trainerlehrgang, nun Bundesliga-Rivalen: Julian Nagelsmann (Hoffenheim, l.) und Domenico Tedesco (Schalke). Foto: Witters)