Reportage: Arbeitslos – aber fit und für alle Angebote offen

Reportage: Arbeitslos – aber fit und für alle Angebote offen

Die Traumwelt Bundesliga hat auch ihre Schattenseite: Fußball-Profis ohne Vertrag.

Duisburg. Christian Seifert trägt Krawatte, das Haar ist gekämmt, alles liegt akkurat. Seifert ist Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), er vertritt das Premiumprodukt Bundesliga. Zwei Milliarden Euro setzen das deutsche Oberhaus und die 2. Liga jährlich um.

Das Ganze ist eine einzige Erfolgsgeschichte, die Zahlen steigen konstant. Seifert spricht an diesem Tag über diese Welt, als sei er ihr gerade etwas ungern entstiegen.

Warum er doch gekommen ist, hier in die kleine Welt nach Duisburg-Wedau zum Camp der vertragslosen Fußballer? "Die glamouröse Welt hat nicht nur Hauptdarsteller. Alle diese Spieler haben mitgewirkt am Phänomen Bundesliga." Und dann sagt er in diesem kleinen Konferenzraum in Duisburg-Wedau bei Mettbrötchen, Kaffee und Cola: "Jetzt ist Solidarität gefragt."

Die, mit denen sich die DFL solidarisch zeigen will, laufen sich draußen warm auf einem Nebenplatz an der Sportschule Wedau: arbeitslose Fußball-Profis. Sie spielen gleich gegen die Reserve von Schalke 04.

Es riecht nach Provinz, der Rasen ist spärlich abgezeichnet, einige Rentner stehen am Spielfeldrand, Spielerberater und Scouts. Sie werden beobachtet von den Profis, die keiner mehr will. Immer aus dem Augenwinkel. Interessiert sich da vielleicht einer für mich? Diese Profis heißen Delron Buckley (33), Francis Kioyo (30) oder Christian Mikolajczak (29), sie sind vereinslos, heißt es hier im Camp der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV). Es hört sich besser an als arbeitslos.

Bis zu 100 Bewerbungen erreichten Ulf Baranowsky, den Geschäfsführer des VdV, für das Sommercamp. In dem Profifußballer eine professionelle Saisonvorbereitung abhalten können. Ist einer der 26 Spieler weg, rückt ein anderer nach. "Unser Ziel ist es, dass sie wieder schnell verschwinden", sagt Florian Gothe, Vorsitzender der Vereinigung.

Die Erfolgsquote ist gut: Rund 80 Prozent fanden im vergangenen Jahr einen neuen Verein. Der Torwart Stefan Wessels (31) wurde mit dem FC Basel Meister und Pokalsieger. Einmal Himmel und zurück. Wessels erhielt danach wieder keinen neuen Vertrag. "Letzte Woche hat er hier vorbeigeschaut", sagt Baranowsky.

Der Geschäftsführer mit dem lichten Haar und der Hornbrille vermittelt nicht, aber er berät. "Die Spieler hier müssen auch mit kleinen Lösungen zufrieden sein. Lieber zwei Schritte zurück, um dann wieder einen nach vorne zu gehen, als kein Vertragsverhältnis."

Mit 3:2 gewinnen die Arbeitslosen, trainiert vom ehemaligen Wuppertaler Trainer Uwe Fuchs, von Christian Hock und Markus Anfang, an diesem Tag gegen die beschäftigten Schalker. Buckley und Kioyo treffen, es hört sich nach Bundesliga an, aber das ist es nicht mehr. Die meisten ihrer Mitspieler kommen aus der dritten und vierten Liga. Buckley hat zwei Töchter, zuletzt spielte er ein Jahr in Famagusta auf Zypern. Er ist ein Handlungsreisender in Sachen Fußball.

Natürlich ist es kein Gütesiegel, hier in Wedau zu trainieren, "weil dann alle wissen, dass der Spieler keinen Verein hat und in Not ist", sagt Baranowsky. Aber der schlechte Ruf ist längst der Erfolgsquote gewichen. Mit dem Verstreichen der Wechselfrist am Mittwoch schlägt die Stunde der Arbeitslosen. Weil vertragslose Spieler auch weiterhin verpflichtet werden dürfen.