Abschied „Es war eine wunderbare Zeit“

MÖNCHENGLADBACH · Nach sieben Jahren muss der Publikumsliebling Borussia Mönchengladbach verlassen. Der Brasilianer hegt keinen Groll und hofft auf eine Rückkehr.

 Raffael Caetano de Araújo hat sieben Jahre bei Borussia Mönchengladbach gespielt.

Raffael Caetano de Araújo hat sieben Jahre bei Borussia Mönchengladbach gespielt.

Foto: picture alliance/dpa/Matthias Balk

Der Sieg war eingetütet, die Qualifikation für die Champions League unter Dach und Fach gebracht. Bei Borussia Mönchengladbach war es damit Zeit für große Emotionen. Also holte Trainer Marco Rose am letzten Bundesliga-Spieltag dieser Saison Lars Stindl in der Nachspielzeit vom Feld und schickte für ihn Raffael auf den Rasen. Zum letzten Mal durfte der Brasilianer für die Fohlenelf auflaufen, als Wertschätzung streifte ihm Stindl die Kapitänsbinde über und fast hätte Raffael seinen Ausstand Sekunden später mit einem Tor gekrönt. Herthas junger Torhüter Dennis Smarsch allerdings entpuppte sich als Spielverderber.

„Wenn er getroffen hätte, dann wären 50 Leute auf den Platz gestürmt. Wir standen schon in den Startlöchern“, sagte Marco Rose mit einem Schmunzeln. Doch auch die stehenden Ovationen aller im Borussia-Park zugelassenen Angehörigen der „Fohlen“ waren ein Indiz dafür, wer hier nach sieben Jahren den Verein verlässt. „Raffael hat Großartiges für Borussia Mönchengladbach geleistet. Er ist eines der prägenden Gesichter der vergangenen Vereinsjahre. Wir hatten eine sehr lange Zeit einen Top-Spieler im Kader, der uns enorm geholfen hat, unsere Ziele zu erreichen“, sagte Sportdirektor Max Eberl.

Am Ende war es eine rein sportliche Entscheidung

Im Juli 2013 hatte Eberl den vielseitig verwendbaren Offensivakteur für fünf Millionen Euro von Dynamo Kiew geholt. Nach sieben Jahren sowie 201 Pflichtspielen, in denen Raffael 71 Treffer erzielte und 35 weitere direkt vorbereitete, erhält der 35-Jährige nun keinen neuen Vertrag mehr. „Raffael hat eine extreme Wichtigkeit, aber in der jetzigen Zeit müssen wir Entscheidungen fällen und den Spielern in unserem Kader Möglichkeiten aufzeigen können. Wir haben mit Raffael darüber sehr angenehm, offen und ehrlich gesprochen. Am Ende ist es eine rein sportliche Entscheidung gewesen“, erklärte Eberl.

Raffael Caetano de Araujo spielt bei den Überlegungen von Trainer Marco Rose keine Rolle mehr. In den 42 Pflichtspielen dieser Saison stand er lediglich in elf auf dem Rasen und das auch nur für insgesamt 122 Minuten, im Schnitt also gut elf pro Partie. Bereits vergangene Saison musste er seinem höheren Fußballer-Alter Tribut zollen. Wegen wiederholter Wadenprobleme sowie auf Grund eines Schlüsselbeinbruchs kam der Angrefer nur in 14 der 36 Pflichtspiele über zusammengerechnet 602 Minuten zum Einsatz, im Schnitt also genau 43 pro Begegnung.

Raffael akzeptiert die Entscheidung des Vereins, gleichwohl erfüllt sie ihn mit Wehmut. „Ich wäre gerne geblieben, aber der Club hat andere Pläne. Ich bin sehr dankbar, dass ich so lange für diesen tollen Verein spielen durfte. Es war eine wunderbare Zeit, ich werde mich immer mit viel Freude an sie erinnern. Die Raute wird stets in meinem Herzen bleiben und wer weiß, vielleicht kehre ich nach meiner aktiven Karriere ja in anderer Funktion zu Borussia zurück. Das wäre schön“, sagte Raffael und wer die brasilianische Seele kennt, der weiß, das diese Sätze keine leeren Floskeln sind.

Für Mitspieler Christoph Kramer
war es eine Ehre

Mindestens einmal wird der Publikumsliebling der Nordkurve aber in jedem Fall noch den Borussia-Park betreten. Schließlich fehlten bei seinem Abschied die Fans. „Ich hätte das Ganze natürlich gerne zusammen mit unseren Anhängern erlebt, aber das ist ja leider nicht möglich gewesen. Doch wenn Zuschauer im Stadion wieder erlaubt sind, dann werde ich auf alle Fälle mal vorbeikommen, um mich von den Fans zu verabschieden. Ich habe in den vergangenen Tagen so viele Nachrichten von ihnen erhalten. Dafür möchte ich mich bei allen recht herzlich bedanken“, sagte Raffael.

Und wie geht es für ihn nun weiter? Immerhin ist er am linken Niederrhein heimisch geworden, hat in Jüchen ein Haus bauen lassen. „Wir fühlen uns hier in der Gegend sehr wohl, aber ich würde gerne noch ein bis zwei Jahre spielen. Wenn sich etwas in der Nähe ergeben könnte, dann wäre das super“, sagte Raffael. Christoph Kramer würde ihm dann sicher zuschauen. Der Mittelfeldspieler hat Raffael mit einer „Liebeserklärung“ verabschiedet. „Ich habe es wirklich geliebt, mit dir auf dem Platz zu stehen. Ein ganz Großer verlässt die Borussia-Bühne – es war mir eine Ehre!”

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