Radsport: Scharpings Kuschelkurs

Radsport: Scharpings Kuschelkurs

Keine Chance für die Opposition.

Leipzig. Als Rudolf Scharping sich nach zwei Anläufen für seine Wiederwahl als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) feiern ließ, ging der Polit-Profi auf Kuschelkurs zur Opposition. "Es war eine faire Auseinandersetzung mit einem klaren Ergebnis", sagte Scharping.

Sein Herausforderer Dieter Berkmann habe unzweifelhaft sauber um seine Position gekämpft. Letztlich hatten sich die Delegierten auf der Hauptversammlung des BDR mit 399:174 Stimmen gegen eine Veränderung an der Verbandsspitze entschieden.

Zuvor war es im Ballsaal eines Leipziger Fünf-Sterne-Hotels chaotisch zugegangen. Die erste Kampfabstimmung um den BDR-Chefsessel seit 1948 musste wiederholt werden, weil ein Fernsehteam die Stimmabgabe gefilmt und damit eine geheime Wahl unmöglich gemacht hatte. Zudem hatten einige Wahlzettel Fehler aufgewiesen.

Die Pannen-Statistik des BDR erhielt einen weiteren unrühmlichen Eintrag, die Wähler votierten dennoch für vier weitere Jahre mit dem früheren Bundesverteidigungsminister Scharping. Dessen Gegenkandidat Berkmann war nach seinem vergeblichen Kampf um das Präsidentenamt tief enttäuscht.

"Dass wir nicht überzeugend waren, liegt an der Starrheit der Delegierten. Es gibt Zweifel an Herrn Scharping, doch öffentlich geht man da nicht heran. Das ist das Problem", sagte der 58 Jahre alte Orthopäde aus Miesbach.

Er habe sich einen knapperen Ausgang erhofft. Vor der Abstimmung hatte Scharping mit privaten Anekdoten und radsport-romantischen Schwärmereien die letzten Zweifler auf seine Seite gezogen, Berkmann war bei seiner Rede blass geblieben.

"Er hat sich entsprechend seines Charakters verkauft. Ich habe ihm geraten, im Ton aggressiver zu sein, doch das wollte er nicht", sagte der heimliche Oppositionsführer Dieter Kühnle.

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