Radsport: Die Skepsis fährt weiter mit – 18 Dopingfälle in 2009

Radsport: Die Skepsis fährt weiter mit – 18 Dopingfälle in 2009

Der Holländer Thomas Dekker flog am Mittwoch auf. Fahnder kündigen ein neues Testverfahren an.

Düsseldorf. Gewarnt hatte sie niemand. Nicht Manuel Beltran, nicht Moises Dueñas Nevado, auch nicht Riccardo Ricco. Im Vertrauen auf ihre medizinischen Berater radelten sie bei der letztjährigen Tour geradewegs in die von den Doping-Fahndern ausgelegte "Cera"-Falle. Die Jäger nach verbotenen Stoffen im Körper der Radprofis hatten nicht kundgetan, wozu sie mittlerweile in der Lage waren. Bisher hatten sie stets verkündete, welche Substanz von ihnen mittlerweile nun auch nachgewiesen werden könne. Über ihren Erfolg beim "Cera"-Nachweis schwiegen sie jedoch. Die Substanz ist eine Besonderheit der Epo-Weiterentwicklung und soll schon seit 2004 unter den Radprofis kursieren. Sie regt die Produktion roter Blutkörperchen an. Allerdings sind die in "Cera" befindlichen Proteine länger nachweisbar als bisherige Epo-Varianten.

So endete die große Frankreich-Rundfahrt für Beltran, Dueñas Nevado und Ricco abrupt. Sie waren drei von immerhin sieben ertappten Dopern der letztjährigen Tour. Das Gerolsteiner Duo Stefan Schumacher und Bernhard Kohl bildete den düsteren Schlussakkord. Zweieinhalb Monate nach dem Ende der Tour flogen sie bei Nachtests mit ihrer Manipulation durch "Cera" auf.

Die Skepsis fährt auch am Samstag wieder mit, wenn die 96.Auflage der Tour in Monaco startet. Davon zeugen alleine die in diesem Jahr dokumentierten 18 Dopingvergehen. Am Mittwoch erwischte es Thomas Dekker. Der Holländer wurde dank neuer Analyse-Methoden des Epo-Dopings überführt und darf Samstag nicht starten. Die Urin-Nachkontrolle einer bereits im Dezember 2007 abgegebenen Probe hatte zu einem positiven Ergebnis geführt. Dekker war schon im Vorjahr mit anormalen Blutwerten aufgefallen und von seinem damaligen Team Rabobank wegen einer entsprechenden Warnung des Radsport-Weltverbandes für die Tour 2008 nicht berücksichtigt worden. Die französische Anti-Doping-Agentur (AFLD) kündigte wenige Tage vor dem Tour-Start an, es gebe ein neues Testverfahren für eine Substanz, von dem die Fahrer noch nichts wüssten. AFLD-Chef Pierre Bordry will auch Namen von dringend zu testenden Fahrern liefern.

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