Rhein-Ruhr-City: NRW-Olympia? Entscheidung fällt schon 2020

Rhein-Ruhr-City : NRW-Olympia? Entscheidung fällt schon 2020

In Düsseldorf verrät die DOSB-Chefin Veronika Rücker, dass eine Entscheidung über die Rhein-Ruhr-Initiative für 2032 schneller fallen soll als gedacht.

Walter Schneeloch muss nicht mehr auf alles und jeden Rücksicht nehmen. Der Vorsitzende des Landessportbundes in Nordrhein-Westfalen ist seit 2005 im Amt – und als Vizepräsident im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) Ende des vergangenen Jahres nicht mehr angetreten. Also nimmt sich der 71-Jährige die Freiheit, auch einmal ein mutiges Funktionärswort zu sprechen: Als es gestern beim Spobis-Kongress in Düsseldorf um eine mögliche Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region für die Olympischen Spiele 2032 ging, drang Schneeloch unverblümt auf eine schnelle Entscheidung des DOSB und wandte sich direkt an die DOSB-Chefin Veronika Rücker im Publikum: „Wenn wir ins Rennen gehen, müssen wir diese Veranstaltung auch bewerben – und zwar international. Wir brauchen dann in NRW viele Veranstaltungsformate, um im internationalen Wettkampf auf uns aufmerksam zu machen“, sagte Schneeloch und schloss: „Deswegen bitte ich Dich, liebe Veronika, möglichst frühzeitig eine Entscheidung zu Gunsten von NRW zu treffen.“

Auch Nord- und Südkorea gehen vielleicht ins Rennen

Der Gründer der Initiative „Rhein Ruhr City“, der Sportmanager Michael Mronz, setzt mit seinem Programm auf ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit und will auf 80 Prozent bestehende Infrastruktur zurückgreifen. Es ist ein Vorschlag inklusive sinnvoller Nachnutzung der Sportstätten und dem notwendigen Aufbau einer besseren Infrastruktur in der Rhein-Ruhr-Region.

Ein Vorschlag, der bei der 48 Jahre alten Rücker, die die Fäden als DOSB-Chefin und Nachfolgerin von Michael Vesper seit dem 1. Januar 2018 in der Hand hält, ankommen muss. Dieser Zeitung verriet die Sportwissenschaftlerin gestern: Der DOSB will schon im kommenden Jahr 2020 die Entscheidung treffen, ob und wenn ja mit wem man in eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2032 gehen wird. „Wir haben keinen Handlungsdruck, das adhoc zu entscheiden. Es sind noch viele Faktoren zu klären, aber wir werden 2020 eine Entscheidung treffen, das halte ich für realistisch“, sagte Rücker deutlicher als je zuvor.

Sie machte aber auch deutlich, dass es offene Fragen gibt: „Bewerben wir uns für Sommer- oder Winterspiele? Wer geht dann überhaupt ins Rennen? Möglicherweise werfen auch Nord- und Südkorea gemeinsam eine Bewerbung ins Rennen. Es gibt also viele Einflussfaktoren“, sagte Rücker und gestand ein, dass Sportbund-NRW-Chef Schneeloch mit seiner Haltung richtig liege. „Wenn wir uns mit einer Region bewerben wollen, dann muss man das auch entsprechend vorbereiten und zusehen, dass man vorher Großveranstaltungen bekommt. Umso weiter wir das hinauszögern, desto schwieriger ist das für die Region.“ Auf die bisherigen Vorbereitungen in NRW angesprochen, griff Rücker indes auf ein griffiges Zitat aus dem Archiv zurück: „Jede Initiative in Deutschland, die den olympischen Sport nach vorne bringt, ist von uns herzlich willkommen.“

Dass Deutschland mit einer Regionsbewerbung „gute Chancen“ hätte, davon ist Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste überzeugt. „Der DOSB hätte damit beim IOC einen echten Trumpf in der Hand“, sagte Fürste gestern auf dem Kongress in Düsseldorf und warb damit, das Thema „sehr viel mehr über Emotionen zu steuern, als es bei der gescheiterten Hamburg-Bewerbung der Fall gewesen ist“. Unterstützung bekam er vom Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel, der die Region als „sportbegeistert“ kennzeichnete und versprach: „Mir ist nicht bange vor diesem Projekt. Wir sehen uns als ein Spieler von vielen Spielern, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Und wer selbst begeistert ist, der wird auch andere begeistern können.“

Gegen eine Volksbefragung zum Thema Olympiabewerbung sprachen sich gestern sowohl Schneeloch als auch Fürste aus. „Man muss sich schon fragen, ob an der Urne zuletzt die Richtigen gefragt wurden“, sagte Schneeloch. Fürste gestand ein, mit einer „basisdemokratischen Abstimmung in dieser Frage ein Problem“ zu haben. Und Geisel konstatierte, dass Fragen wie „die Glaubwürdigkeit des IOC“ dabei eine Rolle spielten und andere kurzfristige Umstände wie zum Beispiel ein zeitgleicher „Terroranschlag“ die Entscheidung in Hamburg beeinflusst hätten.

Dass man die öffentliche Diskussion in NRW aber künftig mit guten Argumenten führen wird müssen, ist allerdings allen Beteiligten klar. „Wir müssen dann aber die Kosten für Sportstätten klar trennen von denen, mit der eine neue Verkehrsinfrastruktur aufgebaut werden muss, von der die Menschen über Olympia hinaus profitieren“, sagte Walter Schneeloch.

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