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Nationalteam: Die immer smarte Reizfigur

Nationalteam: Die immer smarte Reizfigur

Oliver Bierhoff war mal Schwiegermutters Liebling. Jetzt ist er Manager der DFB-Elf – und macht sich reichlich unbeliebt.

Düsseldorf. Joachim Löw haderte noch ein wenig. Dann stoppte er, schaute zurück auf das Spielfeld und trabte hernach - vom Schiedsrichter gerade aus dem Innenraum verbannt - gen Tribüne im Wiener Ernst-Happel-Stadion.

Von den Rängen war ihm Oliver Bierhoff entgegen geeilt. Der DFB-Teammanager stand jetzt am Rand des Innenraums, breitete sein Arm zum Empfang aus und setzte sein bestes "Ich bin auch entsetzt, aber es bringt doch nichts, Jogi"-Gesicht auf. Und dann stieg Bierhoff mit seinem Trainer hinauf zur Bundeskanzlerin.

Man fragt sich ja manchmal, wofür es Oliver Bierhoff bei der Nationalmannschaft eigentlich gibt. Für das Training sind Joachim Löw, Hansi Flick und Andreas Köpke zuständig, für die Medienarbeit Harald Stenger und Uli Voigt. Den DFB vertritt Direktor Wolfgang Niersbach, Präsident ist Theo Zwanziger. Und Bierhoff? Bierhoff ist Teammanager einer Nationalmannschaft. Und das hört sich in Zeiten, in denen sich mancher als Nationaltrainer verdingt, um einen ruhigen Lebensabend zu genießen, nicht nach harter Arbeit an.

Bierhoff solle, hat Löw einmal gesagt, die Entscheidungen der Trainer nach außen tragen. Das war nicht böse gemeint, auch wenn er wissen musste, dass er da eine eher biedere Arbeitsplatzbeschreibung losgelassen hatte. Und eigentlich schert sich Bierhoff ohnehin nicht darum, wie andere seine Aufgaben definieren. Das übernimmt er selbst. Er hat es immer schon so gemacht.

Als Spieler ist er nach Österreich gegangen, als ihn in der Bundesliga niemand mehr haben wollte. Der Stürmer hat sich dort nach vorn geschossen, und in Italien weiter gemacht, wo er in einer Saison im Land des Catenaccios sage und schreibe 30-mal traf. Das vergisst man gerne einmal, weil sich die Inhalte der Diskussion über Bierhoff grundlegend verändert haben, seitdem er für den DFB arbeitet.

Früher war Bierhoff der etwas hüftsteife Sohn eines ehemaligen RWE-Vorstands, der erst im Herbst seiner Karriere bis zum Torjäger der Nationalmannschaft durchstartete. Unter den Fußballern galt er als Einzelgänger. Gewandelt hat sich das Bild von Schwiegermutters Liebling am Ende seiner Karriere, als er sich ziemlich wahllos an die Werbeindustrie verkaufte.

Shampoo, Pudding, Investment-Fond, Bierhoff taugte irgendwie für alles. Hierzulande tun sich die Leute schwer mit jemandem, der sein Geld im Vorbeigehen einstreicht. Und seinen Hang zum Eigenmarketing ist der 40-Jährige bis heute nicht wieder los geworden.

Es ist die Kombination aus eben diesem Umstand und der Eigendefinition seiner Rolle als DFB-Teammanager, die Bierhoff derzeit mehr Feinde einträgt, als man es für möglich gehalten hätte. Bierhoff - inspiriert vom ehemaligen Teamchef Jürgen Klinsmann - hat sich die innovative Schiene des Fußballs zu eigen gemacht.

Der "Spiegel" schrieb, Bierhoff stehe für "Spielanalysen am Computer, für Fitnessgeräte zum Trainieren der Atemmuskulatur, fürs Screening von Sprintdistanzen und Ballbesitzzeiten". Er hat das gefeierte Klinsmann-System fortgeführt und auf der organisatorischen Ebene verfeinert. Und jetzt wird es ihm um die Ohren geschlagen, weil Bierhoff alle Inhalte auf seine Missionsreise durch die deutsche Liga mitgenommen hat. Jetzt ist es nur noch Besserwisserei.

"Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta", hat Rudi Völler gehöhnt, was komisch klingt aber natürlich Unsinn ist. Aber die Art und Weise, wie der Anzugträger Bierhoff die Trainer und Manager der deutschen Liga mit seinen Forderungen malträtiert, geht fast allen auf die Nerven. "Den Klub der Philosophen", hat Frankfurts Manager Heribert Bruchhagen Bierhoff und Kollegen genannt, Uli Hoeneß sagte, Bierhoff solle aufhören "mit seinen Schlaumeiereien".

Und jetzt sitzt der Manager in Ascona bei der EM und muss sich permanent dafür rechtfertigen, dass das DFB-Quartier so fern der Spielorte liegt und der Reisestress doch kontraproduktiv sei. Bierhoff lächelt das weg, ohne pampig zu werden.

Er tauge nicht als Volkes Olli, hat er einmal gesagt, weil er weiß, dass er sich mit der Auslegung seines Jobs nicht nur Freunde machen kann. Aber im inneren DFB-Zirkel fühlt er sich wohl. Dort, wo man ihn versteht. Wo ihn niemand angreift. Und wo man sich auch mal gegenseitig auf die Tribüne hilft.