Nationalmannschaft: Marco Sturm — der neue starke Mann im deutschen Eishockey

Nationalmannschaft: Marco Sturm — der neue starke Mann im deutschen Eishockey

Der 37-jährige Ex-Star aus der NHL setzt als Bundestrainer und General Manager des DEB auf die Jugend — und auf noch viel mehr.

Düsseldorf. Was Mitte der 1990er-Jahre im bayrischen Landshut begann, endete 2013 nach 1006 Spielen in der nordamerikanischen Top-Liga NHL und einem finalen Intermezzo in der Deutschen Eishockey Liga bei den Kölner Haien — die aktive Karriere des Marco Sturm. Jetzt soll der 37-Jährige den Deutschen Eishockey-Bund in seiner Doppelfunktion als Nationaltrainer und General Manager aus der Krise führen.

Sturm galt während seiner Zeit in der NHL vor allem bei den San Jose Sharks und Boston Bruins als tragende Säule. Sein Ansehen beim DEB, wo er nach vier Weltmeisterschaften ohne Viertelfinal-Teilnahme und dem Verpassen der Olympischen Spiele 2014 für frischen Wind sorgen soll, ist groß.

„Über die Vergangenheit möchte ich eigentlich weniger reden“, sagt Sturm, als er am vergangenen Sonntag in Düsseldorf Gast des rheinischen Derbys zwischen der DEG und den Krefeld Pinguinen ist.

„Bei der WM in Prag in diesem Jahr gab es so viele Absagen wie noch nie. Für mich geht es darum, den Spaß zurückzubringen. Jeder muss wieder stolz sein, den Adler auf der Brust zu tragen“, sagt der gebürtige Dingolfinger. Dass er einige der Spieler noch gut aus seiner aktiven Zeit kennt, sieht Sturm als Vorteil.

Neben Spaß und Stolz, Teil des DEB-Teams zu sein, hält der neue Bundestrainer etwas anderes für essentiell: „Reden! Ich werde viel Kontakt zu den Spielern suchen. Kurzfristig können wir sicherlich nicht viel verändern. Aber der DEB und die DEL sind auf dem richtigen Weg.“ Zudem sei ein neuer Mann hinter der Bande immer ein Signal an alle deutschen Spieler, dass sie eine Chance haben, bald zum Team gehören zu können.

Obwohl Sturms Lebensmittelpunkt auch künftig in den USA sein wird, ist sich der Mann, der einst Erstrunden-Draftpick der San Jose Sharks war, sicher, dass dieser Aspekt keinen Einfluss auf den Erfolg seiner Arbeit haben wird: „Auch zuhause habe ich mithilfe der DEL die Möglichkeit, Spieler aus Deutschland zu sehen.

Zudem gibt es beim Verband mehrere Scouts, die Spieler vor Ort beobachten können. In der heutigen Zeit ist das kein Problem.“ Eine Wohnort-Diskussion wie 2006 beim Deutschen Fußball-Bund um Jürgen Klinsmann, der den Strand in Huntington Beach bevorzugte, scheint es vorerst nicht zu geben.

Wo Sturm beim DEB in den nächsten Monaten den Hebel ansetzen wird, bleibt noch offen. Eine Reduzierung der Ausländer-Kontingente in der DEL hält der Neu-Bundestrainer nicht für nötig. „Das ist aktuell kein Thema. Wir haben viele gute Nachwuchsspieler. Die gilt es zu fördern“, sagt Sturm. In der Breite sei auf Profiniveau in Deutschland noch Nachholbedarf, aber die U 20-Weltmeisterschaft im Sommer habe zuletzt gezeigt, dass Potenzial vorhanden ist. Davon machte sich Sturm beim Turnier in der Schweiz selbst ein Bild.

Bei der Suche nach einem Co-Trainer für die Nationalmannschaft scheint sich Sturm auf einen Kandidaten festgelegt zu haben. Christof Kreutzer, Trainer bei der Düsseldorfer EG, soll den Neuanfang im deutschen Eishockey mit unterstützen.

„Wir kennen uns schon lange. Wenn ich ihn anrufe, ist er da“, sagt Sturm in Düsseldorf. Ohne die Dinge schon festgegossen zu haben. Doch eine andere Aussage deutet darauf hin, dass Kreutzer Wunschkandidat ist: „Wenn man so einen hat, sollten wir ihn auch einbauen.“

Das Ziel des viermaligen Olympia-Teilnehmers Sturm ist klar: Als Trainer möchte er die deutsche Auswahl zum Turnier 2018 im südkoreanischen Pyeongchang führen. Der Weg durch die Qualifikation dürfte jedoch kein leichter werden.

Die ersten Länderspiele unter seiner Leitung steigen vom 6. bis 8. November, wenn das Turnier um den Deutschland-Cup in Augsburg ausgetragen wird. „Wir haben viel Arbeit vor uns“, sagt Sturm. Aber der neue starke Mann beim DEB vermittelt den Eindruck, dass diesen Weg konsequent beschreiten will — für das deutsche Eishockey.

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