Magaths heikle Mission

Magaths heikle Mission

Der Trainer des FC Schalke04 beginnt die Saison optimistisch, aber wenig euphorisch.

Gelsenkirchen. Aus den Gesichtern der Jugendlichen sprach die Enttäuschung. Kein Training unter Felix Magath? Kann es sein, dass der Trainer des FC Schalke 04, der seinem Spitznamen "Quälix" in den vergangenen vier Wochen wieder alle Ehre gemacht hatte und seine Spieler sehr intensiv beanspruchte, eine Einheit ausfallen lässt? Die Antwort lautet: Nein.

Die Anhänger, die die letzte Trainingseinheit vor der ersten Bundesligapartie der Schalker in Nürnberg beobachten wollten, mussten jedenfalls wieder enttäuscht abziehen. Denn der für seine Spontanität bekannte Felix Magath hatte kurzfristig entschieden, einen Tag früher ins Frankenland zu reisen.

Am Samstagmorgen wird das Training irgendwo auf einem Nürnberger Fußballplatz nachgeholt. Neben einer längeren und damit wohl auch konzentrierteren Vorbereitung dürfte Felix Magath mit dieser plötzlichen Terminveränderung vor allem eine ständige Spannung in der Mannschaft erhalten wollen. Dies scheint auch vonnöten, denn der 56-Jährige weiß nur zu gut, welchen schwierigen Drahtseilakt er mit seinem neuen Club zu bewältigen hat.

Auf der einen Seite sind die Erwartungen des Umfelds an den Meistermacher Magath enorm. Zum anderen verfügt er aber über ein Team, das er in der Vorbereitungszeit häufig hart kritisierte und von dem er sagt, dass "für eine Spitzenmannschaft die Struktur nicht da ist." In diesem selbstgewählten Dilemma versucht Magath gerade seine ersten Pfade entstehen zu lassen. Beginnend mit den hohen konditionellen Anforderungen an seine Spieler. Gefolgt von der offensiven Denk- und Spielweise, "die ich der Mannschaft übergestülpt habe." Die Monotonie und Einfallslosigkeit des Schalker Spiels soll durch einen Sinneswandel vollständig verändert werden. Die finanziellen Möglichkeiten, die bestehenden Defizite mit dem Handeln auf dem Transfermarkt zu beseitigen, sind derzeit nicht realisierbar.

"Wir werden einen schweren Start haben und uns im Laufe der Saison steigern", sagt Magath. Er bittet um Zeit und weiß doch, dass auch er an Ergebnissen gemessen werden wird. Vielleicht fällt die Beurteilung der Öffentlichkeit ob der vermeintlich misslichen Ausgangslage anfänglich ein wenig milder aus. Letztlich steht aber auch Felix Magath unter Erfolgsdruck. Und um diesen bereits im Vorfeld abzufedern, erteilt er dem Herzenswunsch der Schalker, den Gewinn der Meisterschaft, eine Absage. "In den nächsten zwei Jahren brauchen wir nicht über den Titel zu sprechen", sagt Magath.

Seine Betrachtungsweise sei optimistisch aber "weniger euphorisch und ernüchternder, als es in den vergangenen Jahren hier üblich war", sagt Magath. "Wenn alles optimal läuft, können wir einen Platz unter den ersten fünf Mannschaften belegen."

Wichtiger sei es für ihn aber, die mit einigen jungen Talenten gespickte Mannschaft zu entwickeln. "Konditionell sind die Spieler gut vorbereitet. Deshalb erwarte ich, dass wir uns erst einmal kämpferisch in Szene setzen werden", sagt Magath. Der erste von einigen Pfaden ist damit beschritten.

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