Wuppertaler SV erzwingt in Aachen das Glück

Fußball-Regionalliga : WSV erzwingt in Aachen das Glück

2:1 bei Alemannia beendet eine 112 Tage währende Sieglosserie. Taktik und Einsatz stimmen.

Wenn am Aachener Tivoli das Lehnchen-Lied durch die Arena hallt, muss etwas Besonderes passiert sein. Als solches darf man den 2:1-Erfolg der Regionalliga-Fußballer des Wuppertaler SV über die heimische Alemannia, für die die WSV-Spieler nachher von gut 100 mitgereisten Fans gefeiert wurden, sicher bezeichnen. Ausgerechnet bei der gestandenen Mannschaft von Alemannen-Trainer Fuat Kilic, die man schon zum Saisonauftakt und in der Rückrunde der vergangenen Saison in Aachen hatte bezwingen können, endete die zuvor 112 Tage und 15 Spiele währende Sieglosserie in der Liga. Der Lohn: Nach sieben Spieltagen verlässt man vorerst wieder die Abstiegsränge.

Wie verdient der Wuppertaler Erfolg war, darüber gingen die Ansichten der Trainer anschließend auseinander. „Gerade wenn man unseren Einsatz sieht, kann man glaube ich alles in allem von einem nicht unverdienten Sieg sprechen kann“, sagte WSV-Coach Alexander Voigt, der bei der Pressekonferenz am Mikrofon erst einmal hörbar durchatmete. „Da bin ich ganz anderer Meinung“, erwiderte Fuat Kilic und erinnerte dabei an seine Haltung nach den vorherigen Niederlagen gegen den WSV. „Torchancen, Ecken, Ballbesitz, es gab nichts, was für den WSV sprach“, sagte Kilic und ergänzte: „Ich möchte nicht wissen wo Wuppertal ohne die sechs Punkte gegen uns jetzt stehen würde. Da haben wir ihnen einen kleinen Gefallen getan. Das ärgert mich brutal.“

WSV Logo aktuell. Foto: wsv

Fakt war, dass die Körpersprache des WSV von Beginn an stimmte, die Lücken im Mittelfeld, die die Mannschaft etwa beim jüngsten 0:3 gegen Düsseldorf so konteranfällig gemacht hatten, viel besser geschlossen wurden. Bis auf eine Vielzahl von Ecken ließ man in der ersten Hälfte gegen Aachen wenig zu, versuchte immer wieder auch nach vorne umzuschalten und ging ein wenig überraschend nach einer halben Stunde in Führung. Daniel Grebe hatte einen langen Ball in die Spitze gespielt. „Wir hatten vorher Blickkontakt, das war schon gewollt“, meinte Torschütze Beyhan Ametov nachher. Er hatte auch davon profitiert, dass Mittelstürmer Gianluca Marzullo den Ball durchließ und die beiden Aachener Innenverteidiger nicht konsequent genug hingingen. Attribute, die man in den vergangenen Partien eher dem WSV zugesprochen hatte. Doch diesmal wurde geackert. Exemplarisch im Mittelfeld Joey Müller, der keinen Zweikampf verloren gab und so fast alle gewann. Diese Entschlossenheit brachte auch Mike Osenberg mit, der auf der ungewohnten Rechtsaußenposition erstmals beginnen durfte, offensiv zwar etwas überhastet wirkte, aber auch kräftig mit nach hinten arbeitete. Wegen einer Gelben Karte nahm ihn Voigt zur zweiten Halbzeit raus und brachte Silvio Pagano, was sich als Glücksgriff erwies. Nicht nur dass der Routinier zusammen mit Außenverteidiger Noah Salau nun über Rechts mehrere vielversprechende Angriffe lief, er war auch für den 2:1-Siegtreffer verantwortlich, als er eine Eckball-Hereingabe in Pistolero-Haltung volley nahm und der Schuss etwas glücklich ins Aachener Tor abgefälscht wurde.

Zuvor hatte der WSV nach dem Aachener Ausgleich nach 53 Minuten eine schwere Phase zu überstehen gehabt, war ins Schwimmen geraten und hatte mehrfach Glück - etwa als Kevin Pytlik auf der Linie rettete. Doch Glück muss man sich erarbeiten, heißt es so oft im Fußball, und das tat der WSV an diesem Tag. Das war es dann auch, was Voigt mit „nicht unverdientem Sieg“ meinte und was die WSV-Anhänger so lautstark feierten.