DEG: Nach schwerer Verletzung ist Leon Niederberger wieder auf dem Eis

Eishockey-Interview : „Alles war auf Null gestellt und der Horror begann"

Nach einer schweren Verletzung steht Leon Niederberger wieder auf dem Eis. Es ist komplett wieder gesund geschrieben. Wird es aber seine letzte Saison im Trikot der Düsseldorfer EG?

Den 23. Januar dieses Jahres behält Leon Niederberger im Gedächtnis. Damals erlitt der Stürmer der Düsseldorfer EG im Heimspiel gegen die Nürnberg Ice Tigers (1:3) eine schwere Schulter-Verletzung. Nach vier Monaten Leidenszeit aber schaut der 23-Jährige nun wieder optimistisch in die Zukunft.

Herr Niederberger, wie geht es Ihnen?

Leon Niederberger: Danke, blendend. Wir sind ja schon im Sommer-Training, und die Schulter hält. Ich bin komplett gesund geschrieben. Damit darf ich auch die Einheiten auf dem Eis mitmachen, welche wir derzeit jeden Freitag in Köln abhalten.

Leon Niederberger durfte das Jackett des wertvollsten Spielers bei der DEG tragen. Foto: ja/Birgit Häfner

Haben Sie noch vor Augen, wie es zu der schweren Verletzung kam?

Niederberger: Das werde ich mit Sicherheit nie vergessen. Es war im zweiten Drittel ein Zweikampf in der neutralen Zone. Ich wollte den Puck mit ausgestrecktem Arm erobern, dabei ist ein Nürnberger Akteur gegen meine Schulter gefahren. Das war noch nicht mal eine harte Aktion von ihm, für den muskulären Bereich meiner Schulter aber offenbar eine unkoordinierte Überbelastung.

Mit langwierigen Folgen...

Niederberger: Ja, aber zunächst war das überhaupt nicht abzusehen. Die Schulter wurde unter Narkose wieder eingerenkt und wir hatten die Hoffnung, dass keine Bänder beschädigt seien. Das war leider nicht der Fall, und so musste ich an meinem Geburtstag am 31. Januar operiert werden. Danach war quasi alles auf Null gestellt und der Horror begann. Sechs Wochen musste ich eine Schlinge tragen, auch nachts beim Schlafen. Selbst mit dem Arm locker pendeln, ging nicht, die Schmerzen waren einfach zu groß. Zum Glück war ich bei unserem Reha-Partner sehr gut aufgehoben. Hier gilt mein besonderer Dank Meike, die mich bei den Aufbau-Übungen die komplette Zeit über begleitet hat.

Ist es Zufall, dass mit ihrem Ausfall bei der DEG der Abwärtstrend eingesetzt hat?

Niederberger: Ich war gut drauf und hätte der Mannschaft sicher helfen können. Aber wir bekamen zu der Zeit ja generell Probleme mit Verletzungen. Wie viele meiner Mitspieler habe auch ich dann bestimmt gefehlt, und wir sind in diese Abwärtsspirale geraten.

Frage: Mit dem Viertelfinale ist das Saison-Ziel aber dennoch erreicht worden...

Niederberger: Trotzdem ziehe ich ein gemischtes Fazit. Einerseits stimmt es, dass das Ziel des Vereins erreicht wurde – andererseits schien nach dem starken Start aber auch mehr möglich zu sein. Im Dezember hatten wir jedenfallls gedacht, es sei richtig viel drin.

Nun sind Sie wieder mittendrin, müssen sich aber an sehr viele neue Gesichter gewöhnen. Hatten Sie mit einem derart gewaltigen Kader-Umbau gerechnet?

Niederberger: Nein, das es so viele Ab- und Zugänge geben würde, kam schon überraschend. Das Karrierende von Picard war klar – aber das auch Ridderwall, Pimm und Marshall ihre Schlittschuhe an den Nagel hängen, ist wie ein Blitz aus heiterem Himmel gewesen. Henrion hatte ebenso noch einen Vertrag, dazu muss die neue U 23-Regelung beachtet werden.

Anders als Strodel, Laub und Kretschmann hatten Sie bei dieser neuen Regel nichts zu befürchten...

Niederberger: Was aber nichts mit der Verletzung zu tun hat. Bereits im Dezember hatte mir die DEG einen neuen Vertrag bis 2020 angeboten. Niki Mondt attestiert mir eine Weiterentwicklung und gute Leistungen. Dass ich dann erst im Januar unterschrieben habe, lag an anderen Anfragen. Zwar liebe ich Düsseldorf - aber wenn sich Schwergewichte der Liga für einen interessieren, dann sollte man sich das schon anhören.

Warum haben Sie sich dann doch für die DEG entschieden?

Niederberger: 2018/19 war meine erste komplette Saison in der DEL. Unter Harold Kreis habe ich den Sprung von der vierten in die dritte Reihe geschafft und gelernt, mit jedem Mitspieler zusammen zu agieren. Dazu werde ich in Über- wie Unterzahl eingesetzt. Doch ich bin noch immer jung und muss mich weiter verbessern.

Gilt das auch für ihr Gesangs-Talent oder ist der Auftritt im ZDF-Fernsehgarten lediglich eine einmalige Sache gewesen?

Niederberger: Meinen Song dort vor einem großen Publikum live präsentieren zu können, war schon toll und sicher nicht normal. Aber es soll tatsächlich nur der Anfang sein. Ich werde auch weiterhin Pop-Songs für die Hitparaden schreiben, aufnehmen und singen. Dafür nehme ich mir zwei Stunden am Tag Zeit, das ist ein super Ausgleich zum Eishockey.

Mehr von Westdeutsche Zeitung