Leverkusen im Tiefschlaf-Modus

Leverkusen im Tiefschlaf-Modus

Nach gutem Beginn nimmt sich die Werkself nach der Pause eine Auszeit — und verliert.

Mönchengladbach. Für Ramazan Özcan war es ein Déjà-vu. Vor nicht allzu langer Zeit hat er alles schon einmal erlebt und das, obwohl der Torwart bei Bayer Leverkusen nur Ersatz für den Stammkeeper ist. In dieser Funktion vertrat er am 21. April Bernd Leno und hielt bei Borussia Dortmund einen Strafstoß von Marco Reus. Am Samstag nun stand Özcan für den wegen einer Kiefer-Operation fehlenden Lukas Hradecky zwischen den Pfosten und parierte in der 38. Minute bei Borussia Mönchengladbach einen Handelfmeter von Thorgan Hazard.

So weit, so gut. Allerdings gingen Özcan und Bayer Leverkusen in beiden Fällen dennoch als Verlierer vom Platz. In Dortmund mit 0:4, in Mönchengladbach mit 0:2. „Von daher ist meine Leistung unwichtig. Wir haben hier heute eine ziemlich unnötige Niederlage kassiert. Wir hatten zu Beginn richtig gute Chancen, und ich habe gehofft, dass mein gehaltener Elfmeter einen weiteren Motivationsschub bewirken könnte“, sagte Özcan.

Doch das Gegenteil war der Fall. Hatte der Österreicher in der ersten Hälfte die drei vergebenen Hochkaräter von Alario (9.), Bailey (17.) und Volland (33.) noch aus der Ferne beobachten können, so verlagerte sich das Geschehen nach der Pause schnell in seine Nähe. Im Gefühl eines ordentlichen Auftritts ließ die Werkself die Zügel schleifen. „Ich habe keine Erklärung für das, was da passiert ist. Wir waren plötzlich schläfrig und unkonzentriert. Das fing ja gleich schon mit meiner unnötigen Gelben Karte an“, sagte Mittelfeldspieler Dominik Kohr.

Leverkusen arbeitete eine Viertelstunde lang weniger intensiv, verlor dadurch den Zugriff und nach individuellen Fehlern von Wendell, Dragovic sowie Henrichs — der wohl zum AS Monaco wechseln wird — binnen vier Minuten das Spiel. „Wir haben uns dann zwar wieder gefangen, aber wegen dieser 15 Minuten war die Niederlage verdient“, meinte der sportliche Geschäftsführer Rudi Völler. Trainer Heiko Herrlich sagte: „Gegen einen starken Gegner kannst du so einfach nichts mitnehmen.“

Es war ein Rückschlag für die Hoffnung, in dieser Saison einen Schritt weiter zu sein. Zumindest am Samstag ließ die Chancenverwertung erneut zu wünschen übrig und konnte die Konzentration nicht über 90 Minuten hoch gehalten werden. Allerdings kann man in Mönchengladbach durchaus verlieren, und weil dies am ersten Spieltag passiert ist, lassen die Erkenntnisse aus dem 0:2 auch noch keinen finalen Rückschluss auf die gesamte Saison zu.

Zumal für eine seriöse Einordnung berücksichtigt werden muss, dass mit den Bender-Zwillingen sowie Baumgartlinger und Aranguiz vier Spieler fehlten, auf deren Erfahrungsschatz in puncto Cleverness und Gleichgewicht im Spiel nicht verzichtet werden kann. In dieser Hinsicht muss seit Samstag jedoch die Erkenntnis reifen, auf dem Transfermarkt noch einmal tätig zu werden. Baumgartlinger fehlt mit einem Innenbandriss zwei Monate lang, Aranguiz konnte wegen Knie-Problemen die gesamte Vorbereitung kaum trainieren und Lars Bender ist öfter mal angeschlagen. Weil alle auf der Sechser-Position spielen, besteht hier Handlungsbedarf. Damit es lediglich für Ramazan Özcan beim bösen Déjà-vu bleibt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung