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DOSB-Generalsekretär Vesper: „Olympia kann Japan Hoffnung geben“

DOSB-Generalsekretär Vesper: „Olympia kann Japan Hoffnung geben“

Der DOSB-Generalsekretär über die Chancen Tokios bei der heutigen Wahl des Austragungsorts der Spiele 2020.

Düsseldorf. Tokio, Madrid oder Istanbul? Heute entscheidet das IOC über den Standort der Olympischen Spiele 2020. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), welchen Einfluss die Lage in Fukushima hat, warum DOSB-Chef Thomas Bach IOC-Präsident wird und was er von Wladimir Putin hält.

Herr Vesper, welche Stadt ist Ihr Favorit für Olympia 2020?

Michael Vesper: Ehrlich, ich habe keinen. Alle werben mit Leidenschaft und sehr guten Konzepten. Vielleicht lag Tokio wegen der Kompaktheit der Anlagen bislang hauchdünn vorn, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck. Es scheint ein sehr enges Rennen zu werden, weshalb die abschließende Präsentation entscheidend sein könnte.

Wird die Lage am Atomreaktor in Fukushima das IOC beeinflussen?

Vesper: Die fürchterliche Katastrophe hat niemand vergessen. Natürlich muss das Gastgeberland garantieren, dass weder die Athleten noch das Publikum einer Gefahr ausgesetzt werden. Tokios Bewerbung ist gewiss auch dadurch motiviert, Japan und seinen Menschen durch ein positives Gemeinschaftsprojekt wieder etwas Hoffnung zu geben. Abgesehen davon hat jede Bewerberstadt Herausforderungen zu meistern, deshalb ist das Rennen ja auch so eng.

Aber das Krisenmanagement der japanischen Regierung muss Sie doch entsetzen — nicht zuletzt als Grüner.

Vesper: Ja, das tut es auch. Aber dafür darf man nicht die Menschen bestrafen. Olympia ist ein Weltereignis, das die Katastrophe nicht ungeschehen machen, aber zur Verarbeitung und Bewältigung vielleicht einen kleinen Beitrag leisten kann.

Fukushima erhöht die Chancen Tokios?

Vesper: Nein. Als sich New York nach dem 11. September um die Spiele beworben hat, ist es auch nicht ausgewählt worden. Die Mitglieder entscheiden nach einem Bündel von Kriterien.

Bei der Wahl zum neuen IOC-Präsidenten am Dienstag gilt DOSB-Chef Thomas Bach als Favorit. Was zeichnet ihn aus?

Vesper: Thomas Bach hat Olympia in seiner DNA. Er war selbst erfolgreicher Fechter, ist Olympiasieger. Dazu verfügt er über ein Höchstmaß an sportpolitischer Erfahrung. Im IOC erfährt er durch seine langjährige Tätigkeit große Anerkennung. Bach war es, der 1981 maßgeblich für die Gründung der Athletenkommission gesorgt hat, die die Interessen der Sportler vertritt. Außerdem hat er bereits seit dieser Zeit den Anti-Dopingkampf im IOC durch Null-Toleranz-Politik vorangetrieben.

Bachs Kritiker sehen das anders. Selbst die Ethikkommission des IOC nimmt ihn offenbar ins Visier.

Vesper: Wie kommen Sie darauf? Die IOC-Ethikkommission befasst sich nicht mit Thomas Bach, denn er hat sich strikt an die Regeln gehalten. Die Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Ebenso ist es absurd, wenn man ihm vorwirft, die Aufklärung der Dopingvergangenheit in Westdeutschland zu behindern. Denn er war es ja, der die jetzt diskutierte Studie überhaupt erst angeregt hat.

Ein Thema sind auch die russischen Homosexuellen-Gesetze. Vertrauen Sie Russlands Präsident Putin, dass man sich bei den Winterspielen in Sotschi 2014 an die olympischen Prinzipien halten wird?

Vesper: Wir sind froh, dass sich Putin gegenüber dem IOC bewegt hat. Ich erwarte von ihm, dass seine Garantien und Zusicherungen gelten. Klar muss sein: Die Grundsätze der Olympischen Charta müssen auch in Russland beachtet werden. Das heißt, niemand darf bei den Spielen und in deren Umfeld wegen seiner sexuellen Orientierung benachteiligt werden.