Länderspiel: Viel Talent, aber keine Tore

Länderspiel: Viel Talent, aber keine Tore

Dem ansonsten spiel- und offensivfreudigen DFB-Team gelingt nur ein 0:0 in Schweden.

Göteborg. Eine Prise Mainz, ein kräftiger Schuss Dortmund, Talente, die sich beweisen wollen, dazu einige WM-Veteranen - es hätte ein schöner Abend werden können mit dieser neu formierten, stets jünger anmutenden Nationalmannschaft. Wurde es aber nicht.

Das 0:0 in Schweden war ein ausgesprochener Langweiler im eisigen November von Göteborg. Das ob der enormen Eintrittspreise mit 21.959 Zuschauern nicht einmal zur Hälfte besetzte Nya-Ullevi-Stadion erinnerte bei minus fünf Grad an einen schlecht gefüllten Kühlschrank, an dem auch die Akteure auf dem geplagten Rasen keinen Spaß hatten - vor einer Woche musste das Grün noch eine Show von gigantischen Monster-Trucks überstehen. Vielleicht aber war jene Veranstaltung aufregender als der vermeintliche Länderspiel-Klassiker.

Schweden mühte sich ohne den geschonten Star Zlatan Ibrahimovic kämpferisch, Deutschland versuchte, sich Löws Gesetzen gemäß durch das Mittelfeld zu kombinieren. Was zumeist in der gefährlichen Zone scheiterte, weil das offensive Mittelfeld oft übermotiviert wirkte.

Löw hatte die Offensive runderneuert, da wuselte Marko Marin statt des verletzten Lukas Podolski auf links, der Mainzer Lewis Holtby für den geschonten Mesut Özil in der Mitte, rechts flankiert vom Dortmunder Kevin Großkreutz - und nicht von Thomas Müller. Allein ein Fernschuss von Linksverteidiger Marcel Schmelzer nötigte dem schwedischen Torwart Andreas Isaksson eine Parade ab.

Schweden hingegen war spielerisch schlechter, aber gefährlicher: Pontus Wernbloom von AZ Alkmaar zielte über das Tor, Ola Toivonen vom PSV Eindhoven trat über den Ball, der ihm einschussbereit bereit lag. So blieb Rene Adler in seinem ersten Länderspieleinsatz seit dem 0:1 in Argentinien im März dieses Jahres beschäftigungslos - damals hatte das letzte Mal Michael Ballack der Elf vorgestanden.

Nach einer Stunde holte Löw auch den neuen Anführer vom Feld. Bastian Schweinsteiger ging. Dass nun Heiko Westermann die Kapitänsbinde übernahm, darf als Symbol einer Mannschaft gelten, die ein reines Experiment war. Und so spielte sie auch nach der Pause. Die beste Chance vergab der eingewechselte Toni Kroos mit einem Distanzschuss. Man wird es ihm nachsehen. Schon heute wird dieses letzte Länderspiel des Jahres vergessen sein.

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