Interview: „Familien können ohne Angst in Stadien gehen“

Interview: „Familien können ohne Angst in Stadien gehen“

Die Bundesliga ist beste Unterhaltung für DFL-Geschäftsführer Tom Bender. Er ist überzeugt: Es bleibt bei fünf Anstoßzeiten.

Düsseldorf. Früher war Tom Bender selbst Fernsehmann bei Premiere, inzwischen ist er seit 2001 bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) und in Frankfurt seit 2005 als Geschäftsführer für Kommunikation und Marketing zuständig. Der 44 Jahre alte Düsseldorfer ist eingefleischter Fortuna-Fan. Die Bundesliga ist für ihn ein Erfolgsmodell. Trotz Krisensymptomen und Weltwirtschaftskrise.

Tom Bender: 99 Prozent Markenbekanntheit, mehr als 32 Millionen Fußball-Fans in Deutschland, wirtschaftlich geht es dem Profi-Fußball gut, auch wenn einige Wolken aufgezogen sind - nicht nur mit Blick auf die weltweite Finanzkrise.

Die Situation der Bundesliga ist durch den massiven Eingriff des Bundeskartellamtes in die Rechtevergabe nicht einfacher geworden. Trotz aller Probleme sind wir aber mit der aktuellen Fernseh-Situation zufrieden: Der bewährte Mix zwischen Free- und Pay-TV ist erhalten geblieben.

Bender: Auf der einen Seite wird Spitzensport auf europäischem Top-Niveau erwartet. Auf der anderen Seite leidet die Bundesliga unter staatlicher Regulierung und hat gleichzeitig erhebliche Herausforderungen im schwierigsten Fernseh-Markt Europas zu meistern. Aus Markensicht sind fünf Anstoßzeiten in der Bundesliga sicher das äußerste der Gefühle.

Bender: Es gibt keines. Aber die Liga ist spannend und ausgeglichen. In Spanien, Italien und England wird die Meisterschaft meist nur unter zwei, drei, höchstens vier Mannschaften ausgemacht. Langweilig. In Deutschland ist das Rennen offen.

Zwei Spieltage vor Schluss konnten in der vergangenen Saison noch fünf Mannschaften Meister werden. Wir hatten in den vergangenen drei Jahren drei verschiedene Meister und drei verschiedene Pokalsieger. Da ist Spannung garantiert, das ist gut für das Produkt.

Bender: Die Bundesliga kann sich von der globalen Krise nicht abkoppeln. Das geht nicht spurlos an uns vorbei. Aber die meisten Sponsorenverträge der Clubs sind langfristig angelegt. Unser Lizenzierungssystem bezeichnet die Uefa als beispielhaft. In Deutschland ist seit 1963 kein einziger Club in der laufenden Saison in die Insolvenz gegangen.

Bender: Davon gehe ich aus. Bis auf Spanien werden alle Top-Ligen in Europa zentral vermarktet. Bei uns weiß der Zuschauer, wann er die Bundesliga auf welchem Sender verfolgen kann. Woanders ist das nicht der Fall.

Bender: Was die 50+1-Regel angeht, so wird diese am 10. November im Rahmen einer Mitgliederversammlung des Ligaverbandes Gegenstand der Diskussion sein. Hannover 96 hat dazu einen Antrag gestellt, Schalke 04 ebenfalls. Ich gehe von einer lebhaften Debatte unter den Clubs aus.

Bender: Die Angst hatte ich zuletzt Mitte der 90er Jahre. Es wird aber mittlerweile verstanden, dass Spitzensport eine solide wirtschaftliche Grundlage braucht. Die Fans gehen gern ins Stadion. In der Bundesliga kommt man nach wie vor für zehn Euro ins Stadion. Das ist weder in England noch in Spanien oder Italien möglich.

Bender: Natürlich haben wir heute auch Event-Publikum. Aber ist das schlimm? Früher haben die Leute über ein 0:0 im strömenden Regen geschimpft. Heute schimpfen sie vielleicht über das Spiel, sitzen aber bequem und erleben tolle Stimmung. Im Gegensatz zu anderen Ländern können bei uns Familien ohne Angst in die Stadien gehen. Bundesliga ist beste Familien-Unterhaltung.

Bender: Natürlich muss der Fußball das Wichtigste bleiben. Aber die Stadien bieten auch andere Attraktionen. Wir sind früher zum Anpfiff ins Stadion gekommen, heute kommen die Leute ein, zwei Stunden vorher, weil sie die Atmosphäre mögen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung