Human Rights Watch kritisiert Reformtempo in Katar

Human Rights Watch kritisiert Reformtempo in Katar

Doha (dpa) - Die Organisation Human Rights Watch hat das langsame Reformtempo Katars zur Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen bei WM-Bauten kritisiert.

„Katar hätte die Reformen schon gestern umgesetzt haben können“, sagte die Human Rights Watch-Direktorin für Nordafrika und den Nahen Osten, Sarah Leah Whitson, der Deutschen Presse-Agentur. Whitson beklagte, dass die Reformen, die der Wüstenstaat auf internationalen Druck im Mai 2014 angekündigt hatte, noch immer nicht in Gesetzesform gegossen seien. „Das sind Probleme, die von staatlicher Seite schnell gelöst werden können“, so Whitson.

Human Rights Watch stellte in Doha seinen Weltjahresbericht vor. In dem 644 Seiten starken Werk nimmt Katar nur drei Seiten ein. Dass die Präsentation dennoch in Doha stattfand, unterstreicht die Bedeutung, die Katar aufgrund seiner Bauten für die Fußball-WM 2022 für Human Rights Watch einnimmt. „Das Land kann Vorreiter sein und die WM die Rolle eines Motors für Veränderung einnehmen“, meinte Whitson.

Human Rights Watch kritisiert vor allem die schlechten Bedingungen für Arbeitsmigranten in Katar. Einige dieser Probleme gehe das Land zumindest auf dem Papier an. Die Reformschritte sehen Strafen für Arbeitgeber vor, die Pässe einbehalten. Löhne sollen in Zukunft elektronisch ausgezahlt und so besser kontrolliert werden. Auch die Ausreise soll erleichtert werden. „Für all diese Schritte hat Katar leider noch kein Zeitfenster angegeben. Das ist das Problem“, erklärte Whitson.

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