Holger Fach: „Eine Frage des Geldes“

Holger Fach: „Eine Frage des Geldes“

Holger Fach über seine Arbeit und das Leben als Trainer in Kasachstan.

Wuppertal. Holger Fach (47) ist seit gut acht Monaten beim kasachischen Hauptstadtklub FKLokomotive Astana tätig.

Holger Fach: Eines ist doch mal klar: Wenn Scolari (arbeitete in Taschkent, Anm. d. Red.) und Vogts (ist Nationaltrainer von Aserbaidschan, Anm. d. Red.) da rüber gehen, wenn Contador für einen kasachischen Rennstall Fahrrad fährt, dann weiß man: Das ist eine Frage des Geldes und aus.

Fach: Viele Leute wissen gar nicht, dass es eines der reichsten Länder der Welt ist, durch Erdöl und andere Bodenschätze. Wenn mich Freunde in Astana besuchen, dann stehen die da mit offenem Mund. Mancher Kasache würde von deutschen Städten denken: Ist ja ein nettes Dorf hier, könnte aber mal renoviert werden.

Fach: Bei dem vielen Geld könnte Kaschastan an Deutschland in drei Jahren vorbeiziehen. Aber das Land müsste mehr in Bildung investieren. Ansonsten geht es in Astana sehr westlich zu.

Fach: Wir haben den Einzug in die Finalrunde unter die sechs besten Mannschaften geschafft. Vier Mannschaften sind klar besser als wir. Mehr als Platz fünf ist wohl nicht drin. Das habe ich den Verantwortlichen auch gesagt.

Fach: Die ersten vier Mannschaften haben Zweitliganiveau. Ich habe in meiner Mannschaft einen Moldawier, der es vielleicht in der Bundesliga packen könnte.

Fach: Bei unseren Spielen haben wir zwischen 6000 und 8000 Zuschauer im Stadion. Das ist brandneu, es fasst knapp 35.000 Leute. Es hat ein Dach wie in Schalke, das man schließen und öffnen kann. Um die Leute mehr für den Fußball zu interessieren, ist der Eintritt frei.

Fach: Ich wohne in einem atemberaubenden Appartement und kann entscheiden, ob ich ins Fitnessstudio, in den Wellnessbereich oder zum Indoorgolfen gehe. Das ist alles im Gebäudekomplex enthalten. Und wenn ich meinem Fahrer sage, hol’ mich um 2.34 Uhr ab, dann holt er mich um 2.34 Uhr ab.

Fach: Das ist ein heikles Thema im Alltag und Sport. Wir sind schon zu einem Spiel angereist, wo man uns gesagt hat: Heute könnt ihr hier nicht gewinnen. Haben wir dann auch nicht. Aber das soll besser werden.

Fach: Glaube ich nicht. Wenn ich frei haben sollte, fliege ich nach Deutschland. Ich freue mich viel mehr auf ein Konzert der Toten Hosen in Astana im September. Schön, die Jungs wiederzusehen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung