Rhein Vikings-Gesellschafter verklagt Sportstadt Düsseldorf

Nach gekündigtem Vertrag : Rhein Vikings-Gesellschafter verklagt Sportstadt Düsseldorf

Weil Düsseldorf den Vertrag mit dem Handball-Zweitligisten Rhein Vikings gekündigt hat, will ein Gesellschafter sein Geld zurück. Er wirft der Stadt vor, seinen Verein fallen zu lassen, um sich dem BHC zuzuwenden.

Die „Sportstadt Düsseldorf“ hat am Dienstagnachmittag eine ausgewachsene Stellungnahme auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Da bestätigt sie das, was ohnehin jeder Interessierte wusste: Nämlich, dass sie „ihre umfangreiche inhaltliche und wirtschaftliche Unterstützung zum Jahresbeginn weitestgehend eingestellt“ hat, wie sie schreibt. Gemeint sind damit die Zuwendungen für das Handball-Projekt HC Rhein Vikings – der Kooperationsklub aus ART Düsseldorf und Neusser HV.

Dessen Start Anfang 2017 hatte die städtische Agentur, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Spitzensport der Landeshauptstadt zu fördern, maßgeblich mitinitiiert. Die Rechnung war simpel: Neuss hatte eine Mannschaft, die gerade in die zweite Bundesliga aufgestiegen war, Düsseldorf eine passende Halle, gemeinsam sollten die beiden Städte genügend Zuschauer sowie öffentliche und Sponsorengelder zusammenbekommen.

Doch nach knapp zwei Jahren haben die Düsseldorfer nun genug vom Projekt mit den Kollegen von der anderen Rheinseite. Sie kündigten den Kooperationsvertrags zum 31. Dezember 2018. „Konform mit den diesbezüglich geschlossenen Verträgen und Laufzeiten“, heißt es von der Sportstadt – ohne konkret auf den Grund einzugehen. Es heißt eher vage, dass es der „HC Rhein Vikings GmbH in nahezu allen Bereichen ungeachtet wiederholter Hinweise und Aufforderungen nicht gelungen ist, den für nachhaltigen Profi-Handball erforderlichen Professionalisierungsgrad sicherzustellen“. Zudem sollen Vikings-Mitarbeiter öffentlich schlecht über Stadtvertreter gesprochen und damit das Vertrauensverhältnis gestört haben. Also stieg die Stadt nun aus. Mitten in der zweiten Saison. Weswegen die Zukunft der Rhein Vikings ungewisser ist denn je. Ohne das Geld aus Düsseldorf dürfte es ungleich schwerer sein, den Spielbetrieb in der zweiten Bundesliga aufrechtzuerhalten.

Abgeschlossen ist das Kapitel Rhein Vikings damit aber natürlich nicht. Es nimmt gerade erst richtig Fahrt auf und könnte sich zu einer öffentlichen Schlammschlacht entwickeln. Die Stellungnahme der Sportstadt erschien nämlich nicht zufällig gestern Nachmittag. Zur selben Zeit saß Vikings-Gesellschafter Thomas Koblenzer in einer Medienrunde in Neuss. Die hatte der nach Eigenaussage „größte Sponsor des Handballprojekts“ in seine Räumlichkeiten eingeladen, um über seine Schadensersatzklage gegen die Sportstadt zu berichten. Bereits am vergangenen Freitag hatte er die Klage vor dem Landgericht Düsseldorf eingereicht.

Koblenzer fordert mehr als eine Dreiviertelmillion Euro, um genauer zu sein: 759 673,98 Euro. Das sei die Summe, die er in den vergangenen beiden Jahren in die Vikings gesteckt hat. Seine Argumentation: Weil die Düsseldorfer nun entgegen der Abmachung vorzeitig ausgestiegen sind, sei „dem gemeinsam vereinbarten Handball-Projekt die wirtschaftliche Grundlage entzogen, so dass die vom Kläger hierfür bislang geleisteten Beiträge verloren gegangen sind“, heißt es in der Anklageschrift.

Immer wieder habe die Stadt Düsseldorf – namentlich genannt werden Stadtdirektor Burkhard Hintzsche und der „Bevollmächtigte“ Peter Kluth – schriftliche und mündliche Versprechungen gemacht, wie die Vikings durch die Stadt oder Tochterunternehmen für mindestens zwei Jahre finanziert werden sollen. Die Rede war von fixen 200 000 Euro pro Spielzeit und 20 000 Euro für die Jugendarbeit. Zudem sollte das „Castello“, eine Mehrzweckhalle für knapp 3000 Zuschauer im Düsseldorfer Süden, kostenlos genutzt werden dürfen. Erst im April 2018 hätten die Stadtvertreter dem Klub wieder neue Versprechungen gemacht: Inklusive Sponsoring würden die Vikings insgesamt 800 000 Euro pro Jahr bekommen. Doch davon hätte der Klub längst nicht alles gesehen.

Die Probleme hätten sogar schon vorher begonnen. Von Beginn an sei nicht alles geflossen, was Hintzsche und Kluth versprachen. Als Begründung habe es geheißen, dass nun doch nicht jede Stadttochter das versprochene Geld zahlen könne, zudem sei manch ein (halb-)öffentlicher Topf bereits wegen der Ausrichtung des Tour-de-France-Starts leer gewesen. Plötzlich hätten die Vikings auch für die Halle zahlen sollen. Weil das Management des Klubs auch selbst zahlreiche Fehler im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich machte, wurde die finanzielle Lage immer düsterer. Gehälter und Rechnungen konnten nicht pünktlich gezahlt werden, Mitarbeiter mussten gehen, sportlich stürzte der Verein ab. Nachzulesen ist das alles in der 189 Seiten starken Anklageschrift, die Koblenzer ausgewählten Journalisten zukommen ließ. Dieser Zeitung liegt sie vor. Und wer all den internen Schriftverkehr liest, sieht deutlich, wie lange das Verhältnis bereits belastet ist. Und wie rau der Ton teilweise ist. Das wirft alles kein gutes Bild auf die Stadtvertreter, die erst großspurige Ankündigungen machen, diese aber an immer mehr Bedingungen knüpfen. Auch personelle.

Weil sich aus Sicht der Stadt dennoch nichts nachhaltig verbesserte, zog sie nun die Reißleine. Warum weiter Geld in ein Projekt ohne Zukunft stecken? Sie wendete sich dem Erstligisten Bergischen HC zu, um doch noch Spitzenhandball in der Stadt zu haben. Das Team aus Wuppertal und Solingen soll künftig seine Topspiele in Düsseldorf austragen und so den Dome im Stadtteil Rath füllen, in der Halle, in der er schon in dieser Saison teils spielte.

Die Vikings-Macher sind der Ansicht, dass das der wahre Grund war, warum der Vertrag mit ihnen gekündigt wurde. Weil es mit ihnen keinen kurzfristigen Erfolg gebe, lasse man sie fallen „wie eine heiße Kartoffel“, sagte Koblenzer am Dienstag. Er selbst habe kein Problem damit, dass der BHC nach Düsseldorf komme, Spitzenhandball in der Stadt könnte auch den Vikings helfen. Aber man dürfe das alte Projekt dafür nicht einfach aufgeben und sich „wie ein Fähnchen im Wind drehen“.

Koblenzer hat auch Details von ersten Gesprächen mit dem BHC, in die er noch involviert war, in die Anklageschrift gepackt. Aus denen geht hervor, dass die Stadt dem BHC eine Million Euro pro Jahr garantieren soll. Und dass sie dem Klub den Dome zu einem „marktunüblichen Preis“ (Koblenzer) von 37 500 Euro pro Spieltag vermietet.

Aber was bringe es der Stadt, einen Verein, der nicht mal aus Düsseldorf kommt, mit so viel öffentlichen Geldern zu pushen? Natürlich sagt er das alles nicht ohne Grund. Koblenzer fühlt sich „im Regen stehen gelassen“, nun will er den Druck auf die Gegenseite erhöhen.

Ob es trotzdem noch zu einer Einigung kommen könnte, wurde er am Ende gefragt. Falls es sich die Stadt mit der Kündigung noch mal überlegt. „Die Vertrauensbasis ist zerstört“, sagte er, ließ aber dennoch einen kleinen Spielraum für eine „saubere Lösung, eine saubere Trennung“. Die Stadt kündigte derweil an, „eine Wiederaufnahme der Gespräche ist seitens der Sportstadt Düsseldorf jederzeit möglich“.

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