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HSG Krefeld sorgt für Novum in der 3. Liga

Handball : HSG sorgt für Novum in der 3. Liga

Mit „Live-Bildern“ aus der ersten Hälfte will Trainer Felix Linden schon in der Halbzeitpause künftig Spiele mit seinem Team per Videoequipment analysieren.

Bei Currywurst, Bier und Limonade werden die Handball-Fans der HSG Krefeld Niederrhein vor der Glockenspitzhalle am Samstag, 3. Oktober, um kurz nach halb acht Uhr ihr Resümee über die erste Hälfte beim Saisonstart in der 3. Liga ziehen. Wie so oft dürfte eifrig darüber diskutiert werden, was Mannschaft und Trainer nun nach dem Seitenwechsel gegen die TSG Haßloch noch besser machen können, ja müssen. Währenddessen spielt sich aber gleich hinter der fahrbaren Currywurstbude, im neu geschaffenen Mannschaftsquartier der Schwarz-Gelben, eine ehemalige Gymnastikhalle, ein Novum im bundesdeutschen Drittliga-Handball ab.

Trainer Felix Linden, gerade einmal 32 Jahre alt, emsiger A-Lizenz-Inhaber, in der dritten Liga aber bislang mit noch keinem einzigen Punktspiel auf dem Buckel, lässt modernste Technik auffahren.

Der Grundschullehrer will nichts unversucht lassen, sein Team auf aktuellen Stand zu bringen und setzt sein gesamtes Video-Equipment ein. Mit „Live-Bildern“ aus der ersten Hälfte betreibt Linden dann erste Manöverkritik oder streicht gelungene Aktionen hervor: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen, da ist mir jede Unterstützung recht. Bislang greifen nur wenige Bundes- und Zweitligisten auf solche Maßnahmen zurück. In der 3. Liga sind wir die Ersten. Denn die Videoanalyse wird im modernen Handball immer wichtiger.“

Acht bis zehn Stunden verbringt Linden im Normalfall vor einem Spiel am Bildschirm, fast mehr Minuten als beim wöchentlichen Training. Er verarbeitet ganze Datensätze der Gegner: „Hier sehe ich genau, wie Spielkonzepte unserer Gegner angelegt sind. Aber im Laufe der Saison kann ich auch zum Beispiel alle Würfe von Kevin Christopher Brüren aus den vergangenen zehn Spielen zusammenfassen und dann aufzeigen, wie es noch besser gehen könnte.“ Gegen die TSG Haßloch war Linden nach eigener Aussage allerdings schnell fertig.

Fast einen ganzen Tag benötigten Sportchef Stefan Nippes und Linden, um überhaupt an ein Video des ersten Gegners zu gelangen. Ein Streifen von 20 Minuten Länge wurde aufgetan. Doch das wird nicht noch einmal vorkommen. Denn alle Klubs müssen im geschützten Video-Portal „Sport Lounge“ eine Aufzeichnung von jedem Heimspiel hinterlegen. Tun sie es nicht, drohen vom Deutschen Handball Bund empfindliche Geldstrafen.

Normalerweise wertet Linden vier bis fünf Spiele des Gegners aus: „Da habe ich manchmal schon einmal das Gefühl, rechteckige Augen zu haben, zum Ende der Saison wird das aber bestimmt der Fall sein.“ Sein Fazit über die TSG Haßloch fällt kurz und knapp aus: „Die Mannschaft spielt vorwiegend mit einer defensiven 6:0-Deckung und hat im Angriff einige findige Varianten parat. Zudem verfügen sie mit Linkshänder Theo Surblys und Linksaußen Denni Djozic über torgefährliche Spieler. Überhaupt verfügt Haßloch über eine starke erste Sieben.“ Linden ist dabei nicht entgangen, dass Surblys mit 2,09 Meter der längste Spieler der Liga ist.

Das Linden-Team kann
in Bestbesetzung auflaufen

Im Tor vertrauen die Pfälzer zudem auf Marco Bitz, dem ehemaligen Bundesliga-Torwart der Rhein-Neckar Löwen. Das Linden-Team kann wiederum in Bestbesetzung auflaufen. Am Siebenmeterpunkt wird Mike Schulz auftauchen, dem der HSG-Trainer eine gute Form bescheinigt und der im Gegensatz zur Vorsaison endlich seine Stärken ausspielen kann. Schulz traf in der Vorbereitung 19 Mal vom Strafpunkt bei 20 Versuchen. In Moritz Barwitzki und Kevin Christopher Brüren sieht Linden zwei weitere nervenstarke Schützen: „Eine Siebenmeter Quote von 70 bis 80 Prozent sollte am Saisonende unter dem Strich zusammenkommen.“