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HSG-Kapitän Tim Gentges: „Wir müssen uns in allen 34 Spielen zerreißen“

Handball : „Wir müssen uns in allen 34 Spielen zerreißen“

Interview Die 2. Handball-Bundesliga ist Neuland für die HSG Krefeld. Unsere Redaktion sprach mit Kapitän Tim Gentges über dessen Ziele.

Am Samstag beginnt für die HSG Krefeld eine neue Zeitrechnung. Erstmals spielt das Team von Arnar Gunnarsson in der 2. Handball-Bundesliga. Tim Gentges ist mit 31 Jahren nicht nur der neue Kapitän der Krefelder, er ist auch der letzte Akteur, der aus dem Gründungskader des Vereins übrig geblieben ist. Der neue HSG-Kapitän spricht vor dem Saisonstart mit unserer Redaktion über Ziele, die Unterstützung der Fans und die Favoriten der Liga.

Glückwunsch, Herr Gentges. Sie führen als neuer Kapitän ihr Team in die 2. Bundesliga. Wie kam es zu der Entscheidung?

Tim Gentges: Der Trainer ist auf mich zugekommen und hat gesagt, er möchte, dass ich der neue Kapitän bin und Max Zimmermann mein Stellvertreter wird. Das wurde der Mannschaft so kundgetan und wird von ihr so getragen. Ich hatte da wenig Mitspracherecht aber werde das Amt versuchen, auf meine Art gut auszufüllen. Ich bin jetzt im siebten Jahr bei der HSG, habe meine Rolle gefunden. Und die Rollen der weiteren Führungsspieler im Team sind ebenfalls klar verteilt.

Was zeichnet den neuen Trainer Arnar Gunnarsson aus?

Gentges: Ruhe, Gelassenheit und Disziplin. Dazu kommt sein absoluter handballerischer Sachverstand und diese isländische Trockenheit. Arnar ist ein besonnener Trainer, der einfach Ahnung von seinem Handwerk hat. Er weiß genau, was er macht.

Wie schwierig war es für das Team nach dem Abgang von Ronny Rogawska?

Gentges: Es war für beide Seiten keine einfache Situation, nachdem Ronny Rogawska weg war. Doch Arnar hat den Übergang mit seiner Ruhe und Kompetenz gut hinbekommen. Wir rücken bei jedem Training enger zusammen. Ich kann ihm schon jetzt ein Kompliment ausstellen, wie er das hinbekommen hat.

Was muss die HSG in der 2.  Liga auszeichnen, um zu bestehen?

Gentges: Was uns beim Aufstieg schon ausgezeichnet hat. Der absolute Teamgeist, die Zusammengehörigkeit. Der Stamm der Mannschaft ist zusammengeblieben und ist völlig intakt. Wir sind Kumpels, ja Freunde, die zusammen Handball spielen. In jeder Sportmannschaft der Welt werden vor einer Saison punktuell Spieler hinzugefügt, andere gehen. Doch es gibt kaum eine einfachere Mannschaft als unsere, um sich zurecht zu finden. Wer hier nicht den Anschluss an das Team findet, der schafft es nirgendwo.

Wie gelingt es, die neuen Spieler zu integrieren?

Gentges: Alle Jungs, die gekommen sind, egal ob Josip Cutura aus Kroatien, Toni Sario aus Spanien oder Mike Schulz aus Moers, haben gleich versucht, sich einzugliedern. Im Handball lässt sich über alles reden, auch wenn es erst einmal mit Händen und Füßen ging, wegen der sprachlichen Barrieren. Das ist allerdings ein Grund, warum es bei uns nur Schritt für Schritt weitergeht. Aber es wächst da was zusammen, das spüre ich.

Mit Marcel Görden hat ein Urgestein den Verein verlassen. Lässt sich die Lücke kompensieren?

Gentges: Wir wollen und können Marcel nicht ersetzen, genauso ist es mit Gerrit Kuhfuß oder Max Jäger. Die Situation ist eine neue. Wir sind größtenteils eben keine Vollprofis, haben Berufe und daher müssen wir diese Entscheidungen akzeptieren. Ich sehe es positiv. Die Spieler, die gegangen sind, haben Platz gemacht für etwas Neues und daraus müssen wir jetzt das Beste machen. Wir haben mit der alten Besetzung Geschichte in Krefeld geschrieben mit dem Meistertitel und dem Aufstieg. Es war eine schöne Zeit, die niemand missen will, es bleiben nur schöne Erinnerungen.

Wie wichtig sind die Fans und die Glockenspitzhalle für das Unternehmen Klassenerhalt?

Gentges: Grundlegend wichtig. Wir wissen, dass wir vor der schwierigsten Saison der HSG, seit der Gründung stehen. Wir haben 34 letzte Chancen und müssen uns in jedem Spiel zerreißen.

Es werden sicher auch schwierige Tage kommen.

Gentges: Wir wissen, dass es Phasen geben wird, in denen wir einige Spiele hintereinander verlieren werden. Um so wichtiger ist es, dass die Fans zu uns halten, wir getragen werden und die absolute Unterstützung bekommen. Ich kann nur an die Zuschauer appellieren, uns zu vertrauen. Eine gut gefüllte Halle hilft uns. Dann können wir das zweite Handballwunder innerhalb von 365 Tagen schaffen – den Aufstieg und den Klassenerhalt

Die 2. Bundesliga ist für die Krefelder Handballfans eine weitgehend unbekannt. Wer sind die Topfavoriten?

Gentges: Ja, wir sind es nicht, um das mal klar zu stellen (lacht). Die 2. Liga ist die stärkste ihrer Art auf der Welt. Ich schätze Teams wie Coburg, Gummersbach, Bietigheim stark ein, TuSEM Essen wird ganz oben dabei sein.

Was unterscheidet die 2. Liga von der dritten, die sie bestens kennen?

Gentges: Die Ausführung im handballerischen und taktischen Sinne ist einfach besser. Das Tempo ist höher, da ganze Spiel schneller, die Disziplin auf dem Feld enorm wichtig und Fehler werden eiskalt bestraft. Das haben wir im Pokal gegen Berlin schon zu spüren bekommen.

Sind gleich drei Heimspiele zum Auftakt ein Vorteil oder eine Belastung?

Gentges: Natürlich ein Vorteil. Die drei Spiele können den Start in diese Liga deutlich vereinfachen. Wir können uns eingewöhnen und die Luft der Liga schnuppern. Wir werden alles tun, mit einem positiven Ergebnis da herauszukommen und auch ein Stück die Aufstiegseuphorie mit zu nehmen. Ich kann natürlich nicht versprechen, dass wir alle drei Spiele gewinnen.

Hat der Kapitän der HSG im Hinblick auf die Saison einen Wunsch?

Gentges: Ja, ganz Handball -Krefeld, ja so viele Krefelder wie möglich, sollten uns in der Glockenspitzhalle unterstützen. Dann können wir vielleicht eine ganz erfolgreiche und spannende Saison spielen. Wir haben gesehen, was letzte Saison bei dem guten Zuspruch hier entwickelt hat.