Handball : HSG: Trainer vor dem Aus?

Bei der deprimierenden 18:28-Niederlage gegen Konstanz präsentiert sich der Aufsteiger wie ein Absteiger.

Das letzte Fünkchen Hoffnung im Lager der HSG Krefeld ist endgültig verloschen, im Abstiegskampf der 2. Bundesliga zumindest doch noch einen kleinen Aufwärtstrend einzuleiten. Vor 613 maßlos enttäuschten Zuschauern, wobei die ersten schon frühzeitig die Krefelder Glockenspitzhalle verließen, handelte sich das Schlusslicht gegen Mitaufsteiger und Abstiegskonkurrent HSG Konstanz eine deprimierende 18:28-(8:15)-Niederlage ein. Konstanz, auf dem 16. Tabellenplatz postiert, der zur Abstiegsrelegation berechtigt, vergrößerte den Vorsprung damit bereits auf neun Punkte. Der von der HSG so gern bemühte Vergleich mit dem kleinen gallischen Dorf, das mit unbändigen Kräften allen Widerständen trotzt und in der 2. Liga für Furore sorgt, gehört nach nur 16 Spieltagen der Hinrunde endgültig der Vergangenheit an.

Beim mit großer Euphorie in das Abenteuer 2. Liga gestarteten Klub gehört ab sofort einfach alles und jeder auf den Prüfstand. Eine Kehrtwende ist unabwendbar, um den letzten Kredit bei den sehr geduldigen und verständnisvollen Fans nicht zu verspielen. Zwei Spieler haben den Verein frühzeitig verlassen, andere sollen den Abflug zum Saisonende schon vorbereiten. Die Mannschaft wirkt höchsten Grades verunsichert. Von einer gemeinsamen Spiellinie, ja taktischen Ausrichtung auf den Gegner war nicht viel zu sehen. Vor allem in der einer erschreckend schwachen zweiten Hälfte gab die HSG schnell auf. Trainer Arnar Gunnarsson zieht aus der sportlichen Misere kaum Konsequenzen. Nach vier Treffern ins leere Tor in Essen fand das Trauerspiel in Unterzahl erneut seine Fortsetzung. Jeweils zwei Mal pro Spielhälfte trafen die Gäste ungehindert, nach Krefelder Abspielfehlern, in das von Torhüter Norman Toth verlassene Tor. Toth saß wieder zugunsten eines Feldspielers auf der Bank.

Bezeichnend war die Situation nach dem vierten Konstanzer Treffer, als Gunnarsson seinen Keeper in Unterzahl aufforderte, beim Spielstand von 9:19 das Feld zu verlassen. Doch der 30-jährige Ungar, der erneut bester Spieler im HSG-Dress war, verweigerte seine Auswechslung einfach, blieb stur auf dem Feld stehen. Ein guter Rückhalt für den Trainer in der Mannschaft sieht anders aus.

Führung sieht Handlungsbedarf
in alle Richtungen

Gunnarsson, der sich später enttäuscht von der Leistung seiner Mannschaft zeigte, scheint diesen Rückhalt kaum noch zu besitzen. Bereits kurz nach 21 Uhr verließ der Isländer am Samstag allein die Glockenspitzhalle, während Teile der Mannschaft hinter verschlossenen Türen in der Kabine zusammenhockten. Wie ein geschlossenes Team im Abstiegskampf wirkte das nicht mehr. HSG-Geschäftsführer Andre Schicks war bedient: „Zu dieser Leistung gibt es nicht viel zu sagen. Wir führen Gespräche und sehen Handlungsbedarf in alle Richtungen.“ Dass bei diesen Erörterungen der Trainer eine Rolle spielt, wollte oder konnte Schicks allerdings nicht bestätigen.