Vereins- und Nationaltrainer: Dänemarks Handball-Coach Jacobsen doppelt belastet

Vereins- und Nationaltrainer: Dänemarks Handball-Coach Jacobsen doppelt belastet

Varazdin (dpa) - Seine Emotionen hat Nikolaj Jacobsen trotz der Doppelbelastung nicht verloren. Der dänische Handball-Nationaltrainer kann brüllen oder fluchen, motivieren oder anfeuern: Ohne die großen Gefühlswallungen läuft bei dem 46-Jährigen auch während der EM in Kroatien nichts.

Dass Jacobsen mit einer solchen Energie zu seinem ersten Turnier als Nationalcoach angereist ist, erstaunt aber doch. Denn er trainiert parallel bis 2019 auch noch den deutschen Handball-Meister, die Rhein-Neckar Löwen.

Die EM ist ein Experiment für ihn. Schon jetzt sieht er seine Familie kaum, einen ausgedehnten Urlaub gibt es für ihn in der Regel nur im Sommer. In den vergangenen Jahren hatte er immerhin auch nach Weihnachten noch ein paar Tage Ruhe. Seit dem Frühjahr 2017 aber trainiert er auch noch sein Heimatland. Als die Rhein-Neckar Löwen am zweiten Weihnachtstag den TVB Stuttgart locker mit 29:23 besiegt hatten, begann für Jacobsen die Vorbereitung auf das Turnier in Kroatien. Natürlich sind die Diskussionen über eine zu hohe Belastung vor allem der Top-Spieler im Handball nicht neu. Für den Top-Trainer Nikolaj Jacobsen ist sie derzeit extrem. Aber er will das so.

Als die Dänen am Mittwoch gerade die Vorrunde mit einem überzeugenden Sieg gegen Vize-Europameister Spanien (25:22) beendet hatten, verschwand Jacobsen zügig ins Mannschaftshotel und studierte schon den nächsten Gegner. „Ich habe drei, vier Stunden Schlaf bekommen“, sagte er danach. Als Olympiasieger sind die Dänen mit dem Ziel nach Kroatien gekommen, den Titel zu gewinnen. Sollte es Jacobsen mit seiner Mannschaft tatsächlich ins Finale am 28. Januar schaffen, würden ihm nur eineinhalb Wochen bleiben, um sich auf das nächste Bundesliga-Spiel mit den Löwen am 8. Februar vorzubereiten.

Als verrückt bezeichnen ihn seine Weggefährten deshalb aber nicht. „Nikolaj ist einer der besten Trainer der Welt“, sagt DHB-Teammanager Oliver Roggisch, der mit ihm bei den Löwen zusammenarbeitet. Am Sonntag (18.15 Uhr) kommt es nun in Varazdin zum Duell zwischen dem Olympiasieger und dem Europameister. „Diese Zwischenrunde wird furchtbar eng, und kleine Dinge können den Ausschlag geben, ob wir ins Halbfinale kommen oder nicht“, sagt Jacobsen. Das gleiche gilt für die DHB-Auswahl, die in der Vorrunde ebenfalls nicht immer überzeugte. Auch Dänemarks Niederlage gegen Tschechien (27:28) hatte überrascht.

Jacobsen hat das natürlich längst analysiert und seinen Spielern um Superstar Mikkel Hansen deutliche Warnungen zukommen lassen. Was folgte, war der überzeugende Erfolg gegen die Spanier. Auch die Deutschen sind gewarnt. Was der während seiner Spielerkarriere als „Zaubermaus“ bezeichnete Jacobsen an Kreativität aufs Spielfeld brachte, überträgt er nun in Form von Flexibilität auf seine Spieler. Die Löwen beherrschen längst mehrere System in Abwehr und Angriff, auch von seiner mit zahlreichen Top-Spielern ausgestatteten Nationalmannschaft fordert er das ein. Ansonsten kann er auch mal ziemlich böse werden. Spätestens nach dem Schlusspfiff schaltet er aber um. „Es ist wohl sein bester Charakterzug, dass nach dem Spiel alles vergessen ist“, sagte Löwen-Kapitän Andy Schmid einmal.