Bergischer HC: „Unser Auftritt macht mich stolz“

Bergischer HC : „Unser Auftritt macht mich stolz“

Handball: Nicht nur Viktor Szilágyi war nach dem 30:29 im Zweitliga-Topspiel in Balingen begeistert.

Die Partymusik drang am späteren Freitagabend aus der Kabine des Bergischen HC bis in den Raum, in dem die Trainer und leitenden Angestellten die Spitzenpartie der 2. Handball-Bundesliga kommentierten. Ob Sebastian Hinze und Viktor Szilagyi vom BHC oder Jens Bürkle und Wolfgang Strobel für Balingen - darin, dass die 2300 Zuschauer in der fast ausverkauften Sparkassen-Arena eine herausragende Partie gesehen hatten, waren sie sich einig. „Es war ein richtig geiles Spiel“, schwärmte BHC-Coach Hinze von den 60 Minuten, in denen sich die ewigen Rivalen einen klasse Fight geliefert hatten, der mit den Löwen, wie berichtet, einen glücklichen, aber keineswegs unverdienten Sieger hatte. 30:29 hieß es für den Spitzenreiter.

Allein die letzten Sekunden verdienten sich das Attribut herausragend, weil höchst spannend. Das 29:27 durch Linus Arnesson läutete die Schlussphase und den Kampf auf Biegen und Brechen ein. Mit dem letzten Angriff wollten die Hausherren den Ausgleich erzwingen. Und reklamierten, dass Milan Kotrc den Ball mit dem Fuß gespielt habe. Doch die Schiedsrichter Philipp Dinges und Daniel Kirsch, beim Publikum längst in Ungnade gefallen, ahndeten die Aktion nicht. Der Ball sei ohne Absicht von der Hand auf den Fuß gesprungen. So kam es für den HBW mit Ablauf der Spielzeit nur noch zu einem direkten Freiwurf. Ex-BHCer Lars Friedrich blieb mit seinem Wurf in der Mauer hängen.

„Wir haben die Stabilität bewiesen, die wir im verlorenen Heimspiel gegen Lübeck nicht hatten“, meinte Sebastian Hinze, der aus seinem starken Kollektiv Leos Petrovsky heraushob. Der Tscheche schuf im Angriff nicht nur als dreifacher Torschütze viele Räume und stand in der Abwehr seinen Mann - da verzieh ihm Hinze auch den technischen Fehler, der den BHC kurz vor Schluss um eine frühere Entscheidung brachte.

Es waren einige Löwen-Profis, die sich von einer sehr guten Seite zeigten. So fand auch Torhüter Christopher Rudeck mit Anlauf in die Spur und sorgte für ein Plus gegenüber den Schlussleuten der Gastgeber. Wichtig war zudem, dass die Bergischen den starken Auftritt von HBW-Shooter Valentin Spohn ausgleichen konnten - Linus Arnesson konterte dessen neun Feldtore mit der gleichen Anzahl und durfte sich ausgiebig freuen. „Es war von beiden Mannschaften ein großes Spiel“, erklärte der schwedische Nationalspieler.

Sein Team habe zusehends die Kontrolle gewonnen, auch nach dem Rückschlag von 24:20 auf 24:24 in sechs Minuten blieben die Köpfe oben. „Das macht mich stolz, wie wir aufgetreten sind“, sagte der Sportliche Leiter Viktor Szilágyi - während auf HBW-Seiten Trainer Bürkle und Geschäftsführer Strobel ein Unentschieden als gerechtes Ergebnis empfunden hätten. Dass es nicht dazu kam, lag auch an Sebastian Hinze. Der 38-Jährige traf stets die richtigen Entscheidungen und setzte das taktische Mittel des siebten Feldspielers effektiv ein.

Zudem trug Hinze mit beruhigenden Gesten gegenüber dem Kollegen und dem ehemaligen Mannschaftskameraden Friedrich dazu bei, dass die Stimmung nicht eskalierte. Es war sehr heiß in der HBW-Arena, während es draußen heftig schneite. Trotz des rutschigen Belags und rund 500 Kilometern wurde die nächtliche Heimfahrt ins Bergische zum Vergnügen. Denn mit an Bord war die Erkenntnis, dass das 25:30 gegen Lübeck wahrlich nur ein Ausrutscher war.