Stefan Adam : „Der BHC ist akzeptiert“

Stefan Adam : „Der BHC ist akzeptiert“

Am Samstag steht für Stefan Adam das letzte BHC-Spiel in der Uni-Halle an. Der Manager und Macher wechselt zum THW Kiel.

Wenn die Handballer des Bergischen HC am Samstag um 18.15 Uhr in der Uni-Halle gegen den TV Hüttenberg zum Zweitliga-Spitzenspiel antreten, dann ist es nicht nur der letzte Heimauftritt für die Löwen in diesem Jahr, sondern auch für Stefan Adam, von Anfang an Manager, Geschäftsführer und Macher beim bergischen Fusions- club, das letzte Spiel in der Uni-Halle. Mitte Januar gibt er die Geschäfte an Jörg Föste ab und verabschiedet sich zum THW Kiel, wo er Geschäftsführer wird.

Wie fühlt es sich an, nach sechseinhalb Jahren BHC am Samstag den letzten Heimauftritt mit der Mannschaft zu haben?

Stefan Adam (39): Ich muss gestehen, dass ich die Dinge, die etwas mit persönlichen oder emotionalen Belangen zu tun haben, bisher bewusst oder unbewusst weggeschoben habe. Das ist für mich auch jetzt noch ganz weit weg, weil wir ja noch mittendrin sind. Ich glaube, das werde ich erst realisieren, wenn der Übergang auch wirklich vollzogen ist.

Wie bewerten Sie die aktuelle Saisonphase mit drei Niederlagen in vier Spielen und dem Verlust der Tabellenführung?

Adam: Der Verlust der Tabellenführung interessiert uns gar nicht. Wir wollen am Ende auf einem der drei Aufstiegsplätze stehen. Insgesamt ist es natürlich schwer zu kompensieren, wenn beide Kreisläufer und Abwehr-Mittelblocker und dazu noch eine Stütze im Rückraum ausfallen. Wir jammern aber nicht und haben auch nie gesagt, dass wir eine Übermannschaft sind.

Blicken wir einmal zurück. Haben Sie sich vor sechs Jahren, als Sie das Projekt hier gestartet haben, vorgestellt, dass es genauso läuft?

Adam: Wir haben das ehrgeizige Ziel gehabt, etwas erfolgreich zusammenzuführen, einen erfolgreichen Club zu kreieren, mit Profil und Identifikationspotenzial, der mittel- und langfristig Bestand hat. Die meisten Dinge haben wir geschafft. Wir haben es geschafft, sportlich erfolgreich zu sein, eigene Spieler zu entwickeln, eine ganz große Zahl an Handballfans für die Sache zu begeistern, seriös zu arbeiten und zu wirtschaften und im Jugendbereich etwas Erfolgreiches und Nachhaltiges auf die Beine zu stellen. Ich glaube, dass jetzt etwas da ist, was ein Profil hat und regional und überregional hoch akzeptiert ist.

Haben andere angefragt, wie Sie die städteübergreifende Kooperation geschafft haben?

Adam: Ja, ich habe darüber auf Einladung einige Vorträge gehalten. Uns hat das Erstligajahr unheimlich gut getan. Lustigerweise laufen viele Dinge erst jetzt an, nachdem wir wieder abgestiegen sind. Aktionen, die wir uns vorher gewünscht hätten. Die volle Uni-Halle und die Live-Übertragung im Fernsehen haben viele registriert. Wir haben jetzt beispielsweise intensiveren Kontakt zu der IHK, dem Marketing Club Bergisch Land oder den Wirtschaftsjunioren.

Gibt es Dinge, die Sie in der Rückschau anders machen würden?

Adam: Gravierende Fehler, die uns zurückgeworfen oder die Entwicklung gehemmt haben, haben wir, meine ich, nicht gemacht.

Was waren denn die größten Hindernisse?

Adam: Nach wie vor gilt: Die Rahmenbedingungen für uns und für den Spitzensport allgemein sind im Bergischen sicherlich die schwierigsten, die man vorfinden kann. Das hat natürlich etwas mit wirtschaftlichen Zusammenhängen zu tun, aber auch mit politischen und gesellschaftlichen Ausrichtungen. Der Spitzensport wird hier auf wenigen Ebenen, auf denen Menschen etwas bewegen können, sei es in Unternehmensführungen, in der Politik oder der Verwaltung, dort aufgehangen, wo er hingehört. Die Bedeutung des Spitzensports für die Region als Instrument nach außen aber auch die Identifikation nach innen ist in fast allen Regionen anders im System verankert. Umso bemerkenswerter ist, wie wir das teilweise ohne die Unterstützung, die die meisten unserer Konkurrenten erfahren, geschafft haben. Die Bedeutung des Spitzensports mit Wirkung auf Breitensport und Jugendförderung — wir wenden jedes Jahr eine sechsstellige Summe für die Jugendförderung auf — wird zu wenig gewürdigt.

Gehört dazu das Thema Halle?

Adam: Ja sicher. Was wir da in den vergangenen Jahren erlebt haben an Stöcken, die uns zwischen die Beine geworfen wurden, ist abenteuerlich. Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, dass eine Region mit 700 000 Menschen nicht das Selbstverständnis hat, eine Multifunktionshalle zu haben und zwar nicht nur für den BHC, sondern überhaupt. Das hat nicht nur rein etwas mit der Kassenlage zu tun. Es geht mir nicht in den Kopf, dass alle akzeptieren, dass es eigentlich normale Dinge hier nicht gibt. Mir fehlen hier motivierte Visionäre.

Was waren die Meilensteine für Sie in der BHC-Geschichte?

Adam: Vor allem, dass wir es geschafft haben, die beiden Städte emotional unter einen Hut zu kriegen. Es gilt aber nach wie vor, den ein oder anderen zu überzeugen, dass er sich nicht nur für seine Stadt, sondern für die Region engagiert. Natürlich war der Erstligaaufstieg ein Meilenstein.

Was passiert, wenn der BHC in dieser Saison nicht aufsteigt?

Adam: Auch dann würden unsere Ziele die gleichen bleiben, nämlich uns mittelfristig in der ersten Liga zu etablieren. Ich glaube, es hat sich rund um den BHC etwas entwickelt, was nicht ausschließlich vom sportlichen Erfolg abhängig ist. Aber es gibt viele Themen, die für uns einfacher sind, wenn wir aufsteigen. Von Vermarktungsmöglichkeiten über das Hallenthema bis zur Zuschauerresonanz.

Einige befürchten schon, dass Sie BHC-Hauptsponsor Brose mit nach Kiel nehmen.

Adam: Das ist absoluter Quatsch. Wir haben ja schon kommuniziert, dass Brose auch in der kommenden Saison ein größeres Engagement für den BHC weiterführen wird. Natürlich hat uns Brose durch großzügiges Engagement wie kein anderes Unternehmen geholfen, unsere Entwicklung so schnell voranzutreiben. Natürlich sind wir auch den vielen anderen, die sich, wie etwa Bernd Bigge oder andere Unternehmer mit Herzblut und Geld engagieren, unendlich dankbar — damit da kein falsches Bild entsteht. Aber es ist schon so, dass die bergische Wirtschaft den Club in Zukunft in größerem Maße mittragen muss, völlig unabhängig davon, ob Brose noch ein, zwei, drei, fünf oder zehn Jahre als großer oder Hauptsponsor erhalten bleibt.

Darf der BHC denn künftig auf eine Kooperation mit Kiel hoffen?

Adam: Wenn es jemanden gibt, der bei einem Club Spielpraxis auf höherem Niveau sammeln soll, dann wird sicher darüber gesprochen.

Gibt es ein Ablösespiel?

Adam: Nein. Wenn es aber Möglichkeiten gibt, dem BHC zu nutzen, ohne dem THW zu schaden, dann werden wir das machen und dazu gehört auch ein Spiel.

Bleibt ein Koffer im Bergischen?

Adam: Nein, aber es wird sich bei Besuchen immer eine Möglichkeit ergeben unterzukommen.

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