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Sebastian Hinze: Wir haben etwas geschaffen, das funktioniert

Handball-Bundesliga : „Wir haben etwas geschaffen, das anscheinend funktioniert“

Interview: BHC-Trainer Sebastian Hinze zum Stand der Vorbereitung mit seinem Team und zu der Zukunft des Profihandballs.

Bevor die heiße Phase der Vorbereitung auf die Saison in der Bundesliga beginnt, hat Trainer Sebastian Hinze für die Handballer des Bergischen HC noch einmal eine zweiwöchige Pause im Mannschaftstraining eingelegt. Wir sprachen mit ihm über den Stand in der Vorbereitung und den Ausblick vor dem Hintergrund von Corona.

Wenn es am 1. Oktober in der Liga wieder losgehen soll, wird das letzte Bundesligaspiel sieben Monate zurückgelegen haben. Wie haben Sie die lange Spielpause erlebt?

Hinze: Für die Spieler, für mich und alle Beteiligten war es schwer, dass wir unserem Job eine ganze zeitlang nicht nachgehen konnten. Seit der neue Saisonstart feststeht, haben wir ein stückweit Normalität zurück, auch wenn die Vorbereitung durch die Umstände zweigeteilt und mit insgesamt zwölf Wochen auch etwas länger ist. Im Grunde sind wir aber jetzt in einem normalen Rhythmus, und ich hoffe auch, dass wir in diesem bleiben können.

Glauben Sie, dass sich der Profihandball nachhaltig durch Corona verändern wird?

Hinze: Man muss es getrennt sehen. Die Sportart Handball wird es ja weiter geben. Das sehe ich auch daran, mit welchem Engagement meine Jungs in der Halle dabei sind. In diesem Jahr wird sich sicherlich der Profisport wie wir ihn gewohnt sind, mit vollen Hallen, ändern. Da werden wir neue Wege suchen müssen, die Menschen emotional zu erreichen. Wir haben die Hoffnung, dass wir Zuschauer hereinlassen dürfen, dass wir das Stück für Stück aufbauen, aber wir wissen alle nicht, wie es sich entwickelt. Deshalb ist auch das Wichtigste in diesem Jahr, dass wir Handball spielen können, es schaffen, eine Saison zu Ende zu bringen. Für alles andere werden wir sehr hart arbeiten, um es zu lösen, damit auch der Profisport überlebt.

An die Emotionen der Zuschauer will der BHC auch schon am 12. September in Düsseldorf im Test gegen TuSEM Essen kommen. Es soll auch für die Liga ein Pilotprojekt werden. Welche Bedeutung hat das Spiel für Sie in der Vorbereitung?

Hinze: Für mich zählt in diesem Spiel nur die sportliche Vorbereitung. Wir haben natürlich Testspiele ausgemacht. Wir wussten nicht, in welchem Rahmen sie stattfinden könnnen. Wir wissen jetzt, dass wir innerhalb der Bundesliga spielen dürfen, weil alle dasselbe Testkonzept fahren. Es werden aber nicht so viele Testspiele wie in den Jahren zuvor. Dazu die lange Pause. Deshalb ist jedes Spiel sehr wichtig, um erfolgreich starten zu können.

Mit David Schmidt, Tom Kare Nikolaisen und Tom Bergner hat der BHC sich gut verstärkt, hatte natürlich auch Abgänge. Was darf man vom BHC in der kommenden Saison erwarten?

Hinze: Schönen Handball.

Und erfolgreichen?

Hinze: Ja, das gehört natürlich dazu. Aber für uns ist wichtig, die Auswahl der Neuzugänge passt zum System, das wir in den letzten Jahren aufgebaut haben. Gerade die beiden Verpflichtungen auf der Kreisläuferposition sind gedacht für die Zukunft, dass sie Max Darj entlassten und seine Rolle sicherlich auch mal über einen längeren Zeitraum einnehmen können. Sie haben das Potenzial sowohl im Innenblock zu decken als auch vorne zu agieren, sind beide junge Typen, die die Bundesliga noch nicht kennen. Es ist das, was den Bergischen HC auszeichnet, dass wir immer wieder Spieler zu Bundesligaspielern machen. Ich glaube, dass es bei den beiden sehr schnell geht und wir dann ein Gesamtpaket haben, um unseren Handball aus einer schnellen flexiblen Abwehr - schnellen, modernen schönen Handball - zu spielen. Und ich glaube, dass der dann auch erfolgreich sein wird.

Werden Sie an Ihrem System weiter feilen, wird es Veränderungen geben?

Hinze: Ja. Wir werden von der Grundidee nicht viel ändern, aber Anpassungen vornehmen. Wir werden sicher unsere offensive Abwehrvariante (5:1, d. Red) öfter dazunehmen, haben mit Alexander Weck einen Spieler, der das neben Linus Arnesson defensiv auch spielen kann. Das wird ein Thema unserer zweiten Vorbereitungphase sein, weil wir in der ersten unsere Grundidee der 6:0-Abwehr schon abgewickelt haben. Im Offensivspiel geht es um eine Weiterentwicklung der Sachen, die wir im letzten Jahr schon gemacht haben. Die habe ich auch da schon gesehen. Dort wollen wir uns weiter steigern.

Wenn die erfolgreiche Saison kommt, auf die alle hoffen, werden Sie danach der dienstälteste Trainer der Bundesliga sein, weil Kai Wandschneider in Wetzlar aufhört. Macht Sie das auch ein bisschen stolz, zumal Sie ja erst 41 Jahre alt sind?

Hinze: (zögert) Ja, schon, ich glaube, das kann den ganzen BHC stolz machen, weil es halt keine Normalität ist. Wir haben sicherlich in den acht Jahren, in denen ich hier bin - ich gehe jetzt ins neunte - zum Großteil erfolgreiche Jahre gehabt. Sieben davon waren wir in der ersten Bundesliga, zwei in der zweiten und sind dort jeweils sofort wieder aufgestiegen, allerdings auch einmal abgestiegen. Gerade bei diesem Weg und in einzelnen Phasen, die nicht erfolgreich waren, zu sagen, die Gesamtidee stimmt, wie wir den BHC entwickeln wollen, ich finde, darauf kann der ganze BHC stolz sein. Auch wenn man sieht, dass es die längste Phase ist, in der ein Handballverein der Region in der ersten Bundesliga gespielt hat. Ich finde, das ist eine Gesamtentwicklung, an der der gesamte Verein beteiligt ist und auf die die gesamte Region stolz sein kann. Da geht es nicht um meine Person, sondern darum, dass wir etwas geschaffen haben, das anscheinend funktioniert. gh/jk

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