Kiel wieder in Weltklasseform

Kiel wieder in Weltklasseform

Der BHC-Gegner ist vor dem Gastspiel in der Uni-Halle in starker Verfassung.

Handball-Deutschland war live dabei, als Rekordmeister THW Kiel am vergangenen Sonntagnachmittag eindrucksvoll die Muskeln spielen ließ: Mit 33:29 gewannen die Zebras ihr Auswärtsspiel bei den Füchsen Berlin. Das Ergebnis spiegelte nicht annähernd die Dominanz wider, mit der die Männer um Spielmacher Filip Jicha den Herausforderer über weite Strecken beherrscht hatte. „Das war ein perfektes Spiel. Das ist Weltklasse in allen Bereichen. Da ist jede Mannschaft der Welt chancenlos“, schwärmte Ex-Nationalspieler und TV-Experte Stefan Kretzschmar.

Der THW — BHC-Gegner am kommenden Samstag (Anwurf, 19 Uhr, Uni-Halle) — rangiert in der aktuellen Bundesligatabelle zwar weiter „nur“ auf Rang zwei. Nach Minuspunkten gerechnet hat der amtierende Meister allerdings einen Zähler Vorsprung vor dem Erzrivalen aus Flensburg. Die Flensburger gewannen zwar das Hinspiel mit 34:30, doch der Rückrundenspielplan spricht wohl für den THW. Die Kieler genießen dann in den Duellen mit den anderen Ligafavoriten dreimal Heimrecht (Hamburg, Flensburg, Berlin) und müssen lediglich gegen die Rhein-Neckar Löwen auswärts antreten.

Die Handball-Demonstration gegen die Füchse Berlin war nach vielen Arbeitssiegen der Hinrunde die bislang beste Saisonleistung des THW, der sich bereits im „Jahr des Umbruchs“ wieder zum Titelfavoriten Nummer eins aufzuschwingen scheint. Das hatten viele Experten den Kielern nach dem Abgang der vier Weltklasseleute Thierry Omeyer, Daniel Narcisse, Momir Ilic und Marcus Ahlm nicht zugetraut. Zumal der spektakulärste Neuzugang, das tunesische Sprungwunder Wael Jallouz, bislang keine Rolle im Konzept von Trainer Alfred Gislason spielt.

Vielmehr sind es die etablierten Kräfte, die beim THW auf dem Feld stehen. Der Serbe Marko Vujin zum Beispiel, der in Berlin mit elf Treffern nicht zu stoppen war. An seiner Seite gibt es weitere Rückraumstrategen wie Aron Palmarsson und Filip Jicha. Und im Tor sorgte Andreas Palicka, früher jahrelang nur Edelreservist hinter Omeyer, für den nötigen Rückhalt.

„Solch eine Leistung war extrem wichtig. Wir wollen die Meisterschaft im Umbruchjahr nicht verschenken und alles dafür geben, dass es klappt“, sagte Gislason. Der Isländer, der seit 2008 Trainer in Kiel ist, hat mit dem THW alle Rekorde gebrochen, unter anderem die perfekte Saison mit 68:0-Punkten. Auch deshalb, weil er seine Spieler auf die „kleinen Gegner“ immer akribisch vorbereitet — so wie am Samstag auf den BHC.

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