Duell der Tabellennachbarn BHC und MT Melsungen in der Uni-Halle

Handball-Bundesliga : BHC schlägt MT Melsungen 25:24 und darf von Europa träumen

In einem packenden Duell der Handball-Bundesliga schlägt der Bergische HC den MT Melsungen mit 25:24 (14:14) und darf weiter vom Europapokal träumen. BHC-Spieler Daniel Fontaine verletzt sich schwer.

Der BHC schafft den ersten Sieg gegen den MT Melsungen in seiner Clubgeschichte. In einer packenden Partie erzielte der Ex-Melsunger Jeffrey Boomhouwer den entscheidenden Treffer zum 25:24-Erfolg und verhalf dem BHC zum Sprung auf den sechsten Tabellenplatz..

Es ist nur ein Traum, aber warum sollten die begeisterungsfähigen Fans des Bergischen HC diesen Traum von der Teilnahme am Europapokal nicht weiter träumen dürfen. Solange der BHC derart stark gegen die weit höher eingeschätzten Teams der Handball-Bundesliga auftrumpft, und solange man mit Gegnern wie MT Melsungen auf Augenhöhe spielt, darf man auch von fast unerreichbaren Zielen träumen.
Die Partie begann mit einer ungeheuren Intensität und schnellen Torabschlüssen auf beiden Seiten. Der offene Schlagabtausch ging zunächst klar an die Hessen, die mit drei Toren davonzogen, während sich der BHC eine Reihe von Fehlwürfen leistete. Da fehlte bei einigen Angriffen ein wenig die Geduld, die die Mannschaft zuetzt bei ihren Auswärtssiegen in der Offensive ausgezeichnet hatte. Es spricht aber für den BHC, dass er gegen den im Abschluss extrem starken MT Melsungen dran blieb und den Rückstand in Grenzen hielt.
Dass es nicht nach Maß für den BHC lief, drückte sich in dem frühen Torwartwechsel aus. Christopher Rudeck war zunächst alleine damit beschäftigt die Bälle aus dem Netz zu fischen. Mit Bastian Rutschmann kam der BHC dann etwas besser ins Spiel, auch weil der Druck auf die Melsunger Abwehr mit dem starken Mittelblock Danner/Müller hochgehalten wurde und sich die Gäste die ersten Zeitstrafen einfingen. Nach einem Tempogegenstoß, den Anor Gunnarsson zum 12:12 abschloss, war erstmals der Ausgleich geschafft. Wenige Sekunden später brachte Fabian Gutbrod den BHC in Führung. Die Uni-Halle tobte, denn der BHC hatte wieder unter Druck seine Klasse und die Mannschaft ihr großes Herz unter Beweis gestellt. Mit 14:14 ging es in die Pause.

Nach dem Seitenwechsel begann der BHC wieder mit Christopher Rudeck im Tor, aber wieder verlief der Start nicht nach Maß. Zwei Minuten gab es für Max Darji und Siebenmetter gegen den BHC, obwohl die Hessen nur knapp einem Zeitspiel entgingen. Der BHC glich aus, spielte nach weiteren zwei Minuten gegen Csaba Szücs nun in doppelter Unterzahl. Dass der BHC trotzdem per Gegenstoß durch Jeffrey Boomhouwer mit 16:15 in Führug ging, riss die BHC-Fans von den Sitzen.

Schock in der 36. Minute: Ohne gegnerische Einwirkung Daniel Fontaine bei einem schnellen Schritt zum Ball. Er musste mit einer Trage vom Feld gebracht werden, und allen in der Halle war klar, dass es sich um eine schwerere Verletzung zuzog. Es bestseht der Vedracht auf Riss der Achillessehne. Der Ballverlust zog den 17:17-Ausgleichstreffer der Hessen nach sich, die sich einige Pfiffe anhörten, weil sie dem BHC im Anschluss an die Verletzung nicht den Ball überlassen hatten.
Die BHC-Spieler ließen sich auf keine Diskussionen ein, gingen durch Fabian Gutbrod mit 18:17 wieder in Führung. Der erste Schock schien verdaut, aber die personellen Alternativen im BHC-Rückraum sind bekanntlich nicht unendlich.

Der Rest war nichts für schwache Nerven: Gunnarsson verwarf den ersten Siebenmeter für den BHC beim Stand von 21:20. Auch das steckte der BHC mit seiner nun enorm stabilen Abwehr weg. Beim Stand von 22:21 scheiterte Gunnarsson alleine vor Keeper Nebosja Simic. Wieder war es nichts mit dem Zwei-Tore-Vorsprung. Auf der Gegenseite hielt der Däne Lasse Mikkelsen sein Team mit Übersicht und präzisen Würfen im Spiel. Dann sah Yves Kunkel die Rote Karte, aber auch Jeffrey Boomhouwer scheiterte mit seinem Siebenmeter an Simic, wenig später Max Darji am Pfosten. Melsungen schlug zurück und nutzte die kurze Schwäche des BHC, um mit 24:23 in Führung zu gehen. Doch inzwischen war Christopher Rudeck auf Betriebstemperatur und verhinderte mehrfach einen entscheidenden Rückstand.
Ausgleich zum 24:24 durch Max Darj zwei Minuten vor Schluss. Rudeck hält und Boomhouwer trifft ins leere Tor zum Sieg. Wieder steht Rudeck einem Gegentreffer im Weg. Ballbesitz für den BHC und noch 50 Sekunden auf der Uhr. Dann noch vier Sekunden und Zeitstrafe für Nippes. Mikkelsen steigt zum letzten Wurf hoch, aber wieder ist Rudeck zur Stelle und die Schlusssirene geht im Jubel unter. Der BHC darf weiter träumen.

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