Bergischer HC spielt verstärkt in Düsseldorf

Neue Kooperation: Bergischer HC spielt verstärkt in Düsseldorf

Der Handball-Erstligist Bergischer HC geht eine langfristige Kooperation mit Düsseldorf ein. Die beinhaltet nicht nur mehr Spiele im ISS Dome.

Die Ziele sind ambitioniert, sie wachsen, derzeit Platz acht in der Handball-Bundesliga macht viel Mut. Jetzt geht der Handball-Erstligist Bergischer HC den nächsten Schritt und verbündet sich langfristig mit der Landeshauptstadt Düsseldorf. Mit der Sportstadt Düsseldorf und dem Sportevent-Vermarktungspartner D:Live hat die Spielbetriebs-GmbH der Erstligahandballer aus Solingen und Wuppertal einen Vertrag über eine Zusammenarbeit bis 2022 geschlossen.

Der beinhaltet nicht nur ab der Erstliga-Saison 2019/20 „je nach Spielplan und Terminverfügbarkeit“ bis zu sechs Heimspiele in einer Saison im ISS Dome in Rath zu absolvieren und Düsseldorf damit als dauerhaft dritte Heimspielstätte nach Solingen und Wuppertal zu integrieren, sondern künftig auch zusammen zu wachsen.

Mit Peter Kluth wird der Berater des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel (SPD) als umtriebiger Sport-Event-Manager einen Sitz als sechstes Mitglied im Gesellschafterkreis des BHC haben, außerdem wird derzeit über einen 15 bis 20-prozentigen Düsseldorfer Beteiligungsanteil an der Spielbetriebs-GmbH des BHC verhandelt. wie das Konstrukt genau aussehen kann, ist noch offen. Die Begeisterung auf beiden Seiten aber ist klar. „Es ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten, das Beste was wir machen können und ein wesentlicher Schritt in der Entwicklung der Bergischen Löwen. Es gab bei allen Beteiligten durchweg positive und anerkennende Aufmunterung“, sagte BHC-Geschäftsführer Jörg Föste am Dienstag bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz im Solinger Restaurant Pfaffenberg. Das Thema ist natürlich sensibel: Die Heimat des Fusionsclubs liegt im Bergischen, Düsseldorf wird von einigen Anhängern durchaus kritisch beäugt.

Viele Argumente sprechen aber für den am Dienstag demonstrierten Schwur gemeinsamer Arbeit für eine bessere Zukunft: Der aufstrebende Handball-Erstligist ist mit der Solinger Klingenhalle (fasst etwa 2800 Zuschauer bei Handball-Spielen) und der Wuppertaler Uni-Halle (fasst etwa 3200 Zuschauer) in seinen Möglichkeiten stark begrenzt und hat schon in dieser Saison über das Ticketing im Düsseldorfer Dome bei bislang zwei Heimspielen gegen die Rhein Neckar Löwen und den THW Kiel rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes der Saison abgedeckt. Das soll jetzt ausgebaut werden. Auch, weil die einst geplante neue Sportarena im Bergischen Land außer Reichweite ist und sich politisch niemand mehr dafür zu interessieren scheint. Föste sagte am Dienstag dazu mit ironischem Unterton: „Wenn sich noch jemand dafür engagieren möchte, hätte er jetzt zumindest drei Jahre Planungszeit gewonnen.“

Die Motivation der Düsseldorfer Seite hat auch damit zu tun, dass das einst hoffnungsvoll gestartete Engagement der Stadt beim Handball-Zweitligisten Rhein Vikings gerade geendet ist, weil man mit dem dortigen Management und der sportlichen Entwicklung des derzeitig abgeschlagenen Tabellenletzten der 2. Bundesliga unzufrieden war. Weil der Sportmarkt in der Landeshauptstadt relativ gesättigt scheint, hält Kluth das Agreement in seiner Gestaltung für das „genau richtige Engagement für Düsseldorf“.

Die Handball-Nationalelf testet im März im Dome

Dort hat man eine größere Auslastung des Domes und die Steigerung der Attraktivität der Namensrechte auf der Habenseite. Auch hat sich die Landeshauptstadt, die mit vielen großen, aber teils auch unausgelasteten Sportstätten „gesegnet“ ist, sich mit dem zuletzt stärkeren Engagement im Handball für größere Events wie Länderspiele interessant gemacht. Aktueller Beweis: Die deutsche Nationalmannschaft trifft dort nach der am Donnerstag beginnenden WM am 9. März in einem Testspiel auf die Schweiz (14 Uhr). Und: Mit dem Einstieg beim BHC sind auch finanzielle Zuwendungen wie umfangreich gebuchte Werbeflächen auch in Solingen und Wuppertal und die Beschaffung von zusätzlichen Sponsoren auch in der Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer EG aus der Deutschen Eishockey Liga angedacht. Sogenannten Business-Kunden können dort bald attraktivere Pakete angeboten werden.

Dass der Handball Erstligist künftig und über die drei Jahre irgendwann komplett nach Düsseldorf wechselt – diese Sorge wollten am Dienstag alle Beteiligten den Anhängern des Clubs nehmen, die ihr Herz im bergischen Land verloren haben. „Heimat und Herz“ des BHC sei „bergisch“, sagte Kluth, das solle auch so bleiben. Düsseldorf könne „erste Liga nicht“ und sei mit einigen Highlights als guter und motivierter Partner ausreichend versorgt. Trotzdem soll aus der Kooperation etwas Großes erwachsen, dessen Zukunft noch nicht abzusehen ist. „Wir denken alle schon weiter als die drei Jahre. Wir wollen ja mehr tun, als eine Halle zu vermieten, wir wollen die Löwen auf die nächste Ebene hieven. Sonst kann man die Mehrwerte nicht heben“, sagte Kluth, der als Rechtsanwalt tätig ist.

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