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Fußball: Gladbach entdeckt Grifo

Fußball : Gladbach entdeckt Grifo

Im zehnten Liga-Spiel steht der Italiener zum ersten Mal in der Startelf — und hinterlässt beim Sieg in Hoffenheim mächtig Eindruck.

Sinsheim. Vincenzo Grifo hatte bisher wenig Gelegenheit, bei seinem neuen Verein Borussia Mönchengladbach Eindruck zu schinden. Zwei Kurzeinsätze gegen Hannover und in Bremen — für mehr hatte es nicht gereicht für den 24 Jahre alten Italiener, der vor der Saison für sechs Millionen Euro vom SC Freiburg verpflichtet worden war. Nach einer Verletzung musste sich Grifo erst einmal hinten anstellen, aber seit dem 3:1-Sieg von Borussia Mönchengladbach in Hoffenheim dürfte er in der Hierarchie ein paar Plätze gut gemacht haben.

Obwohl er keines der drei Tore erzielte, war er am Samstag bei seinem ersten Startelf-Einsatz gleich der Mann des Tages: Vor der Pause schlenzte er den Ball an den Pfosten und zwang 1899-Torhüter Oliver Baumann außerdem bei einem Freistoß zu einer Glanztat. In der zweiten Hälfte gab er zuerst die perfekt getimte Vorlage zum 1:1 von Thorgan Hazard. In der 79. Minute dann sein persönlicher Höhepunkt: Grifo tanzte zwei Gegenspieler am Strafraum aus und steckte zu Matthias Ginter durch, der nur noch zum 2:1 vollenden musste. Und die Ecke, die zum 3:1 durch Jannik Vestergaard führte, schoss er auch noch. So kam es, dass am Ende Raffael von niemandem vermisst wurde. Den hatte Gladbachs Trainer Dieter Hecking nach zuletzt mäßigen Leistungen auf die Bank gesetzt.

„Ich habe in der Verletzungsphase sehr an mir gearbeitet und konditionell an vielen Schrauben gedreht“, erklärte Grifo, der an diesem Tag in Sinsheim, sportlich gesehen, wohl glücklicher war als im gesamten Zeitraum zwischen 2012 und 2015 zusammen. Da war er bei dem Club im Kraichgau unter Vertrag, spielte aber fast nur in der zweiten Mannschaft oder wurde ausgeliehen (Dresden, FSV Frankfurt). Der Durchbruch gelang ihm erst in Freiburg — und auch in Gladbach sind seine Aktien seit Samstag gewaltig gestiegen.

„Es ist schön, dass Vincenzo Grifo endlich eindrucksvoll seine Qualitäten zeigen durfte“, freute sich Sportdirektor Max Eberl. Und auch Dieter Hecking lobte dessen „ausgezeichnete Leistung“. Der Gladbacher Trainer bastelte, diesmal erfolgreich, weiter an seinem Defensivkonzept: Neben Jannik Vestergaard verteidigte innen Nico Elvedi, Nationalspieler Ginter rückte ins Mittelfeld. Auf der rechten Seite hatte zwar Tony Jantschke einige Mühe mit dem Ex-Gladbacher Nico Schulz. Doch insgesamt stand die Borussia, die vor einer Woche beim 1:5 gegen Leverkusen noch kopflos ins Taumeln geraten war, erstaunlich sicher gegen heimstarke Hoffenheimer.

Deren engagierteste Aktion nach der Pause zeigte Trainer Julian Nagelsmann, als er, erbost über Hazards Ausgleich, eine Plastikflasche auf die Tribüne pfefferte und dabei einen Zuschauer am Kopf traf. Nagelsmann entschuldigte sich später.

Rundum genießen konnten aber auch die Gäste ihren zweiten Auswärtssieg der Saison nach dem 2:0-Erfolg in Bremen nicht: Zum einen, weil sich Jonas Hofmann einen Innenband-Teilabriss im rechten Knie zuzog und für den Rest des Jahres ausfällt. Zum anderen, weil ein Spruchband im Gäste-Block für Ärger sorgte. Borussen-Fans hatten Dietmar Hopp, den Hoffenheimer Mäzen, als „Fußball-Mörder“ verunglimpft. Bundestrainer Joachim Löw („beschämend und unwürdig“), Hoffenheims Geschäftsführer Hansi Flick („menschenverachtend“) und auch Max Eberl („Wir wollen nichts mit Leuten zu tun haben, die Hass schüren“) fanden klare Worte. So dürfte der verdiente Sieg für die Gäste noch ein teures Nachspiel haben.